Sonntag, 20.10.2019
 
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Drohnenangriff auf Öl-AnlagenTrumps Krieg

Der Wirtschaftskrieg zwischen Iran und den USA ist in vollem Gange, meint Christian Buttkereit nach den Drohnenangriffen in Saudi-Arabien. Es sei das Ergebnis von Donald Trumps Nahost-Politik. Nach wie vor habe die US-Administration keine vernünftige und erfolgversprechende Iran-Strategie.

Von Christian Buttkereit

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Schwarzer Rauch, der aus einer Raffinerie aufsteigt. Die Drohnenangriffe auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien verschärfen die Spannungen zwischen den USA und dem Iran.  (Planet Labs Inc/AP)
Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien haben die Sorge vor einer militärischen Eskalation im Nahen Osten befeuert und den Ölpreis sprunghaft steigen lassen. (Planet Labs Inc/AP)

Dies war das Letzte, das die Weltwirtschaft gebraucht hat: Durch die Angriffe auf die Öl-Anlagen Abqaiq und Khurais brach die saudische Förderung um die Hälfte ein. Das sind fünf Prozent der weltweiten Produktion. Zwar wollen die Saudis das Defizit zügig ausgleichen, indem sie Reserven auf den Markt bringen, dennoch stiegen die Ölpreise zu Wochenbeginn weltweit. Das ist Gift für eine Weltwirtschaft, die bereits zuvor durch die von US-Präsident Trump angezettelten Handelskriege geschwächt war.

Die beiden Angriffe zu verantworten hat wahrscheinlich der Iran - direkt oder indirekt. In der Region haben die Iraner Verbündete, durch die sie den Erzrivalen Saudi-Arabien und die Amerikaner piesacken können. Im Irak sind das bestimmte Milizen, im Jemen die Houthi-Rebellen. Vor diesem Hintergrund sind die Beteuerungen Teherans, man sei unschuldig, nicht viel wert.

Schlag und Gegenschlag

Spätestens seit dem Wochenende ist klar: Die USA und der Iran führen gegeneinander Krieg, einen Wirtschaftskrieg. Begonnen hat ihn Trump, als er aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausstieg und das Land mit drakonischen Sanktionen belegte. Ziel war es, alle Ölexporte des Iran zu unterbinden. Die iranische Führung antwortete, indem sie zunächst Öltanker angreifen ließ und nun auf das Herz der saudischen Energieproduktion zielte.

Die Botschaft aus Teheran ist unmissverständlich: 'Wenn ihr unsere Volkswirtschaft zerstört, fügen wir euch ebenfalls schweren wirtschaftlichen Schaden zu.' Dies liegt in der Logik eines Kriegs: Wer angegriffen wird, schlägt meistens zurück.

Trumps Politik des 'maximalen Drucks' auf den Iran ist längst gescheitert. Die iranische Führung denkt gar nicht daran, sich dem amerikanischen Diktat zu beugen. Zu Gesprächen oder gar Verhandlungen ist Teheran erst dann bereit, wenn die USA ihre Sanktionen aufgeben. Dass die Iraner nicht reden wollen, nicht reden können, während Trump ihnen die Luft zum Atmen abschnürt, das scheint den US-Präsidenten ratlos zu machen.

Nach wie vor hat die US-Administration keine vernünftige und erfolgversprechende Iran-Strategie. Jeden Tag schlägt Trump neue Politik-Haken, je nachdem, wohin ihn seine krankhafte Ich-Bezogenheit, seine Persönlichkeitsstörung, gerade treibt.

Steigende Energiepreise drohen

Wie es in der Golf-Region nun weitergeht, weiß deshalb niemand. Vielleicht erkennt Trump eine Gefahr für seine Wiederwahlchancen nächstes Jahr, sollte es am Golf zu einer militärischen Konfrontation kommen, mit dramatisch steigenden Energiepreisen weltweit. Und vielleicht wird er deswegen in Sachen Iran nun umsteuern. Vielleicht aber eben auch nicht.

Eines scheint überdeutlich: Ohne Trumps widersinnige Iran-Politik würden die saudischen Ölanlagen Abqaiq und Khusair heute vermutlich nicht in Schutt und Asche liegen.

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