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StartseiteSport am WochenendeEs geht voran 18.02.2018

Doping-Fall Alex SchwazerEs geht voran

Der italienische Geher Alex Schwazer wurde 2008 Olympiasieger. Vier Jahre später wurde er des Dopings mit EPO überführt und sportrechtlich gesperrt. Er wurde Kronzeuge und plante sein Comeback. Nach einer erneuten positiven Probe wurde er 2016 wieder gesperrt. Jetzt kommt Bewegung in den Fall.

Von Ralf Meutgens

Pressekonferenz von Alex Schwazer zu seiner Disqualifizierung am 08.08.2012 (imago sportfotodienst)
Pressekonferenz von Alex Schwazer zu seiner Disqualifizierung am 08.08.2012 (imago sportfotodienst)
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Es ist der vorläufige Höhepunkt eines von Beginn an merkwürdigen Falles: Vorige Woche wurden in Köln Teile der A- und B-Probe des italienischen Gehers Alex Schwazer an Vertreter der italienischen Behörden übergeben. Schwazer hatte im Dezember 2015 gegenüber den Strafermittlern auch gegen zwei italienische Sportmediziner und eine Funktionärin des italienischen Leichtathletik-Verbandes, FIDAL, ausgesagt.

Umgehend ordnete der Welt-Leichtathletik-Verband, IAAF, bei ihm eine Dopingkontrolle an. Für den Neujahrstag 2016. Eine deutsche Firma führte die Kontrolle durch. Wegen des Feiertages musste die Probe zwischengelagert werden, bevor sie den Weg ins Kölner Anti-Dopinglabor antrat. (Anmerkung der Redaktion: an dieser Stelle haben wir aus redaktionellen Gründen eine Änderung vorgenommen.)

Der italienische Geher Alex Schwazer wurde 2008 Olympiasieger über die 50-Kilometer-Distanz.  (imago sportfotodienst)Der italienische Geher Alex Schwazer wurde 2008 Olympiasieger über die 50-Kilometer-Distanz. (imago sportfotodienst)

Dort wurde sie zunächst als unauffällig bewertet, bis sie nach Monaten in einem zweiten Schritt genauer untersucht wurde. Es wurde von außen zugeführtes, also kein körpereigenes, Testosteron entdeckt. Dies führte zur sportrechtlichen Verurteilung Schwazers.

Doch der Befund warf Fragen auf: Von italienischer Seite wurden Manipulationsvorwürfe laut und eine eigene Untersuchung der Proben gefordert. Sollten Schwazer und Donati, die eine Bedrohung für das italienische Sportsystem sind, diskreditiert werden? Ein Amtshilfegesuch der Bozener Staatsanwaltschaft führte zur Beschlagnahmung der Proben, die in Köln lagerten, durch die Kölner Staatsanwaltschaft.

Einmaliger Fall im internationalen Sport

Das Oberlandesgericht Köln entschied zuletzt am 13. Oktober 2017, dass Teile der A- und B-Probe nach Italien zu überstellen seien. Durch eigene Analysen und DNA-Vergleiche will man in Italien den Vorwürfen einer Manipulation der Probe nachgehen. Nach Deutschlandfunk-Informationen hatten sowohl Welt-Anti-Dopingagentur WADA als auch der Welt-Leichtathletikverband offenbar bis zuletzt versucht, die Überstellung zu verhindern.

Ein bisher einmaliger Fall im internationalen Sport. Unklar ist, ob eine Manipulation analytisch überhaupt nachweisbar sein wird. Konnten die Flaschen unbemerkt geöffnet werden? Dann wäre es kein großes Problem, einer Probe fremden Urin beizumengen, der zwar Testosteron aber keine DNA-Spur enthält.

Siegerehrung für Goldmedaillengewinner Alex Schwazer bei den Olympischen Spielen 2008 (imago sportfotodienst)Siegerehrung für Goldmedaillengewinner Alex Schwazer bei den Olympischen Spielen 2008 (imago sportfotodienst)

Ein größeres Problem aber dürfte der erforderliche lückenlose Nachweis sein, wie mit der Probe verfahren wurde, bis sie im Kölner Anti-Doping-Labor ankam. Für die Zwischenlagerung bei der deutschen Kontrollfirma bedingt durch den Feiertag gibt es widersprüchliche Angaben. Es sollen mindestens sechs Personen über die notwendigen Schlüssel verfügt haben, um unbemerkt an die Probe zu gelangen.

Haftstrafen wegen der Kultur des Duldens und Wegschauens

Die Personen, gegen die Schwazer Ende 2015 ausgesagt hatte, wurden in Italien gerade zu mehrjährigen Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt. Erstmals nicht wegen der Abgabe von Dopingmitteln, sondern wegen der Kultur des Duldens und Wegschauens.

Ein Präzedenzfall, der das italienische Sportsystem in seinen Grundfesten erschüttert hat. Die befürchtete Bedrohung durch den Kronzeugen Schwazer ist real geworden. Weitere Ermittlungen scheinen nicht ausgeschlossen. Der Fall bleibt spannend.

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