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DopingopferhilfeGeipel gibt Vorsitz ab

Als Dopingopfer können in Deutschland Menschen anerkannt werden, die als Sportler in der DDR ohne eigenes Wissen gedopt wurden. Ihnen nimmt sich seit fast 20 Jahren der Verein Doping-Opfer-Hilfe an. Doch um diesen gibt es seit einigen Monaten Streit. Der kulminiert jetzt in einer Personalentscheidung.

Marina Schweizer im Gespräch mit Jörg Münchenberg.

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Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Dopingopferhilfe, spricht während einer Pressekonferenz zu Missbrauch und Doping in der ehemaligen DDR. (dpa-Bildfunk / Gregor Fischer)
Ines Geipel, Vorsitzende des Vereins Dopingopferhilfe, spricht während einer Pressekonferenz zu Missbrauch und Doping in der ehemaligen DDR (dpa-Bildfunk / Gregor Fischer)
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Jörg Münchenberg: Marina Schweizer aus der Sportredaktion, welche Veränderungen zeichnen sich ab?

Marina Schweizer: Die Vorsitzende Ines Geipel, auch vielen als Schriftstellerin bekannt, legt ihr Amt nieder. Das wurde jetzt schon vor der alljährlichen Mitgliederversammlung der Doping-Opfer-Hilfe bekannt, die erst für Donnerstag geplant ist. Ich habe Ines Geipel gerade in Berlin erreicht und sie hat mir das bestätigt. Die viele Arbeit in den vergangenen 5 Jahren in der Beratungsstelle, der Kampf um ein weiteres Entschädigungsgesetz und eine Langzeitstudie, sagt sie:

"Das war viel Arbeit, ich fühl mich ein bisschen ausgeraubt, auch im Herbst gab es ja viel Diskussion und diese personalisierte Auseinandersetzung hat für mich an einer bestimmten Stelle auch etwas Unwürdiges bekommen und diese Mélange im Grunde ist es jetzt zu sagen, wir stellen uns strategisch etwas anders auf."

Und diese Strategie lautet: Der Sportrechtler Michael Lehner, Gründungsmitglied des Doping-Opfer-Hilfevereins, übernimmt den Vorsitz.

Münchenberg: Ines Geipel spricht den Streit um den Verein an – um was geht es da und wer streitet?

Schweizer: Es streiten Menschen, die früher gemeinsam für die gleiche Sache gekämpft haben – also prominente Anti-Doping Kämpfer in Deutschland: Auf der einen Seite, etwa der Heidelberger Molekular Biologe Werner Franke und der ehemalige Ski-Langlauftrainer Henner Miserksy und auf der anderen Seite eben Ines Geipel.

Die Kritiker werfen der Führung überhöhte Opferzahlen vor und: Man stütze Trittbrettfahrer. Also Betrüger, die als Dopingopfer anerkannt werden wollen, weil es ein aktuelles Entschädigungsgesetz vom Bund gibt und damit eine Einmalzahlung von 10 500 Euro.

Werner Franke, der selbst maßgeblich an der Aufdeckung des DDR-Dopingsystems beteiligt war, sagt dazu der ARD-Dopingredaktion: "Ich bestehe darauf, dass ich weiß, wofür dieser Verein da ist. Nämlich den Opfern, den wirklichen Opfern, den beweisbaren Opfern, zu helfen."

Da ist den Kritikern die Auffassung des Vereins zu offen, wer dazu gehört zu den Opfern und wer nicht. Etwa die Kinder von DDR-Dopingopfern und die Definition von Folgeschäden bei ihnen.

Münchenberg: Wie wehrt sich der Verein und Ines Geipel gegen diese Vorwürfe?

Schweizer: Ines Geipel verwahrt sich dagegen: Der Verein sei gar nicht der Gutachter, der am Ende entscheidet, wer nachweislich Dopingopfer ist. Die Anträge werden beim Bundesverwaltungsamt geprüft. Die Gutachten seien wissenschaftlich begründet.

Die Diskussion um das 2. Dopingopfer Hilfegesetz sei diesen Herbst in der Sache verrutscht, was insbesondere für die Opfer bitter sei:

"Keiner der Kritiker hat sich ein einziges Mal die Mühe gemacht, zu uns in die Beratungsstelle zu kommen, überhaupt sich mal kundig zu machen, was sind das für Personen, was sind das für Fälle? Wir fahren jetzt den ganzen Herbst die Nummer ‚Deutschland sucht den Trittbrettfahrer‘ und wir haben keinen gefunden. Wir haben hier sehr ernste Fälle, es gibt nicht einen, nicht einen, der diesen Herbst unter dem Verdacht stünde, Trittbrettfahrer zu sein. Ich weise diese Diskussion kategorisch zurück".

Das sagte Geipel heute dem Deutschlandfunk. Mit dem Führungswechsel soll wohl die aktuelle Stimmung, die offensichtlich auch eine persönliche Fehde der Beteiligten ist, etwas herabgekühlt werden.

Als Beobachter stellt sich natürlich immer wieder die Frage, ob dieser ganze Streit am Ende nicht denen schadet, denen ursprünglich geholfen werden sollte: Den Opfern des DDR-Zwangsdopings.  

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