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StartseiteInformationen am MorgenAuf Kriegsfuß mit den Medien15.08.2016

Donald Trump im WahlkampfAuf Kriegsfuß mit den Medien

Das Verhältnis zwischen Präsidentschaftskandidat Donald Trump und der Presse ist weiter angespannt. Nachdem die "New York Times" Insiderinformationen über die Frustration in Trumps engstem Beraterkreis veröffentlicht hatte, schlug dieser mit einer Medienschelte zurück. Die Reporter seien der "Abschaum der Menschheit".

Von Thilo Kößler

Donald Trump auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner (picture alliance / dpa / EPA / David Maxwell)
Donald Trump auf dem Nominierungsparteitag der US-Republikaner (picture alliance / dpa / EPA / David Maxwell)
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Die Mission des Führungszirkels um Donald Trump sei gescheitert, schrieb die "New York Times" - es sei auch seinen engsten Wahlkampfberatern nicht gelungen, ihn davon zu überzeugen, dass er sich jetzt schleunigst mäßigen müsse.

Die "New York Times" - wie die "Washington Post" für ihre hartnäckige und seriöse Recherche bekannt - berief sich auf vier anonyme Quellen aus dem unmittelbaren Umfeld des Spitzenkandidaten der republikanischen Partei – sie hätten Trump als völlig erschöpft beschrieben, frustriert und zunehmend verwundert darüber, dass sein Wahlkampf nicht mehr zünde.

Informationslecks im unmittelbaren Umfeld

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten - Donald Trump schlug mit einer bisher beispiellosen Medienschelte zurück: Journalisten im allgemeinen und die Reporter der "New York Times" im Besonderen seien der Abschaum der Menschheit - die niedrigste Form der menschlichen Existenz, sagte er in Connecticut.

Was Trump an dem Artikel der "New York Times" beunruhigen muss, ist die Tatsache, dass es in seinem unmittelbaren Umfeld Informationslecks gibt - Zeichen einer wachsenden Frustration im engsten Beraterkreis. Vor diesem Hintergrund behauptete Trump, es gebe diese anonymen Quellen gar nicht.

Um dann zu behaupten, er selbst sei die anonyme Quelle.

Donald Trump steht seit langem auf Kriegsfuß mit den Medien: Mal beschimpft er eine Moderatorin als völlig unfähig, mal entzieht er der "Washington Post" die Akkreditierung für die Berichterstattung über seinen Wahlkampf. Seine jüngsten Verbalinjurien gegen die Medien zeugen jedoch von einer wachsenden Nervosität: Er führe nicht keinen Wahlkampf gegen die betrügerische Hillary Clinton, sagte er, sondern gegen die "Lügenpresse".

Abstand zu Hillary Clinton wird größer

Tatsächlich sieht sich Donald Trump mit einem dramatischen Einbruch seiner Umfragewerte konfrontiert: In den letzten zwei Wochen ist der Abstand zwischen ihm und Hillary Clinton immer größer geworden - Clinton liegt jetzt laut verschiedener Umfragen zwischen sechs und zwölf Prozent in Führung.

Besonders besorgniserregend muss für Trumps Wahlkampfteam dabei sein, dass nun auch in den sogenannten Swing States das Pendel deutlich zugunsten Hillary Clintons ausschlägt: Clinton führt in den besonders umkämpften sogenannten Battleground-States Ohio und Florida. Doch auch in Pennsylvania und New Hampshire liegt sie vorn, in Virginia und Colorado sogar so deutlich, dass die "Washington Post" schon gar nicht mehr von Swing States sprechen will. Der Optimismus, den Trumps Wahlkampfmanager Paul Mannafort in einer der sonntäglichen News-Shows zur Schau stellte, muss vor diesem Hintergrund geradezu wie Zweckoptimismus wirken: Die Trump-Kampagne habe in den letzten zwei Monaten 132 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden eingesammelt und man sei in allen 50 Staaten gut aufgestellt.

Dabei hätte Trump durchaus noch Chancen, heißt es laut "New York Times" in seinem Umfeld - Trump müsse sich nur endlich auf klare Kernbotschaften konzentrieren und dürfe sich nicht ständig neue Ausrutscher leisten: So geriet die Berichterstattung über Trumps eigene Wirtschaftspläne völlig ins Hintertreffen, weil er sich binnen weniger Tage erst missverständlich über Gewaltanwendung gegen Hillary Clinton äußerte und dann Präsident Obama als Gründer der IS-Milizen bezeichnete - beide Male musste er unter wachsendem Druck zurückrudern. So hält sich zwar Donald Trump konstant in den Schlagzeilen - schadet aber mehr sich selbst als seiner Gegnerin Hillary Clinton: Deren E-Mail-Affäre und neue Vorwürfe wegen fragwürdiger personeller Verquickungen zwischen dem State Department und ihrer Clinton-Stiftung sind gewissermaßen nur noch medialer Beifang im Windschatten der Trump-Eskapaden.

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