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StartseiteKalenderblattBedeutender Astronom des 20. Jahrhunderts20.11.2014

Edwin Powell HubbleBedeutender Astronom des 20. Jahrhunderts

Bevor er sich der Himmelsforschung zuwandte und unsere Kenntnisse vom Weltall revolutionierte, hatte er ein Jura-Studium absolviert: Edwin Hubble, der unter anderen den Beweis für extragalaktische Systeme lieferte. Vor 125 Jahren, am 20. November 1889, wurde er im US-Bundesstaat Missouri geboren.

Von Dirk Lorenzen

Das Hubble-Weltraumteleskop im Orbit (NASA)
Seit mehr als zwei Jahrzehnten erinnert das Hubble-Teleskop mit jeder Beobachtung an den bedeutenden Astronomen Edwin Powell Hubble. (NASA)
Weiterführende Information

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(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 17.03.2014)

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(Deutschlandfunk, Sternzeit, 03.11.2013)

Gudrun Wolfschmidt: "Edwin Hubble war sicher einer der größten Astronomen des 20. Jahrhunderts. Es sind große Umbrüche mit ihm verbunden - Lösungen von Rätseln, die eben seit dem
19. Jahrhundert anlagen."

Himmelsforschung erst nach einem Jura-Studium

Als Edwin Hubble am 20. November 1889 in einem kleinen Ort im US-Bundesstaat Missouri geboren wurde, lebten die Astronomen noch im kosmischen Idyll: Sie meinten, dass das Weltall nur aus der Milchstraße bestünde - einer großen Scheibe aus Milliarden von Sternen, zu der auch unsere Sonne gehört. Edwin Hubble wandte sich nach einem eher lustlos absolvierten Jura-Studium der Himmelsforschung zu und revolutionierte bald unsere Kenntnisse vom Weltall, erklärt Gudrun Wolfschmidt, Wissenschaftshistorikerin an der Universität Hamburg:

"Man wusste im 19. Jahrhundert noch nicht, was die rätselhaften Nebel am Himmel sind. Er hat verstanden, dass es einige, wie die Gasnebel, gibt, die zu unserer Milchstraße gehören und die anderen Spiralnebel entferntere Systeme sind."

Um das Jahr 1920 herum tobte unter den Astronomen ein Glaubenskrieg, ob es jenseits der Milchstraße noch etwas gäbe - ob also der Kosmos tatsächlich beschaulich klein ist oder doch schier unendlich groß. Edwin Hubble trat eine Stelle an der Sternwarte auf dem Mount Wilson bei Los Angeles an - und beobachtete von dort die Himmelsobjekte so genau wie niemand vor ihm, betont Gudrun Wolfschmidt:

"Der Hubble hatte natürlich die große Chance, das größte Teleskop der Welt zu benutzen, was gerade gebaut worden ist. Und da hatte er die große Chance sozusagen, diese wunderbaren Photoplatten zu haben, die er danach dann ausgemessen hat, wo er Entfernungen bestimmen konnte. Und da hat er für den Andromeda-Nebel 800.000 Lichtjahre herausbekommen, also auf jeden Fall eindeutig weit - einen Faktor von zehn praktisch - außerhalb unserer Milchstraße. Damit war also bestätigt, dass es extragalaktische Systeme gibt."

1924 war der Nebelfleck im Sternbild Andromeda nicht mehr eine glühende Gaswolke vor unserer Haustür - sondern eine weit entfernte Galaxie, ein System wie unsere Milchstraße. Edwin Hubble hat die Entfernung vieler weiterer Galaxien bestimmt. Dabei fiel ihm im Jahr 1929 auf, dass sich die Galaxien um so schneller von uns fortbewegen, je weiter sie entfernt sind. Er sah darin eine allgemeine Ausdehnung des Universums, was damals als völlig absurd galt. Selbst Albert Einstein hielt den Kosmos für statisch. Als seine Relativitätstheorie einige Jahre vor Hubbles Entdeckungen nahegelegt hatte, dass das Universum sich ausdehnt, hat Einstein sie künstlich verstümmelt, um sie mit einem ruhenden Weltall in Einklang zu bringen.

Gudrun Wolfschmidt: "1931 ist Einstein nach Mount Wilson gereist und hat die Sache mit den Astronomen und insbesondere mit Hubble diskutiert. Da wurde die Sache dann klarer und die Akzeptanz für das expandierende Universum wurde deutlicher."

Das Hubble-Weltraumteleskop - Fenster zum Universum

Der Eingriff in die Relativitätstheorie sei die größte Eselei seines Lebens gewesen, ärgerte sich Albert Einstein später. Heute ist die Idee, dass der Kosmos in einem Urknall entstanden ist und sich seitdem ausdehnt, weitgehend akzeptiert. Die Galaxien im Kosmos entfernen sich voneinander wie Rosinen in einem aufgehenden Hefeteig. Zwar sind Edwin Hubble binnen fünf Jahren gleich zwei epochale Entdeckungen gelungen - doch der Nobelpreis blieb ihm verwehrt; denn damals galt die Astronomie noch nicht als Teil der Physik. Dafür hat ihm die NASA 1990 ein ganz besonderes Denkmal gesetzt:

Start der US-Raumfähre Discovery: "... four, three, two, one and and lift-off of the space shuttle Discovery with the Hubble Space Telescope, our window on the universe."

Die Raumfähre Discovery brachte das Hubble-Weltraumteleskop in die Umlaufbahn, unser neues Fenster zum Universum, wie der NASA-Kommentator schwärmte. Edwin Hubble hatte den Kosmos zweimal weit aufgestoßen - und nun steht das weltweit teuerste Instrument in seiner Tradition. Seit mehr als zwei Jahrzehnten wirft das Hubble-Teleskop einzigartige Blicke in die Tiefen des Universums und erinnert so mit jeder Beobachtung an einen der bedeutendsten Astronomen des zwanzigsten Jahrhunderts.

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