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StartseiteHintergrundE-Mail statt Papier und Tinte21.12.2009

E-Mail statt Papier und Tinte

Der schleichende Tod des Briefes

Gerade zum Ende des Jahres bekommt die Post viel zu tun: Zahlreiche Weihnachtsgrüße wollen transportiert werden. Doch immer mehr wird auch elektronisch verschickt, als E-Mail. Und nicht nur an Weihnachten verliert der Brief seine Bedeutung.

Von Jörg Münchenberg

Künftig nur noch leer? Eine Reihe von Briefkästen an einer Hauswand. (Stock.XCHNG / Grethe Boe)
Künftig nur noch leer? Eine Reihe von Briefkästen an einer Hauswand. (Stock.XCHNG / Grethe Boe)
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Hagen Flosdorf auf der morgendlichen Tour durch seinen Zustellbezirk in der Kölner Innenstadt. Sechs Tage in der Woche, bei jedem Wetter. Briefträger müssen robust sein:

"Ja, man gewöhnt sich ja mit der Zeit dran. Das ist dann nicht mehr so schlimm wie es das für andere ist. Die aus dem Büro sind. Die sagen mir dann schon öfters: ach, Sie Ärmster. Aber für mich ist das dann gar nicht mehr so. Der letzte Winter war mal extrem. Aber Gott sei Dank haben wir die ja nicht mehr jedes Jahr. Wenn es kalt und trocken ist, dann geht es. Schlimmer ist, wenn es permanent regnet."

Der Ende-40-Jährige macht seine Arbeit bei der Post gerne, er ist seit 29 Jahren dabei. Erst im Innendienst, seit zehn Jahren trägt er Briefe aus. Postbote, sagt Flosdorf, ist mehr als ein gewöhnlicher Job:

"Normalerweise ist das ein Beruf wie jeder andere. Aber, bei gewissen Situationen bemerkt man, es ist ja doch ein bisschen anders. Letztens ist bei einer Kundin der Hund gestorben. Und da kann man da nicht einfach so vorbeigehen. Da unterhält man sich mit ihr. Da gibt man ein bisschen Trost und lässt sie erzählen. Da merkt man dann - aha, es ist ja doch mehr als nur Briefe verteilen."

Jetzt, kurz vor Weihnachten herrscht Hochbetrieb. Die Post muss Sonderschichten fahren, um den Ansturm zu bewältigen. Pakete, Päckchen, Wunschkarten und Briefe - das Geschäft für den Monopolisten Deutsche Post brummt, der trotz Liberalisierung noch immer 90 Prozent des Briefmarktes beherrscht. Doch von Feierstimmung ist in den Führungsetagen nichts zu spüren - im Gegenteil:

"Also grundsätzlich ist es so, dass sich das Kundenverhalten über die Jahre, von Generation zu Generation, immer wieder verändert. Und wir stellen in der Tat fest, dass gerade jüngere Menschen vermehrt SMS, E-Mail schreiben, elektronische Dienste in Anspruch nehmen. Das ist nicht immer Ersatz für einen geschrieben Brief - oftmals ist es eben auch ein Ersatz für ein Telefongespräch oder zusätzliche Kommunikation, die ganz neu entsteht. Aber generell ist es so, dass die Mengen Stück für Stück sinken. Ungefähr zwei bis drei Prozent pro Jahr. Und unsere Aufgabe ist es, darauf eine Antwort zu finden."

Beschreibt Briefvorstand Jürgen Gerdes die Lage. Der Trend ist seit Jahren ungebrochen. 70 Millionen Briefe wandern täglich von Hand zu Hand. Doch zur gleichen Zeit werden 81 Millionen SMS per Handy verschickt. Eine bittere Entwicklung für die Post, die bislang mit dem Briefgeschäft viel Geld verdient hat und damit auch ihren Aufstieg zum weltweiten Logistikkonzern finanzieren konnte. Post-Chef Frank Appel:

"Also, der klassische Brief wird sicherlich rückläufig sein, aber er wird niemals sterben. Es wird immer ein Niveau geben, wo der klassische Brief einfach unschlagbar ist in seinen Eigenschaften gegenüber einem anderen Medium. Das wird auch in Zukunft so sein. Die Herausforderung und die Unbekannte dabei ist: wir wissen nicht, ob das bei 50 Prozent, bei 70 oder bei 80 Prozent vom heutigen Volumen sein wird. Das ist die Herausforderung."

