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StartseiteInformationen am AbendBKA legt Darknet-Marktplatz lahm03.05.2019

Drogenhandel im NetzBKA legt Darknet-Marktplatz lahm

Ermittlern des BKA ist ein Schlag gegen einen der größten kriminellen Marktplätze im Darknet gelungen. Die drei mutmaßlichen Betreiber des sogenannten "Wall Street Market" wurden in Deutschland gefasst. Über die Plattform wurden Drogen, aber auch gestohlene Daten und Schadsoftware verkauft.

Von Gudula Geuther

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Im Rahmen von Hausdurchsuchungen beschlagnahmte Euro-Banknoten bei einer Pressekonferenz zum Schlag gegen die Darknet-Plattform "Wall Street Market" im Bundeskriminalamt in Wiesbaden am 03.05.2019 (dpa / Silas Stein)
Operation gegen Darknet-Plattform "Wall Street Market": mehr als eine Million Euro in bar und Kryptowährung (dpa / Silas Stein)
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Die mutmaßlichen Betreiber der illegalen Online-Plattform "Wall Street Market" sind in deutscher Untersuchungshaft. Um Verkäufer und Käufer vor allem von Drogen zu fassen, werden die sichergestellten Daten in Europa und den USA weiter ausgewertet. Viel zu tun - denn, so der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, Georg Ungefuk:

"Bei Wall Street Market, es war ein Online-Marktplatz, handelt es sich um die weltweit zweitgrößte Internet-Handelsplattform, über die insbesondere Drogen, insbesondere hier Heroin, Kokain, Amphetamine, Cannabis, aber darüber hinaus auch ausgespähte Daten, gefälschte Ausweisdokumente wie Personalausweise und Schadsoftware gehandelt wurden."

Und das in rauen Mengen:

"Zuletzt war auf diesem Online-Marktplatz insgesamt ein Bestand von 63.000 Verkaufsangeboten eingestellt, sowie über 1.150.000 Kundenkonten eingerichtet und 5.400 Verkäuferprofile angemeldet.

Zugänglich war die Plattform ausschließlich über das Tor-Netzwerk im sogenannten Darknet. Schon vor zehn Tagen nahmen die Ermittler drei Deutsche im Alter zwischen 22 und 31 Jahren fest, in Kleve, Bad Vilbel und im Kreis Esslingen. Sie stehen in Verdacht, die Plattform betrieben zu haben und dabei bei jedem Geschäft zwei bis sechs Prozent Provision kassiert zu haben.

Erfolg internationaler Ermittler

Gezahlt wurde in Krypto-Währung. Bei den Verdächtigen wurden sechsstellige Bitcoin- und Monero-Beträge gefunden, außerdem 550.000 Euro in bar und bei einem der Männer eine Schusswaffe. Auch der Server der Plattform wurde sichergestellt.

Der Ermittlungserfolg ist das Ergebnis intensiver internationaler Zusammenarbeit. Ganz wesentliche Hinweise kamen offenbar aus den Niederlanden, wo spezialisierte Ermittler seit 2016 Spuren nachgingen. Allein dort, so berichtete einer dieser Polizisten auf der Pressekonferenz in Wiesbaden, habe man nun 200 Verkäufer mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro im Blick. Verkauft aber wurde weltweit, so Ryan White von der Staatsanwaltschaft Los Angeles.

"Die Betreiber hatten ihre Basis in Europa, viele Verkäufer hatten ihren Sitz in den USA. Viele von ihnen sind bereits vorgeladen worden und eine werden noch vorgeladen werden."

Die drei mutmaßlichen Plattformbetreiber hatten die deutschen Ermittler seit März im Visier. Die Entscheidung zum Zugriff kam plötzlich. Die drei wollten sich offenbar absetzen. Georg Ungefuk:

"Nachdem die mutmaßlichen Verantwortlichen spätestens am 23. April 2019 die administrative Tätigkeit auf der Plattform aufgegeben haben sollen, begonnen haben sollen, die Gelder der Kunden, die dort abgelegt waren, an sich selbst zu transferieren - so etwas bezeichnet man in der Szene als Exit Scam - erfolgten sodann im Zeitraum vom 23. April bis zum 2. Mai umfangreiche operative Maßnahmen."

Strafbarkeit von Darknet-Plattformen ungeregelt

Eine Plattform zu betreiben, auf der illegale Waren gehandelt werden, ist derzeit als solches nicht strafbar. Laut Koalitionsvertrag soll sich das möglicherweise ändern. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium Günter Krings fordert härtere Strafen. Das sagte der CDU-Politiker der Rheinischen Post. Eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums betonte:

"Die Bundesregierung prüft derzeit, inwiefern konkrete Sachverhalte von der geltenden Gesetzeslage nicht oder nicht ausreichend strafrechtlich abgedeckt werden und wie etwaige Strafbarkeitslücken geschlossen werden können."

Strafen sind auch jetzt möglich. Den drei Männern droht ein Verfahren wegen des Verdachts, dass sie gewerblich Drogenhandel ermöglicht haben. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft.

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