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StartseiteSport AktuellRing frei - warum Boxer beinahe ungehindert dopen können21.03.2018

Doping im BoxenRing frei - warum Boxer beinahe ungehindert dopen können

Im deutschen Profi-Boxen ist Doping nach Insider-Aussagen weit verbreitet. Auch Recherchen der ARD-Dopingredaktion lege das nahe. Anabolika, Wachstumshormone, EPO, Blutdoping, dazu Abnehmpillen würden konsumiert. Dopingkontrollen seien viel zu lasch. Nicht einmal bei Meisterschaften werde getestet.

Von Sebastian Krause

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Boxhandschuhe hängen über das Seil eines Boxrings. (picture-alliance / ASA / Stefan Matzke)
Der deutsche Boxen muss sich mit Dopingvorwürfen auseinandersetzen (picture-alliance / ASA / Stefan Matzke)
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Robert Rolle ist seit Jahrzehnten mittendrin in der deutschen Boxszene. Früher Boxprofi, deutscher Meister 2006, ein Europameistertitel 2008, heute arbeitet er als Trainer in Berlin. Bisher traute sich kaum jemand offen über Doping im Boxen zu sprechen. Robert Rolle bricht jetzt das Schweigen.

"Doping spielt ne große Rolle im Profiboxen, leider. Viel zu weit verbreitet. Das sind nicht nur Einzelfälle. Boxen ist die Sportart die mit am meisten braucht, benötigt. Und deswegen gibt es eigentlich alles - von hin zu Abnehmmedikamenten bis hin zu Entwässerungstabletten bis hin zu anabolen Steroiden, Wachstumshormonen, Epo, Blutdoping. Es gibt alles."

Unangemeldete Kontrollen zu Hause? Fehlanzeige

Und die Dopingkontrollen seien viel zu lasch, sagt Rolle:

"Ich hab viele Leute getroffen, die sich über so etwas wie Dopingkontrollen gar keine Gedanken gemacht haben, weil die sich einfach gesagt haben: 'Nicht einmal bei Meisterschaften finden teilweise Kontrollen statt'. Die waren sich ihrer Sache so sicher, dass sie permanent gefeuert haben."

Der Verband Bund Deutscher Berufsboxer - kurz BDB - bestätigt auf Anfrage, dass im Schnitt nur bei jedem zweiten Kampf getestet wird. Systematische, unangemeldete Kontrollen bei den Athleten zu Hause - in anderen Sportarten seit Jahren üblich - gibt es im Profiboxen gar nicht. Der BDB unterwirft sich nicht einmal den weltweiten Anti-Doping-Regeln, dem sogenannten WADA-Code. Vor allem aus Kostengründen sei es nicht möglich, die internationalen Standards im Kampf gegen Doping umzusetzen, verteidigt sich BDB-Präsident Thomas Pütz.

Bei positiven Dopingfällen geht es drunter und drüber

"Wir kriegen keine staatlichen Gelder, wir kriegen dies nicht, wir kriegen das nicht. Wir sollen irgendwie aus Mitgliedsbeiträgen finanzieren. So, und ich sage, jede Dopingkontrolle, die der BDB leistet und bezahlt, da kann man dankbar für sein."

Und wenn dann ein Boxer mal positiv getestet wird, geht es drunter und drüber - wie im Fall des Schwergewichts-Champions Erkan Teper: Das Ergebnis des Tests wurde angezweifelt. Und das damals zuständige Labor in Kreischa bei Dresden, weltweit anerkannt, wurde aufgefordert, die B-Probe herauszugeben und in die USA schicken. Dort sollte die B-Probe in einem Labor analysiert werden, das gar keine WADA-Zulassung hat.

Detlef Thieme, der Labor-Chef in Kreischa, konnte es nicht glauben. "In dem vorliegenden Fall war dann zu beanstanden, dass der Verband uns beauftragt hatte oder beauftragen wollte, die Probe an ein nicht-akkreditiertes Labor zu schicken und das geht gar nicht. Ich hab damals gesagt, dass das nicht WADA-konform ist und ich hab also auch explizit gesagt, dass wir unter diesen Bedingungen keine weiteren Proben mehr für sie analysieren dürfen und werden."

Keinerlei Zusammenarbeit mit der NADA

Unverständnis auch bei der NADA, der Nationalen Anti-Doping-Agentur in Deutschland. Es gebe keinerlei Zusammenarbeit mit einem Verband im Profiboxen, sagt NADA-Chefin Andrea Gotzmann, Gespräche seien immer gescheitert.

"Es gibt dort unterschiedliche Verbände, die auch ihr eigenes Regelwerk haben. Das was wir in vielen Teilen nicht nachvollziehen können. Wir gehen da ja fast schon wieder in die Steinzeit der Anti-Doping-Arbeit zurück."

BDB-Präsident Thomas Pütz weist jegliche Schuld von sich. Er sei ja für strengere Dopingkontrollen. Nur, sollte er das in seinem Verband durchsetzen, würden Boxer, die dopen wollen, eben in einen anderen Verband wechseln, wo es kaum oder gar keine Tests gebe. 

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