Der Brief ist natürlich viel älter als die Institution Post. Die Babylonier ritzten ihre Nachrichten auf Tontafeln, und die Ägypter nutzten den sogenannten Papyri für ihre Mitteilungen, vor gut 4700 Jahren. Die Eigenschaft des Briefes hat sich über die Jahrhunderte allerdings kaum geändert, meint Veit Didczuneit, zuständig für den Bereich Sammlungen beim Rundgang durch das Museum für Kommunikation in Berlin:

"Der Brief ist ein Nachrichtenmittel, ein Kommunikationsmedium, und man wollte Inhalte speichern und sie anderen zukommen lassen. Briefe haben durch die Geschichte hinweg zwei Komponenten. Den Inhaltsaspekt, dass man etwas mitzuteilen hat beziehungsweise auch den Beziehungsaspekt, dass man, wie bei den Feldpostbriefen sagen wollte, ich bin noch am Leben, ich bin noch da - denkt an mich, oder ich denke an Euch."

Doch bereits in der Antike entwickelte sich der Brief zu einer literarischen Kunstform. Julius Cäsar, Seneca oder auch Cicero machten den Anfang. Auch später nutzen viele andere Prominente den Brief zum Gedankenaustausch. Etwa Friedrich Schiller und Wolfgang Goethe. In einem Geburtstagsbrief schreibt Schiller am 23. August 1794 an seinen Freund:

"Lange schon habe ich, obgleich aus ziemlicher Ferne, dem Gang ihres Geistes zugesehen und den Weg, den Sie sich vorgezeichnet haben, mit immer erneuerter Bewunderung bemerkt. Sie suchen das Notwendige der Natur, aber Sie suchen es auf dem schwersten Wege, vor welchem jede schwächere Kraft sich wohl hüten wird. Sie nehmen die ganze Natur zusammen, um über das Einzelne Licht zu bekommen. Von der einfachen Organisation steigen Sie Schritt vor Schritt zu den mehr verwickelten hinauf um endlich die verwickelste von allen, den Menschen genetisch aus den Materialien des ganzen Naturgebäudes zu erbauen. Eine große und wahrhaft heldenmäßige Idee, die zur Genüge zeigt, wie sehr Ihr Geist das reiche Ganze seiner Vorstellung in einer schönen Einheit zusammenhält."

Niederlassung Brief, Hamburg Zentrum. Eine der größten in Deutschland. Zuständig für fast eine Million Haushalte, 1472 Briefkästen, 760 Mitarbeiter, 3,3 Millionen Sendungen pro Tag zu normalen Zeiten. Jetzt kurz vor Weihnachten herrscht auch hier Ausnahmezustand. Die Sortiererin am Band hat jede Menge zu tun:

"Also, einmal hier trennen, dann da an der Maschine, an der MA-Maschine. Und eben halt drüben zum Rollstempeln. Und Hammer-Stempel haben wir auch zum Beispiel, was noch mit der Hand gestempelt werden muss. Das sind dicke, kurze, wo was drin ist, was nicht durch die Maschine geht. Hier sortieren wir halt die Großbriefe, Kurzbriefe. Und eben die roten Tüten, das ist die Geschäftspost - die wird noch extra bearbeitet. Schnell müssen wir immer sein, überall."

Der Druck auf die Mitarbeiter ist in den letzten Jahren ständig gewachsen. Kosten sparen heißt auch hier die Devise. Das schwindende Briefgeschäft soll so wirtschaftlich wie möglich organisiert werden. Und so sind es die Maschinen, die im Briefzentrum den Takt vorgeben. Und die nächste Generation steht schon bereit, freut sich der Vertreter der lokalen Geschäftsleitung:

"Wir kriegen auch im übernächsten Jahr neue Großsortieranlagen, so heißen die Maschinen, und die übernehmen dann auch weitgehend das Stempeln. ... Die Mitarbeiter? Ja, also entlassen worden ist noch keiner. Das wird man sicherlich sozial abfangen."

