Dienstag, 12.11.2019
 
StartseiteSprechstunde"Wenn ich gegen den Diabetes kämpfe, kann ich nur verlieren"05.11.2019

Ein Betroffener erzählt"Wenn ich gegen den Diabetes kämpfe, kann ich nur verlieren"

In Deutschland sind über sieben Millionen Menschen von Diabetes mellitus betroffen, etwa 95 Prozent haben den Typ 2. Hansgünter B. ist einer von ihnen. Er hat gelernt mit der Krankheit umzugehen. Wanderungen, gesundes Essen und eine Selbsthilfegruppe helfen ihm dabei.

Von Renate Rutter

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Mit Hilfe eines kleinen Blutstropfens wird mit einem Gerät der Firma OneTouch der Zuckergehalt im Blut gemessen. Menschen, die an Diabetes erkrankt sind, müssen den Blutzuckerwert häufig überprüfen und bei entsprechendem Krankheitsbild Insulin spritzen. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst )
Mit Hilfe eines kleinen Blutstropfens wird mit einem Gerät der Firma OneTouch der Zuckergehalt im Blut gemessen (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst )
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"Wir waren jetzt im September im Schwarzwald, in Alpirsbach und haben da schöne Wanderungen gemacht, meine Frau und ich. Das macht Spaß und ich merke auch, dass das ganz gut für meinen Diabetes ist", berichtet Hansgünter B. ganz begeistert an einem sonnigen Nachmittag in Köln. Der 66-jährige hat seit 15 Jahren Diabetes Typ 2.

"Sonntags gehen wir spazieren, machen Wanderungen, Fahrradtouren. Wir haben so einige schöne Strecken, suchen uns ein schönes Ziel, trinken da einen Kaffee und fahren wieder zurück. Ich merke, dass Wandern sich positiv auswirkt auf den Blutzucker. Die Werte vor der Wanderung sind schlechter als nach der Wanderung. Durch die Bewegung wird der Blutzucker in das Gewebe transportiert."

Bewegung in den Tagesablauf einbauen

Wandern, spazieren gehen und schwimmen hat Hansgünter B. fest in seinen Tagesablauf eingebaut, seit er in Rente ist.

"Es macht keinen Sinn, sich gegen den Diabetes stellen. Man muss ihn einfach akzeptieren. Wenn ich gegen den Diabetes kämpfe, kann ich nur verlieren. Wichtig ist, dran zu denken, die Sache auch ernst zu nehmen, die Medikamente zu nehmen, sich vernünftig zu ernähren und sich auch zu bewegen", sagt er.

Das war aber nicht von Anfang an so. Nach der Diagnose, machte er sich Gedanken: Was macht diese Krankheit mit mir?

"Da geht einem so einiges durch des Kopf: Oh, ich habe Zucker - was nun? Wird sich meine Lebensqualität ändern? Werde ich Folgeerkrankungen haben? Das waren so die wesentlichen Punkte, die mir durch den Kopf gegangen sind. Das hat mich sehr verunsichert und ich wusste mit der Situation nicht so viel anzufangen."

Selbsthilfegruppen haben viele Vorteile

Seine Frau machte Hansgünter B. auf eine Selbsthilfegruppe aufmerksam. Seit Jahren leitet er inzwischen selbst eine und sieht darin viele Vorteile:

"Die Selbsthilfegruppe hat mir mehr Selbstbewusstsein gebracht, mit der Diagnose umzugehen. Es ist manchmal so, wenn es mit dem Diabetes nicht so toll läuft, dann wird man von den Mitgliedern aufgemuntert. Ich gehe mit meinem  Diabetes selbstbewusster um, ich mache kein Geheimnis draus, dass ich Diabetes habe und vor allem bekomme ich laufend Informationen, sodass ich mit meinem Arzt auf Augenhöhe reden kann, das heißt ich verstehe besser seine Therapie. In der Selbsthilfegruppe haben wir einen Kochkurs durchgeführt unter Leitung einer Ernährungsberaterin. Da haben wir eine Linsensuppe mit frischen Zutaten gekocht und auch darauf geachtet, dass nicht zu viel Fett verarbeitet wurde. Und beim Probieren haben wir eine Dose Linsen aufgemacht und das miteinander verglichen. Da haben wir gesehen, das selbst gemachte Frische wesentlich schmackhafter und wesentlich gesünder ist, weil weniger Fett, weniger Zucker und weniger Salz."

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