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StartseiteSport am WochenendeRückzug ins Virtuelle 21.03.2020

E-Sport und CoronaRückzug ins Virtuelle

Viele Sportveranstaltungen mussten aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Das gilt auch für den E-Sport, der schon seit Jahren immer größere Hallen füllt. In diesem Jahr wurden viele Veranstaltungen bereits verschoben – doch der E-Sport hat gegenüber dem traditionellem Sport einen Vorteil.

Von Raphael Späth

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Spieler spielen das Spiel PES 2020 (Pro Evolution Soccer) vor Portraits einiger Spieler des FC Bayern München.  (imago)
E-Sport-Wettbewerbe können auch ohne Zuschauer stattfinden (imago)
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Hans Jagnow vs. Klaus Willimczik Ist E-Sport wirklich Sport?

Die ESL Pro League – eines der größten E-Sports-Events jedes Jahr: Tausende Fans strömen in Messehallen oder Indoor-Arenen, um den besten Spielern des Ego-Shooter-Spiels Counterstrike beim Zocken zuzusehen.

Beim Finale im vergangenen Jahr in Dänemark waren gut 5.000 Zuschauer in der Halle. In diesem Jahr hätte das große Endturnier in Denver stattfinden sollen. Doch das Turnier fällt aus, in der vergangenen Woche wurden auch in den USA Veranstaltungen mit großen Menschenmassen verboten.

Auch in Deutschland fallen zahlreiche E-Sports-Events aus, erzählt Hans Jagnow, der Präsident des Deutschen E-Sport-Bundes.

"Gleichzeitig können wir auch konstatieren, dass E-Sport sich auch über den speziellen Online-Bereich, den es abdeckt, über Online-Ligen, über Online-Turniere, gerade auch im Vergleich zum traditionellen Sport auf eine Sonderrolle konzentrieren kann: Nämlich diese sportliche Unterhaltung Menschen zugänglich zu machen, über Streaming-Angebote, über das Spielen im Netz."

Hans Jagnow, der Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD). (eSport-Bund Deutschland (ESBD))Hans Jagnow, der Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD) (eSport-Bund Deutschland (ESBD))

Rückzug ins Virtuelle 

Anstatt in Berlin oder in Köln finden Veranstaltungen jetzt also online statt. Auch dort schauen tausende Menschen zu, wenn sich E-Sportler duellieren – allerdings dann vor ihren Computer-Bildschirmen anstatt im Fernseh-Studio oder der Halle.

"Das ist natürlich ein sehr großer Vorteil, weil wir uns natürlich nicht so schnell anstecken wie eine Fußballmannschaft, bei der 30 oder 40 Leute drumherum sind", sagt Tim Schwartmann.

Der 21-Jährige ist professioneller E-Sportler und spielt das Fußball-Simulationsspiel FIFA für den FC Schalke 04. Auch die Virtuelle Bundesliga ist in diesem Jahr vom Virus betroffen: Das große Finale Ende März wird nun nicht in Köln sondern online ausgetragen.

Für die E-Sportler aber natürlich auch gewohntes Terrain. Viele Gamer nutzen YouTube oder andere Streaming-Plattformen als weitere Einnahmequelle. Auch Tim Schwartmann besitzt unter seinem Gamertag "Tim Latka" einen YouTube-Kanal mit rund 200.000 Abonnenten. Die Klickzahlen steigen in Zeiten von Isolation und Ausgangssperren merklich.

"Und so ist es dann aber auch für uns eine sehr gute Möglichkeit, den Leuten trotzdem gute Unterhaltung zu bieten, und sie vielleicht auch ein bisschen aufzuheitern, jetzt wo die generelle Stimmung eher ein bisschen getrübt ist, auch ohne Fußball-Bundesliga oder so."

Auch den E-Sport trifft das Virus

Trotzdem: Vor allem die Vereine bekommen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus zu spüren.

"Wir sehen und wir kriegen auch als Rückmeldung, dass viele insbesondere der kleineren Teams, der kleineren Wirtschaftsbetriebe im E-Sports schon vor großen Herausforderungen stehen", betont ESBD-Präsident Hans Jagnow.

Seit Jahren kämpft er auch um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit des E-Sports. Jetzt fordert er, dass auch "die wirtschaftliche Hilfe, die die Bundesregierung zugesichert hat, so dynamisch und flexibel sein kann, dass dann auch eben die Medien-Unternehmen, die E-Sport-Verwerterinnen und Verwerter sozusagen, auch Zugriff auf diese Rettungsmaßnahmen haben, damit hier auch Arbeitsplätze gesichert werden."

Rund 220 Vereine in ganz Deutschland sind inzwischen im E-Sport-Bund registriert. Aufgrund der aktuellen Krise müssen auch sie jetzt ihr Offline-Vereinsleben stark einschränken.

"Es gibt aber wunderbare Ausweichangebote und da zeigt sich, welche Vorteile wir auch in dieser Zeit bieten können. Es gibt viele, die das Vereinsleben auch virtuell gestalten, Trainings online anbieten und auch einfach diese Gemeinschaft, diese soziale Nähe, virtuell im Online-Bereich stattfinden lassen."

Und auch der traditionelle Sport nutzt das Online-Angebot als Ausweichmöglichkeit: Die Formel-1-Fahrer Max Verstappen und Lando Norris haben gemeinsam mit den bekanntesten E-Sportlern des Formel-1-Videospiels den Großen Preis von Australien online simuliert.

Waldhof will spenden - auch an die WHO

Noch weiter geht Fußball-Drittligist Waldhof Mannheim. Die E-Sportler des Vereins wollen jetzt die komplette Saison online zu Ende spielen. Die Fans können sich dafür Eintrittskarten kaufen, die Preise reichen vom symbolischen Euro bis zu 100-Euro VIP-Karten.

"Das ist eine symbolische Geschichte, da geht es um Solidarität, deshalb haben wir bei den Einnahmen auch die anderen Vereine berücksichtigt, weil ich glaube für jeden Drittligisten ist es gerade eine schwierige Situation und alle sind gleichermaßen von diesem Corona betroffen", sagt Markus Kompp, Geschäftsführer von Waldhof Mannheim.

"Dementsprechend wollen wir da ein Drittel an alle anderen Vereine in der 3. Liga weitergeben und auch ganz wichtig meiner Meinung nach, dass das auch eine Aufmerksamkeit bekommt, die WHO, die wollen wir auch mit einem Drittel der Einnahmen dann mit Spenden versehen."

Das Event soll am 27. März stattfinden, alle Spiele dauern etwa sechs Minuten und werden per Livestream übertragen – die Fußball-Fans können so also zumindest virtuell weiter mit ihrem Lieblingsverein mitfiebern.

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