Doch auch bei den Briefträgern hat sich inzwischen viel geändert. Zustellbezirke wurden zu größeren Einheiten zusammengelegt, und längst berechnet der Computer die günstigste Route - nach einer komplizierten Formel, zu der nicht zuletzt Wegezeiten, Verkehrsmittel und Lage gehören. Viele Boten klagen über den gestiegenen Arbeitsdruck, das weiß auch die stellvertretende verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. Aber:

"Also ich glaube, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Zustellung, die Stammbezirke haben, das heißt, die feste Reviere haben und tagtäglich die gleichen Strecken ablaufen und Briefsendungen zustellen - dass die noch gute Kontakte haben. Und für die Kundinnen und Kunden ist es auch wichtig, dass immer der gleiche Mensch kommt, der ihnen ihre Briefsendung zustellt. Das ist nicht überall möglich, aber ich glaube: die Post ist sozusagen noch immer das Gesicht zum Kunden über den Zusteller oder die Zustellerin."

Und doch wird es auch für die rund 80.000 Briefzusteller der Post keine Atempause geben. Die Kosten müssen weiter runter, betont Konzernchef Appel:

"Wir haben in den letzten Jahren die Prozesse bei den Zulieferern weiter optimiert. Ja, da sind nicht mehr beliebig Produktivitätsreserven zu holen. In der gegebenen Arbeitszeit. Deswegen habe ich ja im Sommer gesagt: Natürlich können wir in der gegebenen Arbeitszeit nicht mehr beliebige Optimierungen machen, sondern wir müssen überlegen, die Arbeitszeit zu verlängern. Das haben wir jetzt im ersten Schritt nicht getan."

Briefe sind weitaus mehr als Kommunikationsmittel. Briefe erzählen Geschichten und Schicksale - manchmal reicht dazu der Blick auf den Umschlag, sagt Veit Didczuneit vor einer kleinen Vitrine im Berliner Museum für Kommunikation:

"Hier in diesem Bereich sehen wir einen kunterbunten Brief. Man sieht also die Anschrift, man sieht viele Stempel. Man sieht Namen von europäischen Städten. Aber immer wieder auch durchgestrichen. Man könnte meinen, es ist Ausdruck einer Reiselust einer adligen Dame. Aber wenn man genau hinschaut, dann stellt man fest, dass diese Frau von der Asseburg 1887 höchstwahrscheinlich geschieden wurde - höchstwahrscheinlich aufgrund eines Ehebruchs, und Effi Briest lässt natürlich grüßen. Und in gewisser Weise deuten wir diesen Brief als Flucht vor der gesellschaftlichen Ächtung, die diesen Frauen widerfuhr, wenn sie Ehebruch begangen haben."

Daneben ganz andere Emotionen. Briefe, die von Erfolg, Glück und vor allem von der leidenschaftlichen Liebe erzählen:

"Gustav Mahler an Alma Schindler. Berlin 12. Dezember 1901. Mein teueres liebes Mädchen. In einer schrecklichen Hetze zwischen Ankunft und erster Probe schnell innige Grüße und ein Schrei des Herzens nach Dir. Ich kann von jetzt ab nur im Hinblick auf Dich leben, atmen, sein. Ich dirigiere in Berlin selbst mein Werk. Oh, könntest Du dabei sein. Aber, so nötig es anderen ist, aus meinem Schaffen den Schlüssel zu meinem Sein zu gewinnen - Du, meine Alma, wirst von mir ausgehend, aus der allumfassenden Gegenwart heraus liebenshellsichtig alles erfahren - Du, ich, ich, Du, sein. Wenn die Töne, die Schallwellen soviel Kraft hätten als mein Liebesstreben nach Dir - so müsstest Du es den ganzen Vormittag klingen hören. Dir, für Dich soll es sein - alles was in mir lebt. Meine geliebte Alma. Dein Gustav."

