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StartseiteUmwelt und VerbraucherKrebsgefahr aus dem Keller07.05.2018

Edelgas Radon Krebsgefahr aus dem Keller

Geruchlos, geschmacklos und - radioaktiv: Radon. Das Edelgas wird durch den Zerfall von Uran und Radium gebildet, die in Gestein und Erdreich lagern. Wenn es an die Oberfläche tritt, verteilt es sich meist einfach. Zur Gefahr wird Radon allerdings, wenn es in Keller und Wohnräume dringt.

Von Hauke von Hallern

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Ein heruntergekommener sanierungsbedürftiger Keller im Bahnhof Langweid in Bayern (imago / Michael Eichhammer)
Durch das Erdreich in den Keller: Radonkonzentration kann man selber messen, seit vergangenem Jahr gilt ein neuer Grenzwert - 300 Becquerel pro Kubikmeter (imago / Michael Eichhammer)
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Radon Gefahr durch geruchloses Gift

Radon Radioaktives Gas belastet das Erzgebirge

Therapieformen Behandlungen bei Lungenkrebs

Mitten in der Holsteinischen Schweiz: Eine sattgrüne Wiese mit Hügeln und kleinem See. Doch die Idylle trügt, denn aus dem Boden kommt Gas. Radon: geruchlos, geschmacklos und: radioaktiv.

Geologe und Radonexperte Frank Sirocko hat auf der Wiese einen haushohen Bohrturm aufstellen lassen. Er will heraus finden, woher das giftige Gas kommt. Konzentriert beobachtet er sein Team bei der Arbeit.

"Das ist ein Bohrgerät, mit dem man 150 Meter runter bohren könnte. Wir wollen aber nur so ungefähr 40 Meter, weil dann sind wir in den Tiefen drin, die uns interessieren. Und das dauert etwa vier bis fünf Tage, so zehn Meter am Tag schafft man dann vielleicht schon."

Warum strömt das Gas aus der Erde?

Die Wiese in der Nähe von Plön ist einer der sogenannten Radon-Hotspots in Schleswig Holstein: Hier strömt aus der Erde besonders viel des Gases. Aber warum? Das will der Forscher von der Uni Mainz mit seinem Team genauer untersuchen.

"Ein Gestein, ein Sediment hat immer eine gewisse Durchlässigkeit, der Wissenschaftler sagt Permeabilität dazu und je höher die Permeabilität ist, desto schneller quillt das Radon ganz natürlich durch den Luftdruck an die Oberfläche und tritt dann letztendlich in die Umgebungsluft aus."

Besonders viel Radon gibt es im bayrischen Wald, im Erzgebirge und im Schwarzwald. Aber auch im Norden strömt das radioaktive Gas an manchen Orten aus der Erde, erzählt Jan-Henrik Lauer vom Bundesamt für Strahlenschutz.

"In Niedersachsen zum Beispiel im Kreis Osnabrück, im Heidekreis und im Bereich Lüneburg. Und in Schleswig Holstein und Mecklenburg Vorpommern gibt es insbesondere entlang der Ostseeküste kleine Gebiete in denen Radonwerte erhöht sind, relativ hohe Werte haben wir auch südlich von Kiel im Landkreis Plön gefunden."

Gefahr in Ritzen und Rissen

Wenn Radon an die Erdoberfläche kommt, verteilt es sich normalerweise, die Konzentrationen sind deshalb hier draußen auf der Wiese gering und ungefährlich. Zur Gefahr wird das radioaktive Gas, wenn es durch kleine Risse und Ritzen im Fundament in Keller und Wohnräume eindringt. Dort kann es sich nicht verteilen, es sammelt sich und kann - im schlimmsten Fall sogar Lungenkrebs verursachen, wenn es über einen längeren Zeitraum eingeatmet wird.

"Dabei ist Radon selbst eigentlich gar nicht das Problem, weil es zum größten Teil recht schnell wieder ausgeatmet wird, sondern die kurzlebigen Zerfallsprodukte, die können gefährlich für die Gesundheit sein."

Beim Zerfall von Radon setzen sich kleine radioaktive Teilchen auf Staub oder Feuchtigkeit in der Raumluft. Dieses Gift wird eingeatmet und bleibt dann länger in der Lunge. Die Bundesregierung hat das Problem erkannt. Seit vergangenem Jahr gilt ein neuer Grenzwert: 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft in bewohnten Räumen. Im Laufe dieses Jahres tritt die Regelung schrittweise in Kraft. Oft könne ein Radon-Problem schnell und unkompliziert gelöst werden, erklärt Baubiologe Reinhard Hamann. In den meisten Fällen reiche schlichtes Lüften: regelmäßig und ausreichend. Das senke die Radonbelastung erheblich, erklärt Hamann. Wer ein neues Haus baut, sollte das Thema allerdings auf dem Schirm haben, betont der Baubiologe.

"Es gibt im Neubau vor allen Dingen bauliche Möglichkeiten, wie man die Bodenplatte zum Erdreich, so dicht gestalten kann, sodass eben kein Radon eintreten kann. Nachträglich in Bestandsbauten ist in der Regel der Einbau einer kontinuierlichen Lüftungsanlage, also technischen Lüftungsanlage, die deutlich preisgünstigere und sicherere Variante."

Hohe Werte lokal sehr begrenzt

Der Mainzer Geologe Frank Sirocko hat in seinem Bohrloch auf der Wiese in der Holsteinischen Schweiz eine Belastung von mehreren hundert Becquerel gemessen. Wer in der Region wohnt, muss sich aber nicht unbedingt Sorgen machen: Die hohen Werte seien lokal oft sehr begrenzt, erklärt Sirocko. Das heißt: EIN Grundstück ist belastet - das des Nachbarn nebenan oft schon nicht mehr. Ursache ist manchmal nur ein großer Stein unter dem Haus, erklärt der Geologe.

"Also ein Granitblock - wäre einfach ein Findling, das wissen sie - der kann in Schleswig Holstein so groß sein wie ein Wohnzimmer, die größten Granitblöcke und wenn sie da einen haben, der sehr uranhaltig ist und der liegt irgendwo in fünf Metern Tiefe, dann haben sie nur über diesem fünf Meter Granitblock sehr hohe Radongehalte und schon zehn Meter daneben ist fast nichts mehr."

Selbst die neuen Radon-Belastungs-Karten der Bundesländer werden lange nicht jeden Hot-Spot aufspüren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann die Radonkonzentration aber sogar selbst messen, sagen die Wissenschaftler. Die Geräte - zum Beispiel sogenannte Exposimeter - dazu gibt es im Fachhandel.

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