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StartseiteCorso„Das Schaurige an den Figuren ist ihre totale Einfachheit“21.03.2019

Drama "Wintermärchen"„Das Schaurige an den Figuren ist ihre totale Einfachheit“

Becky und Tommi beschließen, Migranten zu töten. Bald ist auch noch Maik dabei, und das explosive Trio beginnt seine Mordserie. Angelegt ist der Film "Wintermärchen" an die Taten des NSU, aber ein Denkmal wolle er der Terrorzelle keineswegs setzen, sagte Regisseur Jan Bonny im Dlf.

Jan Bonny im Corsogespräch mit Christoph Reimann

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Eine Frau zielt im Wald mit einer Waffe. Ein Mann steht neben ihr. (W-film / Heimatfilm)
Filmszene "Wintermärchen": Tommi (Thomas Schubert) und Becky (Ricarda Seifried) üben das Schießen (W-film / Heimatfilm)
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Die meisten Auseinandersetzungen mit rechter Gewalt seien vermittelnd, begleitend, erklärend, sagte Regisseur Jan Bonny im Deutschlandfunk. Mit seinem Drama "Wintermärchen" wolle er einen anderen Zugang finden.

Weite Teile des Films zeigen die Neonazis Becky, Tommi und Maik beim Sex oder beim Töten. Die Kamera fängt beides etwa zu gleichen Anteilen ein.

"Die drei Figuren sind allesamt natürlich ganz narzisstische Figuren, die sich nach Anerkennung, nach Aufmerksamkeit sehnen", erklärt Bonny seine Vorgehensweise.

Der Regisseur Jan Bonny ist zu Gast im Deutschlandfunk (Kerstin Janse / Deutschlandfunk)Der Regisseur Jan Bonny (Kerstin Janse / Deutschlandfunk)

Sexualität und Gewalt seien die zwei Seiten der gleichen Medaille. "Es gibt eigentlich keine Szene im Film, die nicht in irgendeiner Art und Weise von Gewalt geprägt ist, genauso wenig aber auch von sexueller Spannung geprägt ist." Er habe zeigen wollen, dass Sex und Gewalt miteinander verwoben seien.

Wir haben noch länger mit Jan Bonny gesprochen – hören Sie hier die Langfassung des Corsogesprächs

Letztlich sei "Wintermärchen" eine Erzählung über banale Figuren. "Es sind fiktive Figuren, es ist eine fiktive Geschichte." Die Protagonisten bräuchten für ihre Mordlust und für die Gewalt, die sie ausüben, nicht viel Ideologie. "Das Schaurige an den Figuren ist ihre totale Einfachheit."

"Ich fürchte, dass das, was wir als Ideologie bezeichnen, oft nur die Beschreibung der eigenen Erbärmlichkeit ist", sagte Jan Bonny weiter. Den didaktischen Blick habe er vermeiden wollen. Die Gefahr, dass der Film deshalb missinterpretiert werden könne, sieht er nicht: "Ich glaube ganz sicher nicht, dass dieser Film ein Denkmal für den NSU ist."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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