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StartseiteFirmenporträtWo der Greenback geboren wird12.10.2018

Druck der US-BanknotenWo der Greenback geboren wird

Einen Katzensprung vom Weißen Hauses in Washington entfernt, stehen die mächtigen Gebäude der staatlichen amerikanische Notenbank-Druckerei. Das US-Sternenbanner ist allgegenwärtig im Inneren des "Bureau of Engraving and Printing". Gedruckt wird aber auch auf Maschinen eines Herstellers aus Österreich.

Von Anja Steinbuch und Michael Marek

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Mitarbeiter Vincent Tacconelli belüftet frisch gedruckte Bögen mit Dollarnoten in der US-Notendruckerei, dem Bureau of Engraving and Printing in Washington (AP Photo / Jacquelyn Martin)
Mitarbeiter Vincent Tacconelli belüftet frisch gedruckte Bögen mit Dollarnoten in der US-Notendruckerei, dem Bureau of Engraving and Printing in Washington (AP Photo / Jacquelyn Martin)
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"Wenn du Einkaufen gehst oder dir ein Eis holst, dann triffst du überall auf deine Arbeit!" Ed Mejia ist Drucker und Abteilungsleiter in der größten Geldfabrik der Vereinigten Staaten: im Bureau of Engraving and Printing. So lautet der offizielle Name der staatlichen US-amerikanischen Dollar-Druckerei - nur einen Katzensprung vom Weißen Haus entfernt. Über drei Straßenblocks erstreckt sich der gewaltige Gebäudekomplex, der einer Festung gleicht.

"Hier ist es wirklich laut, dabei befinden wir uns erst am Anfang der Produktion im Offset-Bereich. Dort drüben stehen unsere Druckmaschinen – links die Tiefdruck-Maschine, rechts das Offset-Gerät. Ganz hinten ist der Tresor-Raum, da kommen wir allerdings nicht rein."

Am Greenback wird Hand angelegt

Mitarbeiterin Lydia Washington führt durch die Produktionshallen. Der Lärm ist ohrenbetäubend. Paletten mit Druckbögen stehen herum. Es ist eng, stickig und patriotisch: Überall ist der Sternenbanner zu sehen. Die etwa zehn Meter langen und zwei Meter hohen Druckmaschinen laufen auf Hochtouren - dazwischen arbeiten Drucker und Maschineningenieure. Digitalisierung oder Roboter? Fehlanzeige! Hier sind Handwerker gefragt.

Heute werden Zwanziger hergestellt, erklärt James Sutherland. Der Schichtführer mit Bart, Karohemd und tätowierten Armen ist für den ersten Teil der "Schein-Produktion" verantwortlich: das beidseitige Aufbringen der Farbe im Offsetverfahren. Auf die Vorderseite presst die Maschine das Porträt von Andrew Jackson, der siebte Präsident der USA und Mitbegründer der Demokratischen Partei:  

"Sie haben ja das Papier gesehen, es kommt hier unbedruckt an. Dann läuft es durch diese Simultanpresse. Beide Seiten erhalten gleichzeitig ein Motiv. Wir arbeiten mit jeweils drei Farben auf der Vorder- und Rückseite. Hier sehen Sie orange und grün. Die Farbe wird durch Druckplatten aufgebracht. Dadurch entsteht ein Regenbogen-Effekt."

Im Einsatz: Maschinen aus Mödling bei Wien

America first, so wie Donald Trump es gebetsmühlenartig proklamiert, ist hier nicht unbedingt Gesetz. Das Herzstück der Produktion kommt aus Mödling bei Wien: eine Offset-Maschine der österreichischen Firma KBA. Ein Meter lange Papierbögen zischen mit einer Geschwindigkeit von 9.- bis 10.000 Stück pro Stunde über die Walzen. Noten im Wert von etwa 560 Millionen Dollar rollen hier täglich vom Band. Bei gerade einmal 3,6 Cent liegen die Herstellungs- und Papierkosten für jede Dollarnote, erklärt Sutherland:

"2003 kam diese moderne Drucktechnik erstmals zum Einsatz. Damals waren es nur die Zwanziger. Die Zentralbank gibt ihre Bestellung ein Jahr im Voraus an uns, und wir teilen die Produktion dann in Monate auf."

Erst Jeans, dann Zahlungsmittel

Uramerikanisch ist nicht nur der Dollar, uramerikanisch ist auch sein Ausgangsmaterial: gebrauchte Blue Jeans. Gewaschen, geschreddert, gebleicht, so Mitarbeiter Frank Noll:

"Der Hauptbestandteil des Dollar ist Denim, also ein besonders fest gewebter Baumwollstoff. Die meisten Leute denken irrtümlich,  dass die Währung auf Papier oder Holzfaserpapier gedruckt ist. Das ist übrigens der Grund, warum Ladenbesitzer, wenn bei ihnen  im Geschäft mit einem 20, 50 oder 100 Dollarschein bezahlt wird, einen Stift nehmen und einen Strich darauf malen. Normalpapier aus Holzfaser wird dabei rissig, was bedeutet, dass der Dollar eine Fälschung ist. Echte Dollars enthalten keine Holzfasern."

Etwa 1.700 Angestellte arbeiten für die US-Notendruckerei, die meisten davon als Polizisten und Wachpersonal. Alle sind sich ihres Privilegs bewusst, denn sie verdienen gutes Geld: Ihr durchschnittlicher Verdienst lag 2017 bei 93.000 US-Dollar und war damit fast doppelt so hoch wie das Einkommen der US-Amerikaner. Wer hier arbeitet, hat also keinen Grund, Noten mitgehen zu lassen. Auch Michael Dumarasky nicht:

"COPACK bedeutet: Wir drucken hier die Siegel und die Seriennummern auf die Motive und verpacken die Scheine. Hier sehen Sie das schwarze Siegel der Notenbank und das grüne Siegel des Finanzministeriums. Dazu kommen die Seriennummern für die einzelnen 12 unterschiedlichen Bankbezirke."

George Washington als Wächter

Dann werden die Dollarbögen geschnitten. Über eine Walze laufen sie direkt in ein von Schutzwänden verstecktes Messer, und werden anschließend zu Bündeln von 100 Scheinen geordnet. Aus insgesamt 16.000 Scheinen wird am Ende ein in Plastik geschweißter Geld-Batzen gepackt und an eine der zwölf regionalen Banken der Federal Reserve geschickt.

Am Ausgang blickt George Washington streng von der riesigen Ein-Dollar-Note. Der erste Präsident der Vereinigten Staaten wacht auch 219 Jahre nach seinem Tod per Dollarnote über Volk und Land. Das ist die Botschaft: uneingeschränkt und mächtig.

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