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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDollar statt Peso07.06.2013

Dollar statt Peso

Die Argentinier haben kein Vertrauen in die eigene Währung

Um zu verhindern, dass die Bevölkerung ihr Geld ausschließlich in US-Dollar anlegt, hat die argentinische Regierung den Dollar-Kauf reglementiert. Als Folge ist ein großer Dollar-Schwarzmarkt entstanden.

Von Victoria Eglau

Kein Vertrauen in den Peso: Während der großen Wirtschaftskrise zwischen 1998 und 2002 verloren zahlreiche Argentinier ihr Vermögen. (picture alliance / dpa /  Ali_Burafi)
Kein Vertrauen in den Peso: Während der großen Wirtschaftskrise zwischen 1998 und 2002 verloren zahlreiche Argentinier ihr Vermögen. (picture alliance / dpa / Ali_Burafi)

"Wir haben seit langem eine Inflation, die nicht korrigiert wird. Das heißt, die Pesos, die ich verdiene, verlieren Monat für Monat, Jahr für Jahr, an Wert. In argentinischen Pesos zu sparen macht keinen Sinn, und um eine Wohnung zu kaufen, reicht mein Geld nicht. Also habe ich angefangen, in Dollars zu sparen."

So, wie diese Biochemikerin aus Buenos Aires, machen es Millionen von Argentiniern. Sie vertrauen der eigenen Währung nicht und legen ihr Geld in US-Dollar an. Ein Trend, der lange vor der derzeitigen Inflation von mehr als 20 Prozent jährlich begonnen hat. Entscheidend für die Dollarisierung Argentiniens war die Zeit zwischen 1975 und 1990, in der die Inflation nur in einem einzigen Jahr unter 100 Prozent lag. Die US-Währung gelte in seinem Land als krisenfest, erklärt der Journalist Alejandro Rebossio, der im Juli ein Buch über die Argentinier und den Dollar veröffentlichen wird.

"In unserer Geschichte hat sich gezeigt, dass der US-Dollar für einen ganz normalen Argentinier die beste Investition ist. Die Mittelklasse legt traditionell in Festgeld oder Dollars an. Wenn sich Festgeld nicht lohnt, dann in Dollars. Während unserer zahlreichen Wirtschaftskrisen und Währungsabwertungen waren diejenigen am besten dran, die Dollars besaßen – und zwar nicht auf dem Konto."

... sondern zu Hause, in einem Safe oder im Ausland, fügt Rebossio hinzu. 2011, kurz nach ihrer Wiederwahl, schob die Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner dem Run auf die grünen Scheine einen Riegel vor. Die Möglichkeiten der Argentinier, Dollars zu kaufen, wurden stark beschränkt. Die Devisenflucht sollte gebremst werden, denn die Regierung braucht selbst große Dollar-Summen, um ihre Auslandsschulden zu begleichen und Energielieferungen zu bezahlen. Die Folge der unpopulären Maßnahme: die Entstehung eines Dollar-Schwarzmarktes. Wegen der anhaltenden Nachfrage ist der Parallel-Dollar – im Volksmund Dollar Blue – immer teurer geworden. Sein Preis stieg kürzlich auf zehn Pesos – fast doppelt so viel wie der offizielle Wechselkurs. Buchautor Alejandro Rebossio:

"Inzwischen hat die Regierung einige Maßnahmen ergriffen, um den Schwarzmarkt-Kurs zu drücken, und dieser ist auf acht Pesos achtzig gesunken. Zu den Maßnahmen gehören Zinserhöhungen, damit die Leute statt in Dollars in Festgeld anlegen, sowie Inspektionen in den illegalen Wechselstuben."

... die aber kurioserweise dennoch weitgehend unbehelligt ihrer Tätigkeit nachgehen. Zu den Kunden jener Wechselstuben, die Höhlen genannt werden, gehören auch immer mehr Ausländer, die dort für Dollars oder Euros wesentlich mehr Pesos erhalten als mit der Karte am Geldautomaten. Damit hätte es ein Ende, wenn der Schwarzmarkt verschwände. Was erst dann geschehen wird, wenn die Argentinier wieder freien Zugang zum US-Dollar bekommen. Alejandro Rebossio:

"Wenn der Dollar-Kauf wieder zugelassen würde, hätte das meiner Ansicht nach eine sofortige starke Abwertung des Pesos zur Folge. Das will die Regierung vermeiden, und deswegen hält sie die Beschränkungen aufrecht. Ich denke, die Regierung strebt eine stufenweise Abwertung des Pesos an. Auf dem offiziellen Markt lässt sie den Dollarpreis langsam steigen, während sie sich bemüht, den Schwarzmarkt-Preis zu senken."

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