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StartseiteForschung aktuellEffiziente Orang-Utans18.09.2012

Effiziente Orang-Utans

Britische Forscher untersuchen Energieverbrauch bei Fortbewegung

Orang-Utans leben ausschließlich in Bäumen. Dort ist die Nahrungssuche jedoch schwer und mühsam und die Primaten können nur wenige Kalorien aufnehmen. Wie die großen Menschenaffen ihren Energiebedarf jedoch ohne Minusrechnung sichern, haben britischen Forscher untersucht.

Von Michael Stang

Ein Orang-Utan klemmt sich zwischen zwei Bäume. Auch mit dabei: der Nachwuchs.  (Science/Sarah Thorpe)
Ein Orang-Utan klemmt sich zwischen zwei Bäume. Auch mit dabei: der Nachwuchs. (Science/Sarah Thorpe)
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Orang-Utans können es auch

Orang-Utans lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Einen Großteil des Tages dösen sie in ihren Schlafnestern und wenn die rotbraun befellten Menschenaffen auf Futtersuche gehen, machen sie dies selten hektisch.

"Für Tiere, die ausschließlich auf Bäumen leben, sind Orang-Utans unglaublich groß, einige verbringen ihr ganzes Leben dort. Sie ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Insekten, also von relativ kalorienarmer Nahrung. Unsere Frage war, wie passt das zusammen?",

sagt Lewis Halsey von der Universität von Roehampton in London. Wer wenig Kalorien zu sich nimmt, muss mit seinem Energievorrat haushalten. Doch das Leben auf Bäumen kostet Kraft. Will ein Orang-Utan von einem Baum zum nächsten und kann nicht einfach von Ast zu Ast klettern, bleiben ihm drei Möglichkeiten: Erstens: Runterklettern, über den Waldboden laufen und am gewünschten Baum wieder hochklettern, zweitens: springen und drittens: den eigenen Ast so lange hin und her schaukeln, bis der Ast des anderen Baumes greifbar ist. Die Energiekosten dieser drei Methoden wollte der britische Biologe im Experiment vergleichen.

"Dabei wollten wir uns anschauen, wie Orang-Utans ihren Energiebedarf gering halten. Aber das Arbeiten mit diesen Primaten ist schwierig: wir können ihnen die Aufgaben schwerlich erklären und Messgeräte am Körper entfernen sie ja immer sofort. Also haben wir uns für menschliche Doubles entschieden. Natürlich sind das keine Orang-Utans, aber alle konnten gut klettern und sich entsprechend in einer baumähnlichen Umgebung bewegen."

Teilnehmer konnte Lewis Halsey für seine Experimente gewinnen. Aus Kostengründen waren nicht nur Athleten darunter, sondern auch einige halbwegs sportliche Wissenschaftlerwie er, sagt der Forscher und lacht. Er und die anderen Orang-Utan-Dummies mussten in Kletterhallen verschiedene Parcours bewältigen, also Klettern, Schwingen und Springen. Dabei wurde unter anderem ihr Sauerstoffbedarf, Puls und Blutdruck gemessen.

"Dabei sahen wir, dass das Klettern – runter vom Baum und wieder hoch – mit einem sehr hohen Energieaufwand einhergeht. Hin- und Herschwingen ist am günstigsten. Nun, wenn die Äste sehr steif sind, springen die Tiere zum nächsten Baum. Aber auch nur junge Orang-Utans machen das. Das kann man auch gut in freier Wildbahn beobachten: Erwachsene, schwere Tiere springen nicht."

Klettern kostet demnach bis zu sechsmal soviel Energie wie der Baumwechsel durch Schwingen oder Springen. Diese Ergebnisse glichen die Forscher anschließend mit Freilandbeobachtungen ab. Je größer und schwerer die Tiere waren, desto effizienter wurde ihre Fortbewegung. Diese Energieeffizienz könnte auch der Grund sein, warum Orang-Utans immer hoch oben in den Bäumen bleiben und nur in Ausnahmefällen den Waldboden berühren – es kostet einfach sehr viel Energie. Nur wenn man genug Nahrung zur Verfügung hat, kann man noch eine ganz andere Fortbewegungsmethode wählen, wie einst Johnny Weissmüller.

"Eine Sache ist noch anstrengender als einen Baum hochzuklettern, nämlich sich an einer Liane hochziehen, wie das Tarzan im Kino immer gemacht hat."

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