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StartseiteKommentare und Themen der WocheArmutszeugnis für einen Sportverband29.07.2021

DOSB-Reaktion auf Moster-EklatArmutszeugnis für einen Sportverband

Der DOSB zieht aus dem Rassismus-Eklat erst spät Konsequenzen. Radsport-Funktionär Patrick Moster direkt aus dem Olympiateam zu nehmen, hätte nichts Unwürdiges gehabt, kommentiert Marina Schweizer. Einem Verband, der Null-Toleranz-Politik ruft und wenn es drauf ankommt schwimmt, geht früher oder später die Glaubwürdigkeit verloren.

Von Marina Schweizer

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Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), steht am Streckenrand neben Azzedine Lagab aus Algerien in Aktion beim Zeitfahren.  (picture alliance / Sebastian Gollnow)
Olympia: Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer), steht am Streckenrand neben Azzedine Lagab aus Algerien in Aktion beim Zeitfahren. (picture alliance / Sebastian Gollnow)
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Es ist entschieden: Patrick Moster muss aus Tokio nach Hause fahren. Das ist für den Deutschen Olympischen Sportbund doch nicht mehr tragbar gewesen: Ein Rad-Sportdirektor im Olympia-Team, der auf der größten aller Bühnen rassistische Äußerungen von sich gibt. Das ist nie akzeptabel und dabei muss man gar nicht erst ruminterpretieren, ob das so gemeint war.

Entschuldigungen und Erklärungsversuche hin oder her. Man kann von einem hochrangingen Sportfunktionär schon verlangen, dass er weiß, dass das nicht hinnehmbar ist. Erschreckend genug, dass Vokabeln wie "Kameltreiber" in seinem aktiven Wortschatz vorkommen.

Das soll hier ganz zu Beginn auch deutlich gesagt sein.

Verweis auf Fairplay, Respekt und Toleranz reine Phrase

Und jetzt kommen wir zum Deutschen Olympischen Sportbund. Der Sportverband steht jetzt – neben Moster – zu Recht im Zentrum der Kritik. Für seinen völlig unverständlichen Schlingerkurs. Am Tag der Entgleisung selbst ließ der Dachverband wissen, dass diese Äußerung inakzeptabel sei, aber passiert ist erst mal nichts. Der Verweis auf Werte wie Fairplay, Respekt und Toleranz blieb reine Phrase.

Nach rassistischen Aussagen während eines Radrennens musste der deutsche Radsport-Direktor Patrick Moster die Olympischen Spiele 2021 in Tokyo verlassen. (dpa / picture-alliance / Maurizio Gambarini) (dpa / picture-alliance / Maurizio Gambarini)Radsport-Funktionär droht Suspendierung
Patrick Moster muss die Olympischen Spiele verlassen. Der Leistungssportdirektor des Bund Deutscher Radfahrer hatte einen rassistischen Ausdruck als Anfeuerungsruf benutzt.

DOSB zögerte einen Tag

Aber so inakzeptabel war das Ganze dann wohl doch nicht für den DOSB. Denn: Anstatt Moster direkt aus dem Team auszuschließen, ließ Verbandspräsident Hörmann nach einem Gespräch mit dem Sportdirektor zunächst wissen, dass man das als nicht nötig ansehe. Ein Armutszeugnis für einen Sportverband, der so gerne für gesellschaftliche Werte stehen möchte.

Es gibt eine Mitteilung von vor fast genau einem Jahr – verfasst vom DOSB und der Deutschen Sportjugend. Darin heißt es: Man betrachte die Zunahme von Rassismus und Ausgrenzung in der Gesellschaft mit großer Sorge. Der Sport trage eine große gesellschaftliche Verantwortung, diesen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten, mit diesen Worten lässt sich DOSB-Präsident Hörmann zitieren. 

Patrick Moster, Sportdirektor vom BDR (Bund Deutscher Radfahrer) (dpa/picture alliance/Frank May) (dpa/picture alliance/Frank May)Sportverbände reagieren zu zögerlich
Die rassistischen Äußerungen von Radsportfunktionär Patrick Moster bei den Olympischen Spielen zeigten, dass jede Sportart bestroffen sein könne, sagt Gerd Wagner, Referent der Deutschen Sportjugend.

Wer soll einem Verband glauben, der nach den rassistischen Aussagen einen Tag lang zögert, aber die Werte "nicht verhandelbar" nennt?

Auch im DOSB-Ethik-Codex steht ganz deutlich: Diskriminierung ist unzulässig. Was gab es da jetzt also zu warten?

Man habe nicht aus der ersten Emotion heraus entscheiden wollen, sondern mit Ruhe und Professionalität, lässt der Präsident wissen. Das mag für den einen oder die andere vernünftig klingen. Es geht ja auch nicht darum, jetzt in die andere Richtung, also gegenüber Patrick Moster plötzlich einen unmenschlichen Umgang an den Tag zu legen. Ihn aber direkt aus dem Olympiateam zu nehmen, hätte nichts Unwürdiges gehabt.

Es hätte genau die Professionalität signalisiert, von der Präsident Hörmann sprach. Einem Verband, der Null-Toleranz-Politik ruft und wenn es drauf ankommt schwimmt, geht früher oder später die Glaubwürdigkeit verloren. Der Deutsche Olympische Sportbund hat sich in Tokio blamiert.

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