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StartseiteSport AktuellAthleten befürchten Wettbewerbsverzerrung22.05.2019

Dopingtests direkt vor WettkämpfenAthleten befürchten Wettbewerbsverzerrung

Als Reaktion auf den Erfurter Blutdopingskandal hat die deutsche Anti-Doping-Agentur NADA die Dopingkontrollschraube weiter angezogen. Jetzt werden in Deutschland Dopingstests sogar direkt vor den Wettkämpfen durchgeführt. Athletenvertreter kritisieren, dass das zu unfairen Bedingungen führen könnte.

Von Sebastian Krause

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Eine Dopingkontrolle während des WM-Spiels Uruguay gegen Frankreich. (imago )
In Deutschland werden jetzt nicht nur nach, sondern auch unmittelbar vor Wettkämpfen Dopingkontrollen durchgeführt (imago )
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Das sei das falsche Signal, sagt zum Beispiel Synchronschwimmerin Amélie Ebert aus Würzburg. Sie ist Athletenvertreterin, gehört zum Präsidium der unabhängigen Interessenvertretung Athleten Deutschland, und ist dort für das Thema Anti-Doping zuständig. Anstatt den Sportlern eine weitere große Belastung aufzubürden, sagt sie, solle das Dopingproblem von einer anderen Seite angepackt werden:

"Also, unsere Vorschläge waren, dass man das Whistleblower-System ausbaut, das wird ja jetzt auch schon gemacht. Wir haben auch gesagt, dass man Tests für Funktionäre und Trainer mit aufnehmen soll. Das man erstmal über die ganze Kultur nachdenken sollte. Dass man mehr zu so einer Aufklärungskultur in so einem Verband kommt. Und nicht so sehr, jedes Problem so unter den Teppich kehrt. Das ist der Nährboden für solche kriminellen Strukturen."

Eingriff in die direkte Wettkampfvorbereitung

Ganz abgesehen von einer möglichen Wettbewerbsverzerrung: Mit Dopingtests kurz vor dem Start werde in die direkte Wettkampfvorbereitung eingegriffen, sagt Athletenvertreterin Amelie Ebert. Und dann könnten die Sportler, die für eine solche Kontrolle ausgewählt werden, gegenüber den anderen im Wettkampf natürlich einen Nachteil haben.

Amelie Ebert, Athletenvertreterin im Sportausschuss des Deutschen Bundestages  (dpa / Christoph Soeder)Ist gegen Dopingkontrollen direkt vor dem Wettkampf: Athletenvertreterin Amelie Ebert (dpa / Christoph Soeder)

"Es ist ja so, dass jeder seine individuelle Wettkampfvorbereitung hat, in seinem Tunnel ist. Sich konzentrieren muss, seinen geübten Ablauf, der von vorne bis hinten durchgeplant ist, oft hat. Und, wenn dann so eine Kontrolle kommt, kann es doch zu enormen Verschiebungen kommen. Also, wir wollen ja eigentlich als Ziel haben, den Wettkampf fairer zu machen. Und wir haben ein bisschen Sorge davor, dass das gerade für die sauberen Athleten eigentlich dann noch ein größerer Nachteil wird."

Noch dazu, wenn bei den Tests Blutproben genommen werden, sagt Ebert. Da dürfe dann bei der Blutabnahme wirklich nichts schiefgehen.

"Das müssen halt ganz geübte Ärzte sein, die das Blut abnehmen. Weil, wenn man durch die Vene sticht, kann zum Beispiel ein kleines Hämatom da sein, wenn es dann um so Sportarten wie zum Beispiel Schwimmen geht, wo man den Arm dann immer komplett anknicken muss, ist das eben schon störend."

Neue Praxis muss sich bewähren

Dopingtests direkt vor dem Wettkampf sind erlaubt und vereinbar mit den Anti-Doping-Regeln. Die Kontrolleure dürfen tatsächlich bis wenige Minuten vor dem Start kommen. Nur, ob die Tests im Verhältnis dazu stehen, was sie bringen, sprich, ob dann wirklich mehr Doper erwischt werden, muss sich jetzt erst zeigen.

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