Samstag, 25.05.2019
 
Seit 07:05 Uhr Presseschau
StartseiteForschung aktuellEin Zufallsfund macht Hoffnung 13.02.2015

Ebola-Impfung Ein Zufallsfund macht Hoffnung

Die Ebola-Epidemie in Westafrika ist schlimmer als alle früheren Ausbrüche zusammen. Ein Impfstoff soll vermeiden, dass sich eine solche Katastrophe wiederholt. Vielleicht könnte bald ein Wirkstoff namens rVSV-ZEBOV eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um eine Art Unfall im Labor, einen Zufall der Forschergeschichte.

Von Franziska Badenschier

Mikroskop-Aufnahme des Ebola-Virus (picture alliance / dpa / Foto: Frederick A. Murpy / Cdc Handout)
Mikroskop-Aufnahme des Ebola-Virus (picture alliance / dpa / Foto: Frederick A. Murpy / Cdc Handout)
Weiterführende Information

Ebola - Versuch und Irrtum
(Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 15.02.2015)

Ebola-Schnelltest - Nächstenliebe oder Werbeaktion?
(Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 09.02.2015)

Ebola - Ärzte ohne Grenzen: Entwarnung wäre fahrlässig
(Deutschlandradio Kultur, Interview mit Mediziner Tankred Stöbe, 30.01.2015)

Eigentlich wollte Heinz Feldmann damals, Ende der 1990er-Jahre, doch nur herausfinden, wie Ebola-Viren Menschen krank machen, wie der Körper auf diese gefährlichen Erreger reagiert. Aber Feldmann hatte ein Problem: Er war gerade von der Universität Marburg nach Winnipeg in Kanada gewechselt, wo er ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe, BSL4, aufbauen sollte – die Genehmigung zog sich hin, und so durfte er erst einmal nicht mit Ebola-Viren arbeiten. Zumindest nicht mit vollständigen Viren. Deswegen griff Feldmann nach einer "Verlegenheitslösung": dem Vesikulären Stomatitis-Virus.

"Dieses Virus ist ein Modellvirus in der Virologie."

Das Vesikuläre Stomatitis-Virus, kurz VSV, wird eigentlich nur Huftieren gefährlich: Sie bekommen etwas Ähnliches wie die Maul- und Klauenseuche. Für Menschen und andere Primaten ist das Virus somit recht ungefährlich. Und praktischerweise enthält es nur fünf Gene.

"Es gab sehr früh etwas, was wir heute reverse Genetik nennen, für dieses Virus. Das heißt, wir konnten zunächst dieses Virus eben mehr oder weniger in Zellkultur verändern, mutieren und die ganzen Gene ausschneiden und ersetzen. Das Gen, was dann für das VSV-Oberflächenprotein codiert, das haben wir herausgeschnitten. Und dann haben wir gentechnisch das Gen von dem Ebola-Virus-Glykoprotein dort eingebaut. Und dann haben wir versucht, dieses rekombinante Virus zum Leben zu bringen sozusagen."

Beiläufig einen möglichen Impfstoff gefunden

Auf der Oberfläche des VS-Virus befindet sich nun ein Eiweiß, das normalerweise auf der Oberfläche eines Ebola-Virus ist. Wem dieses rekombinante Virus gespritzt wird, dessen Immunsystem schlägt Alarm. Auch wenn gar keine echten Ebola-Viren im Körper sind, man also nicht wirklich infiziert ist; geschweige denn dass das hämorrhagische Ebola-Fieber ausbrechen könnte.

"Wir wollten diese Viren benutzen, um Studien durchzuführen, mit dem Ziel, die Einschleusung des Virus in die Zelle während der Infektion zu studieren und somit dann gewisse Ansätze zu identifizieren, die dann therapeutisch eventuell genutzt werden können."

 

(dpa / picture-alliance / Infografik) (dpa / picture-alliance / Infografik)

 

Doch daraus wurde bei den Experimenten mit Mäusen nichts. Oder besser gesagt: etwas anderes.

"Und dann haben wir mehr durch einen Zufall entdeckt, dass diese Tiere eine Immunantwort, eine sehr potente Immunantwort gemacht haben und dann eben geschützt waren gegen Infektionen mit Ebola-Virus."

Statt eine Idee zu bekommen, wie ein zukünftiges Medikament für Ebola-Kranke funktionieren sollte, hatte Feldmann mit seinen Kollegen entdeckt, wie Menschen gar nicht erst Ebola bekommen könnten. Also einen möglichen Impfstoff. Doch der Heureka-Moment hielt sich in Grenzen.

"Wir waren eigentlich anfangs enttäuscht, dass wir die Viren nicht so sehr benutzten konnten, für was wir sie eigentlich benutzten wollten."

Eine Weile hat Feldmann mit seinen Kollegen den Ansatz für einen Ebola-Impfstoff nicht intensiv weiterverfolgt. Bis dann die Terroranschläge von 9/11 waren und die Angst wuchs, Ebola-Viren könnten als Biowaffe benutzt werden. Es gab mehr Forschungsgeld und Feldmann entwickelte den VSV-Ebola-Impfstoff-Kandidaten, erst in Kanada, mittlerweile in den USA. Die Tierversuche waren erfolgreich: Makaken zum Beispiel wurden geimpft und dann mit Ebola-Viren infiziert – aber die Primaten wurden nicht krank. Selbst jene Tiere, die erst am Tag nach einer Dosis mit Ebola-Viren den Impfstoff bekamen, sind nicht gestorben. Und VSV lässt sich auch gut als sogenannte Impfstoff-Plattform nutzen: als Grundgerüst für weitere Impfstoffe.

"Sie können Sudan-Ebola-Virus, Zaire-Ebola-Virus und Marburg-Virus-Vakzine mixen und dann eben verimpfen. Und dann haben sie Schutz gegen alle drei. Das geht zumindest in Affenmodellen sehr gut."

Erste Versuche mit Menschen gab es hingegen bislang nicht. Die Gefahr für einen Bioterrorangriff mit Ebola ist tatsächlich gering. Forschungsgeld wurde besser für Malaria und HIV/AIDS investiert. Und Ebola-Ausbrüche in Afrika ließen sich normalerweise mit Quarantäne recht gut eindämmen. Die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika ist aber außergewöhnlich. Und so läuft seit ein paar Monaten Ebola-Forschung im Eilverfahren, nun auch mit Menschen. Erste kleine Studien deuten darauf hin: Der VSV-Impfstoff und ein anderer Impfstoff-Kandidat sind wohl sicher. Ob sie auch wirken, soll nun unter anderem eine große Studie in Liberia mit Tausenden Probanden klären. Heinz Feldmann ist in diese Studien nicht direkt involviert. Ein klein wenig stolz ist er wohl, auch wenn er das nicht so recht sagen mag und lieber pragmatisch bleibt.

"Irgendwo bin ich natürlich schon froh, dass die ganze Arbeit jetzt vielleicht doch ein bisschen fruchtet, obwohl wir das natürlich erst mal abwarten müssen. Das Tierexperiment ist eine Seite; der Mensch ist eine andere Seite. Wir hoffen natürlich das Beste."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk