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StartseiteInformationen am MorgenInternationale Hilfsmaschine als Problem28.05.2015

EbolaInternationale Hilfsmaschine als Problem

Als die internationale Hilfe im letzten Jahr die Ebola-Gebiete erreichte, waren schon Tausende Menschen gestorben. Spät kamen die Millionen, aber dann kamen sie mit voller Wucht. Aktivisten in Sierra Leone und Liberia bilanzieren jetzt: Die Ebola-Hilfe war und ist ein Geschäft, bei dem die Opfer kaum eine Rolle gespielt haben.

Von Alexander Göbel

Palette mit Hilfsgütern für die vom Ebolavirus betroffenen Gebiete im westafrikanischen Liberia (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)
Palette mit Hilfsgütern für die vom Ebolavirus betroffenen Gebiete im westafrikanischen Liberia (dpa / picture alliance / Andreas Gebert)
Weiterführende Information

Ebola - Gefahr für Afrika und die Welt

Wenn man Mohamed Conteh auf das Thema Ebola-Hilfe anspricht, trifft man einen empfindlichen Nerv. Conteh leitet eine kleine lokale Hilfsorganisation in Makeni, im Norden von Sierra Leone. Noch immer tötet Ebola in seinem Land Menschen, so wie im Nachbarland Guinea. Die Zahl der Neuinfektionen ist sogar wieder leicht angestiegen. Wie kann das sein, fragt sich Conteh, wenn doch seit vielen Monaten eine Hilfsmaschine aus der ganzen Welt im Einsatz ist, finanziert mit Milliardensummen? Diese "Hilfsmaschine" sei das Problem, sagt Conteh - nicht die Lösung. 

"Du schickst Dein Geld in die Krisenländer, Du folgst dem Geld, Du nimmst es wieder und Du gehst wieder raus. Ich habe das Gefühl, so läuft das hier. Damit mich niemand falsch versteht: Natürlich brauchen wir internationale Hilfe, wir brauchen diese gut ausgebildeten Ausländer, weil wir ja selbst zu wenige Experten haben. Sie machen oft sehr gute Arbeit. Aber was bringt dieses ganze Hilfssystem, wenn die Hälfte der Hilfsgelder wieder dahin zurückfließt, wo sie hergekommen sind?"

Horrende Mieten für Unterkünfte und Büros

Schüler in Monrovia (Liberia) waschen sich die Hände, um sich vor Ebola zu schützen. (dpa / picture alliance / Ahmed Jallanzo)Schüler in Monrovia (Liberia) waschen sich die Hände, um sich vor Ebola zu schützen. (dpa / picture alliance / Ahmed Jallanzo)
Wie viele andere Krisen zeigt die Ebola-Epidemie: Hilfe ist auch Geschäft. Ein Großteil der Hilfsfonds, die die Arbeit der UNO-Ebola-Mission, der Regierungsbehörden, aber auch zahlreicher Nichtregierungsorganisationen finanzieren, geht für Gehälter drauf: Gehälter der internationalen Helfer, aber auch vieler lokaler Mitarbeiter, die sozusagen dank Ebola oft zum ersten Mal überhaupt ein regelmäßiges Einkommen  haben. Reisekosten verschlingen die Budgets, dazu kommen Versicherungen, Fuhrparks, und die horrenden Mieten von Büros und Unterkünften. Die einzigen, die daran direkt verdienen - und das ist in Guinea, Sierra Leone und Liberia ein offenes  Geheimnis -, sind tüchtige libanesische Geschäftsleute. Ihnen gehören die meisten Hotels und Restaurants, auf Monate hinaus haben steuerfinanzierte Organisationen aus aller Welt die Mieten für ganze Hotelanlagen gezahlt.

"Wenn man sich diese großen Geldsummen anschaut, die zum Kampf gegen Ebola hierher geflossen sind, dann fragt man sich schon, warum nur rund fünf Prozent davon in den Gebieten angekommen sind, wo sie am meisten gebraucht wurden", sagt Josephine Tengbeh von der Organisation Medica Mondiale in Liberias Hauptstadt Monrovia. "Ich gehe vom guten Willen der internationalen Gemeinschaft aus -  Menschen wollen helfen, und das ist gut so. Aber wie unabhängig werden wir nach dieser Hilfe sein können? Und welche Verantwortung werden unsere Regierungen übernehmen?"

Gelder wecken Begehrlichkeiten

Die Ebola-Hilfe scheint weniger Verantwortungsgefühle zu wecken als Begehrlichkeiten. Manche Organisationen suchen nach neuen, oft zweifelhaften Projekten, die irgendetwas mit Ebola zu tun haben – um an begehrte Fördergelder heranzukommen.

Außerdem heizt die Ebola-Hilfe die Korruption weiter an: Allein in Sierra Leone gelten rund sechs Millionen Euro Ebola-Hilfsgelder als veruntreut; Gehälter für Soldaten und Polizisten sollen mit Ebola-Hilfen bezahlt worden sein, für die Anschaffung von Dutzenden Fahrzeugen gibt es keine Quittungen. Die Regierung in Freetown schweigt. Denn das dürften nur die Spitze des Eisbergs sein.

Ebola-Geberkonferenzen soll neues Geld bringen

(picture alliance / dpa / Benoit Doppagne)Ziele der Ebola-Konferenz sind eine Bestandsaufnahme und eine Abstimmung des weiteren Vorgehens in den besonders betroffenen afrikanischen Ländern. (picture alliance / dpa / Benoit Doppagne)

"Wir haben ja gesehen, was in Sierra Leone passiert", sagt Josephine Tengbeh von Medica Mondiale, "alle reden über Korruption, aus gutem Grund. Und auch bei uns in Liberia haben jetzt alle Angst: Was kommt jetzt? Was passiert mit dem Ebola-Geld? Wie geht es weiter? Wird sich unser kaputtes Gesundheitssystem wirklich verbessern? Die Landwirtschaft, die Bildung? Wenn sich nichts verbessert, wenn dieser Geldregen einfach verdunstet, was dann?"

Und deswegen blickt Josephine Tengbeh mit gemischten Gefühlen auf die Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, auf der die Staatschefs von Liberia, Sierra Leone und Guinea im April einen Marshall-Plan von acht Milliarden Dollar gefordert haben. Und auch auf die Ebola-Geberkonferenzen im Juli, bei denen die  Vereinten Nationen und die Afrikanische Union noch mehr Geld sammeln wollen. Natürlich bräuchten die Ebola-Gebiete dieses Geld dringend, um wieder auf die Beine zu kommen. Aber, sagt Josephine, es werde eben auch und vor allem Geld sein, das die berühmte Hilfsmaschine weiter am Laufen hält - und eben nicht im Buschland ankommt. Dort etwa, wo ganze Dörfer noch immer keine einzige Toilette haben.

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