Bei der Post geht die fieberhafte Suche nach Ausweichstrategien weiter, um den schleichenden Niedergang des Briefes aufzufangen. Dabei musste der Branchenriese bereits teures Lehrgeld bezahlen. Die Expansion ins Ausland in andere Geschäftsfelder, vor allem vom früheren Konzernchef Klaus Zumwinkel vorangetrieben, hat sich bislang kaum ausgezahlt. Im Gegenteil: der Ausflug in das Expressgeschäft in den USA endete in einem Milliardendesaster. Frank Apell zeigt sich - zumindest nach außen - unbeeindruckt:

"Deswegen kann man nicht sagen: die Strategie ist gescheitert. Wir haben einfach das Problem, dass wir auf der einen Seite eine strukturelle Herausforderung im Brief haben durch das Internet. Weil die Menschen heute kaum noch Briefe schreiben. Wir haben bei der DHL, wenn der weltweite Handel einfach zusammenbricht, natürlich auch Auswirkungen. Ich glaube, dass wir nach der Krise die Schönheit dieser Strategie, nämlich ein globales Unternehmen in der Logistik zu schaffen, sehr wohl sehen werden. Wir haben enorme Wachstumschancen, wenn sich die Weltwirtschaft wieder erholen wird, und dann wird das deutlich in unseren Zahlen."

Solange aber muss der Branchenriese weiter an mehreren Fronten kämpfen. 2011 werden die letzten eigenen Postfilialen geschlossen, dann werden die Kunden ihre Päckchen und Briefe nur noch beim Einzelhändler aufgeben. Auch andere Stellschrauben würde der Postchef gerne neu justieren, doch oftmals sind ihm die Hände gebunden. Das Porto etwa muss sich die Post von der Regulierungsbehörde genehmigen lassen. Und an wie viel Tagen in der Woche zugestellt wird, regelt wiederum die sogenannte Universaldienstleistungsverordnung - das Grundgesetz der postalischen Versorgung. Gerne würde die Post die wöchentliche Zustellung von sechs auf fünf Tage verkürzen:

"Allerdings waren bisherige Versuche sehr negativ, sind negativ aufgenommen worden durch die Kunden. Und Dinge, die geplant waren, werden bereits wieder rückgängig gemacht. Ich glaube, dass die Post weiter suchen wird. Wir sind allerdings der Auffassung, dass die regelmäßige Zustellung der Vorteil ist, den die Post gegenüber allen anderen Unternehmen hat."

Stellt die stellvertretende verdi-Chefin Andrea Kocsis gelassen fest. Aber die Konzernspitze wird nicht locker lassen, auch nicht gegenüber den Mitarbeitern. Bis Ende 2011 gilt bei der Post eine Beschäftigungssicherungsklausel, dann dürfte erneut über längere Arbeitszeiten verhandelt werden. Und wenn das Briefaufkommen weiter schrumpft, wird es auch bei den Briefträgern Konsequenzen geben, kündigt Brief-Vorstand Gerdes an:

"Wir haben unterschiedlich alte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Einige gehen in Rente. Wenn das Volumen mal sinkt, dann werden wir halt mehr in Rente gehen lassen als wir neu aufbauen, neu einstellen. Ja, und so kann man das dann über den Zeitfaktor dann sauber managen."

Lange Zeit war der Brief ein Privileg für Amtspersonen und reiche Kaufleute - der Transport kostete einfach zu viel Geld. Erst ab dem 18. Jahrhundert erreichte der Briefverkehr weitere Kreise der Oberschicht. Dann aber ging es Schlag auf Schlag. 1824 wurde der Briefkasten erfunden, 1840 in England die Briefmarke. Übrigens eine reine Rationalisierungsmaßnahme, um den ständigen Streit über die Transportkosten zu beenden. Der Brief, so Veit Didczuneit, wurde dann zum Massenkommunikationsmittel:

"Die großen Briefschreibaktionen der Weltgeschichte haben immer stattgefunden, wenn es den Zwang zum Brief gab. Gerade in Kriegen oder wenn es Teilungen gab, wie bei der innerdeutschen Teilung, dass es keine andere Möglichkeit gab sich auszutauschen. Wenn man den Zweiten Weltkrieg nimmt, dann haben wir in Deutschland ein Briefaufkommen von 1939 bis 1945 von 30 bis 40 Milliarden Feldpostsendungen."

