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StartseiteInformationen am MorgenDie Lehre aus den Pannen in Dallas16.10.2014

Ebola in den USADie Lehre aus den Pannen in Dallas

In den USA wächst die Furcht vor einer Ausbreitung des Ebola-Virus. Doch obwohl sich zwei Krankenschwestern in Dallas infiziert haben, sind die Behörden überzeugt, alles unter Kontrolle zu haben. Dennoch rief Präsident Obama sein Kabinett zur Krisensitzung und ordnete eine härtere Gangart an.

Von Jan Bösche

Dallas' Bürgermeister Mike Rawlings besichtigt den Wohnort der mutmaßlich an Ebola erkrankten Krankenschwester. (picture alliance/dpa/Larry W. Smith)
Dallas' Bürgermeister Mike Rawlings besichtigt den Wohnort der mutmaßlich an Ebola erkrankten Krankenschwester. (picture alliance/dpa/Larry W. Smith)
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Präsident Obama hat eine neue Mission. Er will verhindern, dass in den USA eine Panik ausbricht, wegen Ebola. Und so erzählte er:

"Ich habe Krankenschwestern die Hand geschüttelt, sie umarmt und geküsst, die sich in Atlanta um Ebola-Patienten gekümmert haben, wegen ihrer heldenhaften Arbeit. Sie wussten, was sie tun und ich fühlte mich total sicher."

Allerdings ist an dem Krankenhaus in Dallas nicht alles so glatt gelaufen wie in Atlanta. Darum warf Obama seinen Terminplan über den Haufen, sagte mehrere Wahlkampf-Termine ab und rief sein Kabinett zur Krisensitzung. Das Krankenhaus in Dallas hatte den ersten Patienten betreut, bei dem Ebola in den USA ausgebrochen war. Der Patient starb in der vergangenen Woche. Bei der Behandlung müssen Fehler passiert sein, denn bereits bei zwei Krankenschwestern ist jetzt ebenfalls Ebola ausgebrochen. Die Gesundheitsbehörde CDC hatte zwar immer behauptet, sie arbeite vertrauensvoll mit den Behörden vor Ort zusammen. Jetzt ordnete Obama aber eine härtere Gangart an. Kriseneinsatzkräfte sollen künftig innerhalb von 24 Stunden bereit sein, Krankenhäusern mit Ebola-Fällen zu helfen:

"Sie sollen die Krankenhäuser Schritt für Schritt durch die nötigen Prozeduren führen."

Das Krankenhaus in Dallas hätte so eine schnelle Eingreiftruppe dringend gebraucht, soviel ist sicher. Die Ebola-Behandlung an dem Krankenhaus hatte schon mit einer Panne begonnen. Der erste Patient war nämlich mit Ebola-Symptomen in die Notaufnahme gekommen, war aber zunächst wieder nach Hause geschickt worden.

Pannen

Die Nationalen Pfleger-Union beklagt, die Pannen seien danach weitergegangen. Grundsätzliche Dinge seien nicht geklärt gewesen, Sicherheits-Regeln hätten sich ständig geändert, Schutzkleidung sei nicht vollständig gewesen. Proben des Ebola-Patienten seien mit der regulären Rohrpost geschickt worden und hätten das gesamte Rohrsystem gefährdet.
Jean Ross von der Union sagt bei CNN, das Pflegepersonal fühle sich allein gelassen. Man habe direktes Training verlangt, aber es habe geheißen, dafür gebe es kein Personal oder keine Ausrüstung.

An dem Krankenhaus in Dallas kümmerten sich 77 Kräfte um den Ebola-Kranken. Sie stehen unter Beobachtung, zu ihnen gehörte auch die Krankenschwester, bei der nun als zweite Ebola ausgebrochen ist.
Trotzdem stieg sie in ein Flugzeug und flog nach Cleveland und wieder zurück - um ihre Hochzeit vorzubereiten. Nun musste das Flugzeug desinfiziert werden - und die Gesundheitsbehörde CDC sucht die übrigen Passagiere, um sie zu warnen. CDC-Chef Thomas Frieden sagte:

"Sie gehörte zu einer Gruppe, von der klar war, dass sie Ebola ausgesetzt war. Sie hätte nicht fliegen dürfen. Die CDC-Richtlinien schreiben vor, dass man ein Charterflugzeug nehmen kann oder ein Auto, aber kein öffentliches Verkehrsmittel."

Erschüttertes Vertrauen

Das alles hat das Vertrauen in die Gesundheits-Behörden erschüttert. Experten kritisieren, die Vorgänge seien nicht akzeptabel, es gebe außerdem zu wenig Transparenz, was schief gelaufen ist.
Allerdings: Die beiden jüngsten Ansteckungen passierten Krankenschwestern, die direkt mit dem Ebola-Kranken in Dallas in Kontakt waren. Die Behörden überwachen noch 50 weitere Menschen, die in seiner Nähe waren, bevor er behandelt wurde - von ihnen ist bislang niemand erkrankt.
Präsident Obama versuchte darum, zu beruhigen:

"Ich bin absolut sicher, dass wir einen ersthaften Ausbruch der Krankheit hier in den USA verhindern können. Das wird aber schwieriger, wenn Ebola in Westafrika außer Kontrolle gerät."

Obama appellierte an die Internationale Gemeinschaft, mehr gegen Ebola in Westafrika zu tun. Darüber sprach er auch bei einer Videokonferenz mit dem französischen Präsidenten, den Regierungschefs von Groß-Britannien und Italien und Kanzlerin Merkel.

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