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StartseiteSport AktuellEin Vergleich, zwei Welten?11.07.2018

Dopingtests bei WM und Tour de FranceEin Vergleich, zwei Welten?

Bei dieser Fußball-WM war das Thema Doping so oft in den Schlagzeilen wie früher bei der Tour de France. Auch Russlands Fußballer sollen Teil des russischen Dopingsystems gewesen sein – so der Vorwurf. Doch wie wird bei der WM in Russland eigentlich auf Doping getestet, im Vergleich zur Tour de France?

Von Sebastian Krause

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Eine Dopingkontrolle während des WM-Spiels Uruguay gegen Frankreich. (imago )
Eine Dopingkontrolle während des WM-Spiels Uruguay gegen Frankreich. (imago )
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Bei der Tour de France müssen die Fahrer ständig mit Dopingkontrollen rechnen. Direkt nach jeder Etappe werden der Tagessieger, der Gesamtführende und einige andere Fahrer getestet. Und, berichtet der Deutsche Nils Politt, es gibt unangekündigte Kontrollen in den Team-Hotels.

"Morgens um sechs, um sieben Uhr. Die können quasi auch abends um zehn Uhr kommen. Das weiß man nicht, wann die Kontrolleure kommen. Irgendwann klopft es halt an der Tür. Dann heißt's: Hier sind wir. Dopingkontrolle, und dann ja, muss man bereitstehen."

Insgesamt gibt es bei der Tour im Schnitt acht Dopingtests pro Tag - genommen werden Urin- und Blutproben.

Chris Froome auf der ersten Etappe der Tour de France 2018. (imago sportfotodienst)Um den britischen Tour-de-France-Sieger Chris Froome ranken sich Dopinggerüchte (imago sportfotodienst)

Und die FIFA? Nichts als Schweigen

Und bei der Fußball-WM? Keine Transparenz. Die FIFA weigert sich auf Anfrage zu sagen, wie viele Tests durchgeführt werden, und ob es auch unangekündigte Kontrollen in den Mannschaftshotels gibt. Bei der WM 2014 in Brasilien hatte es nämlich nur die Standardtests nach Spielende gegeben.

Wir versuchen es beim DFB. Wie wurde die deutsche Nationalelf in Russland getestet?

"Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen und an die FIFA", antwortet der DFB per Mail. Und Top-Sprinter Marcel Kittel fragt sich sowieso, wie es sein kann, dass die FIFA die Dopingkontrollen bei der WM selber durchführt.

"Das ist in den anderen Sportarten fast schon ein Unding."

Kittel steht vor einer schwarzen Wand und hebt grinsend die geballte Faust. (AFP / LIONEL BONAVENTURE)Der deutsche Radfahrer Marcel Kittel: "Ein Unding" (AFP / LIONEL BONAVENTURE)

"Die FIFA kann machen, was sie will"

Bei der Tour de France kontrolliert nicht der Verband, sondern eine unabhängige Anti-Doping-Organisation, in Zusammenarbeit mit der französischen Anti-Doping-Agentur. Das sei vorbildlich, sagt Ralph Denk der Chef des deutschen Teams Bora.

"Die FIFA kann da mit den Kontrollen tun und machen, was sie will. Da schaut keine neutrale Hand drauf." 

January 14, 2017 - Adelaide, South Australia, Australia - Media Conference with (L-R) Ralph Denk, Team Manager and UCI World Road Champion, Peter Sagan Tour Down Under, Australia on the 14 of January 2017 Cycling 2017 - Tour Down Under - Australia PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAf96_ 20170114_zap_f96_018 January 14 2017 Adelaide South Australia Australia Media Conference with l r Ralph Thinking team Manager and UCI World Road Champion Peter Sagan Tour Down Under Australia ON The 14 of January 2017 Cycling 2017 Tour Down Under Australia PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAf96_ 20170114_zap_f96_018 (imago sportfotodienst)Sportchef Ralph Denk (li.) mit dem Radprofi Peter Sagan (imago sportfotodienst)

2016 wurden 79 Fußballer mit Doping erwischt

Auch die Deutsche Anti-Doping-Agentur NADA kritisiert die FIFA, dass sie keine unabhängigen Beobachter bei der WM in Russland zugelassen hat.

Tony Martin, der mehrmalige Zeitfahr-Weltmeister, winkt bei dem Thema sowieso ab.

"Diese Vergleiche mit dem Fußball, die hab ich sehr schnell bei Seite gelegt, weil das macht sowieso keinen Sinn. Gegen den König Fußball kommst Du eh nicht an. Ich glaube schon, dass da mit anderen Spielregeln nochmal gespielt wird, und dass der Fußball auch intern noch eine andere Macht hat."

Die Mär, Doping würde im Fußball nichts bringen, ist längst wiederlegt. Laut der  jüngsten Statistik wurden trotz der fragwürdigen Kontrollen 2016 weltweit 79 Fußballer mit Doping erwischt.

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