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StartseiteVerbrauchertippKomfort-Pedelecs haben Vor- und Nachteile27.05.2020

E-Bikes im TestKomfort-Pedelecs haben Vor- und Nachteile

Jedes dritte verkaufte Fahrrad in Deutschland ist mittlerweile mit einem Elektroantrieb ausgestattet. Die Stiftung Warentest hat jetzt zwölf Modelle so genannter Komfort-Pedelecs getestet. Ihr Fazit: Nicht jedes Rad ist für jeden geeignet und einige bergen echte Gefahren.

Von Dieter Nürnberger

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Zwei Männer fahren in München (Bayern) auf ihren Pedelecs (dpa / Tobias Hase )
Viele E-Bikes haben ein sehr hohes Eigengewicht (dpa / Tobias Hase )
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Komfort-Pedelecs eignen sich für Frauen und Männer gleichermaßen. Und wie der Name schon suggeriert, geht es dabei eher um ein entspanntes Radeln, sagt Nico Langenbeck von der Stiftung Warentest. 

"Die Komfort-Pedelecs definieren sich dahingehend, dass sie einen tiefgeschwungenen Rahmen haben, einen sogenannten Wave-Rahmen. Und der ermöglicht ein einfacheres Auf- und Absteigen. Und das ist natürlich gerade für Personen, die vielleicht lange kein Fahrrad gefahren sind, hilfreich. Ein weiterer Aspekt ist natürlich auch die eher aufrechtere Sitzposition - im Vergleich zu den sporttlichen Trekkingrädern."

Blick auf einen provisorischen Radstreifen auf dem Gehweg in der Kieler Straße im Bezirk Berlin-Mitte.  (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)In den zurückliegenden Wochen der Coronakrise entstanden viele sogenannte "Pop-Up"-Radwege, um Radlern mehr Platz und Sicherheit zu geben. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)Tipps zum Fahrradkauf - Ausprobieren vor dem Kaufen
In der Coronakrise überlegen viele Menschen, aufs Rad umzusteigen. Aber die Auswahl ist riesig: City-Räder, Trekking-Räder, Mountainbikes, Rennräder, Klappräder, Hollandräder, E-Bikes und viele mehr.

Gefahr für ungeübte Radfahr

Erfahrene Radfahrer beurteilten das Fahrverhalten der zwölf Modelle. Getestet wurde sowohl draußen auf dem Asphalt wie auch im Prüflabor, wo ein 20.000 Kilometer-Dauertest und weitere Belastungen simuliert wurden. Die Pedelecs kosten zwischen 2.150 und immerhin 3.500 Euro. Und die meisten der Räder konnten erst einmal überzeugen.

"Die meisten haben beim Aspekt Fahren und auch Fahreigenschaften gut abgeschnitten. Es gab allerdings zwei Räder, die beim Fahren mit Gepäck nicht ganz so gut abgeschnitten haben. Insbesondere das Pedelec von 'Qwic' hat uns da negativ überrascht. Bereits bei niedrigeren Geschwindigkeiten neigte das Rad mit den zugelassenen 25 Kilogramm Gepäck zum sogenannten Lenkerflattern. Und das kann natürlich - wenn man lange nicht gefahren ist - gefährlich werden."

Vor allem bei den Prüfungen im Labor zeigten sich dann doch größere Unterschiede. Zum einen wurden bei 3 Modellen bedenkliche Weichmacher in den Satteln nachgewiesen. Und beim Belastungstest stellten die Warentester Mängel fest, die Sicherheit und Haltbarkeit betrafen, so Nico Langenbeck.

"Hier haben wir bei drei Rädern sicherheitsrelevante Anrisse am Rahmen, beziehungsweise an der Sattelstütze festgestellt. Zwei weitere Modelle - das getestete Rad von 'Kalk hoff' und auch das von 'Kettler' - sind bei einer Standrad-Sicherheitsprüfung zur Brandsicherheit durchgefallen. Das heißt: Hier kann es unter Umständen zu einem sicherheitsrelevanten Schaden an den Ladekontakten vom Akku beziehungsweise vom Ladegerät kommen."

Eine Frau fährt auf einem Elektrofahrrad durch Berlin.  (dpa / picture-alliance)Eine Frau fährt auf einem Elektrofahrrad durch Berlin. (dpa / picture-alliance)

Akkus zwischenladen statt leerfahren

Die Reichweiten mit einer Batterieladung liegen je nach individuellen Fahrverhalten mit viel oder wenig Motorunterstützung und auch abhängig vom befahrenen Gelände bei bis zu 100 Kilometern. Allerdings stellten in der Untersuchung einige Akkus die Geduld des Radlers auf die Probe.

Die besten brauchten für eine Vollaufladung knapp drei, andere hingegen bis zu sieben Stunden. Die Stiftung Warentest empfiehlt, die Akkus nicht leer zu fahren, sondern möglichst nach jeder Fahrt aufzuladen. Solche Teilladungen würden den heute üblichen modernen Lithium-Ionen-Akkus nicht schaden. Vier Komfort-Pedelcs kamen mit einer guten Gesamtbewertung ans Ziel: Sie kosten jeweils um die 3.000 Euro. Warentester Nico Langenbeck:      
 
"Testsieger ist das Rad von 'KTM' für einen Preis von rund 2.900 Euro. Dieses kam aufgrund wirklich guter Eigenschaften - also Fahren, Antrieb und Handhabung, sowie auch Sicherheit und Schadstoffe - auf ein Gesamtqualitätsurteil von 1,7. Dahinter folgen drei weitere Räder mit einem Urteil von 2,3 oder 2,4. Das sind die getesteten Räder von 'Stevens', 'Pegasus' und 'Raleigh'."

Und noch etwas fiel auf: Ein Manko haben alle Pedelecs in dieser Untersuchung. Sie sind mit 26 bis 28 Kilogramm recht schwer und für viele Radbesitzer im wahrsten Sinne des Wortes untragbar.  

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