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Ebola-EinsatzNur 117 Freiwillige "geeignet"

Im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin stattet ein Soldat einen Freiwilligen mit einem Schutzanzug aus. Zweck: Eine Übung für Ebola-Helfer in Westafrika. (picture alliance / dpa - Maurizio Gambarini)
Im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin stattet ein Soldat einen Freiwilligen mit einem Schutzanzug aus - auch Freilwillige außerhalb der Bundeswehr werden noch gesucht. (picture alliance / dpa - Maurizio Gambarini)

Tausende Freiwillige aus Deutschland haben sich für den Einsatz in den Ebola-Gebieten in Westafrika gemeldet - doch nicht jeder ist geeignet. Das Deutsche Rote Kreuz hält in seinem Bewerbungsstapel laut einem Bericht nur 117 Freiwillige für ausreichend qualifiziert.

In Deutschland werden auf zwei Wegen Freiwillige gesucht, um Ebola-Infizierte in Westafrika zu behandeln und so eine weitere Ausbreitung des hoch ansteckenden Fiebers zu stoppen. Das Bundesverteidigungsministerium rekrutiert eine Truppe aus dem medizinischen Personal der Bundeswehr. Das Bundesgesundheitsministerium sucht Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Labortechniker, die bei einem deutschen Einsatz freiwillig helfen wollen. Diese Suche betreut das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Dort seien bislang rund 1600 Anfragen und 350 konkrete Bewerbungen eingegangen, teilte das DRK der "Welt am Sonntag" mit. Lediglich 117 Freiwillige seien für den Einsatz in Sierra Leone und Liberia geeignet, darunter seien 43 Ärzte.

Die Bewerber müssen tropentauglich sein und sehr gut Englisch sprechen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) appellierte an die Deutschen, sich weiterhin für einen Hilfseinsatz zu melden. "Jetzt geht es darum, weitere medizinische Helfer zu gewinnen und auszubilden, damit die Hilfe rasch vor Ort ankommt", sagte Minister Gröhe der Zeitung. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind in der Krisenregion bislang mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

"Ebola unterschätzt"

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) spricht am 11.09.2014 im Deutschen Bundestag in Berlin zu den Abgeordneten. (pa/dpa/Jensen)Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, SPD (pa/dpa/Jensen)"Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt. Jetzt beginnt die Aufholjagd", sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) der "Bild am Sonntag". Europa könne und müsse noch mehr tun, mahnte er. Auch die Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds forderten bei einem Treffen in Washington weitere Unterstützung. Derzeit werden in Deutschland zwei Ebola-Patienten behandelt.

Der Koordinator der Ebola-Hilfen der Bundesregierung, Walter Lindner, sagte vor seiner Reise nach Westafrika, der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht. Wenn alles gut laufe, könnte die Verbreitung von Ebola noch in diesem Jahr unter Kontrolle gebracht werden.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) unterhält sich am 11.06.2014 mit Bauern bei Abeokuta, Nigeria. (dpa picture alliance / Hannibal Hanschke)Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in Nigeria (dpa picture alliance / Hannibal Hanschke)Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) forderte im Deutschlandfunk Konsequenzen für das späte Handeln. Die Entwicklungspolitik müsse einen neuen Stellenwert bekommen. "Ebola zeigt beispielsweise, dass die Investitionen, der Aufbau von grundlegenden Gesundheitsstrukturen in Afrika Voraussetzung ist, um solche Epidemien, die auch den Westen, die auch Europa, die auch Deutschland gefährden, in Zukunft zu verhindern."

Briten proben Ernstfall

Aus Sorge vor einem Ausbruch des Virus probte Großbritannien derweil am Samstag den Ernstfall. Getestet werden sollte, ob das Gesundheitssystem des Landes einer solchen Situation Herr werden kann. Gesundheitsminister Jeremy Hunt zog nach der achtstündigen Simulation ein positives Fazit. An der von Premierminister David Cameron angeordneten Übung beteiligten sich 750 Ärzte, Rettungskräfte, Krankenhausmitarbeiter und Schauspieler.

Auf dem New Yorker John F. Kennedy-Flughafen werden Flugreisende aus von Ebola betroffenen Ländern seit Samstag nach der Ankunft auf mögliche Symptome untersucht. Ähnliche Prüfungen sind in Deutschland vorerst nicht geplant.

(sdö/jcs)

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