Schon im Ersten Weltkrieg nutzten die Soldaten den Brief als den einzigen Weg, Kontakt in die Heimat zu halten. Viele erschütternde Dokumente sind darunter, so auch der kritische Brief von Joachim Klinkhammer über die deutsche Kriegspropaganda. Der aus der Eifel stammende Soldat schrieb im Herbst 1915:

"Da wird nun die Stadt beflaggt. Alles brüllt Hurra, wenn ein Sieg errungen ist. Aber was damit verbunden ist, bleibt außer acht. Dass hunderte Leichen herumliegen, in den Drahthindernissen hängen - überhaupt wie ein Angriff zugeht, daran wird nicht gedacht. Und wer fällt, der stirbt den Heldentod. Auch ein schönes Wort, das hier keinen Anklang mehr findet. Das war einmal."

Für die Post beginnt eine ungewisse Zukunft. Große Hoffnung setzt die Konzernspitze deshalb in den elektronischen Brief. Der soll den Abwanderungstrend ins Internet aufgreifen und daraus ein Geschäft machen - der für das 1. Halbjahr 2010 anvisierte Online-Brief wird kostenpflichtig sein. Es ist die neue Postwelt von morgen.

"Wir haben ein fantastisches Ausgangsprodukt. Der Brief ist jetzt über 500 Jahre alt. Der ist deshalb über 500 Jahre alt, weil alle wissen: er kommt immer an, niemand guckt rein - er ist also völlig geschützt - jeder weiß, dass der Absender und der Empfänger bekannt sind. Das haben die modernen E-Mail-Produkte erst einmal nicht. Und wir glauben, dass wir die vier Kerneigenschaften - Absender bekannt, Empfänger bekannt, das Ding kommt sicher an und keiner schaut rein - dass wir das in die elektronische Welt übertragen können."

Doch werden die Kunden das neue Produkt angesichts der vielen Datenschutzskandale überhaupt annehmen? Und sind sie bereit, für den elektronischen Brief zu bezahlen? Auch Brief-Vorstand Gerdes kann darauf keine Antworten geben:

"Wir erleben hier eine wahre Schreibfreude. Also die Kinder wie die Erwachsenen. Die schreiben lange, ausführlich. Alles schön geschmückt. Und auch die Teenies schreiben allein um des Schreibens willen."

In Engelskirchen ist in diesen Tagen von den Nöten der Post nichts zu spüren. Im Weihnachtspostamt, sagt Birgit Müller, türmen sich wie jedes Jahr die Wunschbriefe an das Christkind.

"Wir haben hier also einen Brief von einer Laura-Jane: 'Liebes Christkind, ich habe in diesem Jahr viel gelogen. Das soll im nächsten Jahr besser werden. Mit freundlichem Gruß, Deine Laura.' Dann habe ich hier einen Brief von einem Benjamin: 'Ich wünsche mir, dass es keinen Krieg gibt. Ich wünsche mir, dass es etwas zu essen gibt. Und ich wünsche mir ein Nintendo DS.' Das war der Benjamin. Und jetzt schreibt ein Julian: 'Liebes Christkind, ich wünsche mir von Dir, dass sich die Schweinegrippe nicht mehr so ausbreitet. Und dass die Wale nicht mehr so oft gejagt werden. Und dass Papa nicht in den Einsatz muss. Dass die Natur nicht mehr so leiden muss. Eine Einzelreitstunde. Dass meine ganze Familie gesund bleibt. Ich würde mich freuen, wenn ich eine Uniform kriege. Liebe Grüße, Dein Julian'."

Zumindest an Weihnachten lebt er noch einmal auf - der vom Aussterben bedrohte, handgeschriebene Brief.

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