Montag, 22.04.2019
 
Seit 20:05 Uhr Musikjournal
StartseiteVerbrauchertippBei Minusgraden bis zu 20 Prozent weniger Reichweite06.02.2019

E-Autos im WinterBei Minusgraden bis zu 20 Prozent weniger Reichweite

Zuerst die Entwarnung: Mit dem E-Auto im Winter unterwegs zu sein, ist grundsätzlich kein Problem. Dennoch sollte, wer kann, sein Auto bei Minustemperaturen besser in einer Garage abstellen. Dann sind gewisse Reichweiten-Einbußen deutlich geringer.

Von Thomas Wagner

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Eine Stromtankstelle steht am 24.03.2017 in Stuttgart (Baden-Württemberg) an einem Parkplatz an einer vielbefahrenen Straße. (picture-alliance / dpa / Lino Mirgeler)
Eine ausgekühlte Batterie lädt etwas langsamer (picture-alliance / dpa / Lino Mirgeler)
Mehr zum Thema

Wallboxen im ADAC-Test E-Auto zuhause laden

Hybrid aus E-Auto und Fahrrad Sauberes Fahren und Fitness

Rund ums E-Auto Voll elektrisch in die Zukunft?

"Ich war am Bodensee, habe ein E-Auto genutzt, ein Carsharing-Auto. Ein Elektroauto fährt durchaus bei Kälte, ein Elektroauto fährt sehr gut bei Kälte. Aber man sollte als Elektroauto-Nutzer eine gewisse Reichweite-Reserve einplanen…"

ADAC-Sprecher Johannes Boos hat seine ganz eigenen Erfahrungen mit der Nutzung eines E-Autos gemacht: Bei Minustemperaturen muss man schon um die 20 Prozent von der ursprünglichen Reichweite abziehen. Allerdings gilt für das Auto das gleiche wie für den Menschen: Wenn es über Nacht mollig warm ist, funktioniert es tagsüber umso besser.

"Deshalb ist es sinnvoll, wenn man die Möglichkeit hat, das Elektroauto nachts in einer Garage abzustellen. Sie muss nicht beheizt sein. Aber die Temperaturen sind ein wenig besser. Beim Abstellen in der Garage verhindern Sie, dass die Batterie auskühlt."

Nachladen bei ausgekühlter Batterie langsamer

In diesem Falle sind die Reichweiten-Einbußen deutlich geringer, so Vincenzo Lucà vom TÜV Süd. Außerdem behält das E-Auto die Möglichkeit zur Beschleunigung bei, was bei ausgekühlten Batterien unter Umständen nicht mehr der Fall ist. Vor allem beim Nachladen, insbesondere beim Schnellladen, geht es bei winterlichen Temperaturen nicht ganz so schnell.

"Weil: Eine kalte Batterie – in die können sie gar nicht so schnell Energie hinein bringen, wie Sie das gerne haben wollen würden. Deshalb dauert der Ladevorgang etwas länger."

Wer trotz klirrender Kälte die Reichweitenverluste seines E-Autos minimieren möchte, findet eine Möglichkeit in der Heizung.  

"Wenn man da ein bisschen drauf schaut, dass man nicht permanent die Heizung hochfährt, sondern beispielsweise die Sitzheizung und die Lenkradheizung benutzt, das reicht meistens schon, dass Sie da wohlige Temperaturen haben. Da lässt sich dann ein bisschen Reichweite wieder rausholen."

So Vincenzo Lucà vom TÜV-Süd in München. Dass die Heizsysteme von Elektroautos selbst über Stunden hinweg, beispielsweise bei langen Staus, so schnell nicht in die Knie gehen, habe sich erst kürzlich gezeigt, so Johannes Boos vom ADAC:
"Wie hatten die Situation neulich auf der A 8. Da ist die Frage aufgekommen: Wenn die Autofahrer quasi die ganze Nacht auf einer Straße verbringen müssen, weil sie im Stau stehen, weil sie nicht mehr vorwärts kommen: Wann geht mir da bei einem E-Auto der Sprit aus? Die Heizung läuft ja. Sie verbraucht eine gewisse Leistung. Aber mit einer Batterie von 64 Kilowattstunden, wenn die voll ist, kann ich da zwei Tage im Stau stehen, ohne dass die Batterie für die Heizung in die Knie geht."

Rekuperationssystem nutzen

Allerdings sollte man im Blick behalten, dass E-Autos im Winter ihr Fahrverhalten ändern. Da geht es nicht nur um Straßenglätte. So sind fast alle E-Fahrzeuge mit so genannten "Rekuperationssystemen" ausgestattet. Das heißt: Wer dieses System aktiviert, gewinnt beim Bremsen elektrische Energie, mit der man die Batterie nachladen kann.

"Wir hatten vorher schon erwähnt: Zu viel Leistung kann ich eben nicht in eine kalte Batterie hinein pressen. Und insofern regelt auch das Rekuperationssystem die Leistung herunter, so dass nicht so viel Leistung wie im warmen Zustand in die Batterie hineingepresst werden kann. Das heißt: Das Fahrzeug bremst dadurch auch weniger."

Allerdings haben E-Mobile beim Fahren im Winter auch einen Vorteil: "Es hat einen niedrigeren Geräuschpegel", so ADAC-Sprecher Johannes Boos.

"Deshalb kann ich als Fahrer auch schneller erahnen: Ist es jetzt noch das Zischen von Wasser, das ich unterm Reifen hat? Oder wird es jetzt schon glatt? Also für dieses Fahrgefühl, um glatte gefährliche Stellen zu erkennen, ist ein Elektroauto ein bisschen im Vorteil."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk