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StartseiteCorsoEin Hoffnungsschimmer für Dealer, Stripperinnen und Straßenkids28.08.2013

Ein Hoffnungsschimmer für Dealer, Stripperinnen und Straßenkids

Neue Filme: "Where's the beer and when do we get paid?", "Hans Dampf", "Wir sind die Millers"

"Wir sind die Millers" ist der typische Komödien-Quatsch aus Hollywood, bei dem eine idiotische, hanebüchene Exposition für komische Verwicklungen sorgen soll - was in diesem Fall tatsächlich gelingt. Außerdem: das deutsche Road Movie "Hans Dampf" und die Dokumentation "Where´s the beer and when do we get paid".

Von Jörg Albrecht

Will Poulter (l), Jennifer Aniston und Regisseur Rawson Thurber bei der  Deutschlandpremiere des Kinofilms "Wir sind die Millers" (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Will Poulter (l), Jennifer Aniston und Regisseur Rawson Thurber bei der Deutschlandpremiere des Kinofilms "Wir sind die Millers" (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)
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"Where´s the beer and when do we get paid?” von Sigrun Köhler und Wiltrud Baier

Auch ein ganzes Jahrzehnt im oberbayerischen Siegsdorf haben ihn nicht zur alpenländischen Volksmusik bekehren können. Jimmy Carl Black ist dem Rhythm and Blues bis zu seinem Tod treu geblieben.

Als "der Indianer der Gruppe", wie er sich selbst genannt hat, saß Black in den 1960er-Jahren am Schlagzeug von Frank Zappas Rockband Mothers of Invention. Zappa, so erinnert sich Jimmy Carl Black, habe ihm damals Reichtum und Ruhm versprochen.

Er sei 26 Jahre alt gewesen. Genau das habe er doch hören wollen. Darum sei er von Kansas nach Kalifornien gekommen: um reich und berühmt zu werden. Zappa habe sich um einen Teil dieses Versprechens gekümmert. Er habe ihn berühmt gemacht, aber - verdammt noch mal - kein bisschen reich.

"Where´s the beer and when do we get paid?" haben Sigrun Köhler und Wiltrud Baier ihren Dokumentarfilm genannt. Ein Zitat von Jimmy Carl Black aus dem Frank-Zappa-Movie "200 Motels" von 1971. Ein "dummer Film", wie Black findet. Ganz im Gegensatz zu Ehefrau Moni, für die er Ende der 1990er Jahre nach Bayern gezogen ist.

"It´s a stupid movie.
- Nein.
- Is there any beer in this fake night club and when do we get paid? But I think it´s stupid."

Für die beiden Filmemacherinnen erweist sich Jimmy Carl Black als Glücksfall. Augenzwinkernd spricht er über alte Zeiten, sein Leben in einem bayerischen Dorf und natürlich immer wieder auch über den obligatorischen Dreiklang aus Sex, Drugs and Rock´n Roll. Vielleicht wird ein wenig zu oft das Motiv der in der Provinz gestrandeten Rocklegende bemüht, die dort wie ein Alien wirkt. Aber es sind nicht zuletzt diese Wechsel zwischen bayerischem Brauchtum und den Geschichten des Weggefährten von Frank Zappa, die dieses etwas einfach gestrickte, aber angenehm unaufgeregte filmische Requiem so amüsant machen.

Empfehlenswert.

"Hans Dampf" von Jukka Schmidt und Christian Mrasek

"Ich würde am liebsten jetzt immer weiter gen Süden. Einfach weiterfahren.
- Einfach weiter. Der Sonne hinterher. Ans Meer."

Einen Schlussstrich unter sein bisheriges Leben ziehen. Der materiellen Welt den Rücken kehren. Sich einfach treiben lassen. Wer Hans im Glück schon immer als unbeschreiblich naives Märchen empfunden hat, wird auch der Geschichte "Hans Dampf" von Jukka Schmidt und Christian Mrasek nicht viel abgewinnen können. Wie der Glücksjäger der Gebrüder Grimm hört auch hier der Protagonist auf den Namen Hans. Ein ehemaliger Bankangestellter, der aus der Tretmühle des Lebens aussteigt und sich mit seiner Abfindung auf den Weg nach Italien macht. Die allerdings ist schnell ausgegeben.

"Du bist echt verrückt.
- Ich bin verrückt. Aber ich will nach Amalfi."

Nicht nur die Reisebekanntschaften werden wechseln. Immer wieder wird Hans auch sein Fortbewegungsmittel gegen ein anderes eintauschen.

"Du hast alles verloren. Das ganze Gepäck. Das ganze Geld. Macht dir das nichts aus?
- Also, ich glaube, wenn wir so eine Stunde am Fluss lang marschieren, dann kommen wir noch am Meer an."

Die Idee einer modernen Version von Hans im Glück hat durchaus etwas Sympathisches, die filmische Umsetzung mit Laiendarstellern auch. Dabei weckt die holprig-hölzerne Inszenierung Erinnerungen an die Ruhrgebiets-Filme von Adolf Winkelmann von vor 30, 35 Jahren. Ein Problem allerdings ist, dass einem der Titelheld mit seiner einfältig-verstrahlten Art und den heruntergeleierten Texten in diesem Aussteiger-Märchen ziemlich schnell auf die Nerven geht.

Zwiespältig.

"Wir sind die Millers" von Rawson Marshall Thurber

"Bist du vollkommen irre?
- Hey Rose! 10.000 Dollar. Und dein Flug ist schon bezahlt.
- Du kannst mich nicht kaufen.
- Ich will dich nicht kaufen. Ich miete dich nur. Wie Pretty Woman."

Die Begeisterung für das ungewöhnliche Jobangebot hält sich bei Rose in Grenzen. David will die Stripperin aus der Nachbarwohnung sowie zwei Jugendliche engagieren, damit das Trio seine Ehefrau und die Kinder spielt. Weil der Klein-Dealer Schulden hat, soll er Drogen aus Mexiko in die USA schmuggeln. Und welche Tarnung könnte da besser sein als die eines Familienvaters, der im spießigen Wohnmobil auf Urlaubsreise geht.

"Ganz schöne Kutsche, die Sie da steuern, Amigo.
- Das ist auch eine ziemliche Kutsche, die Sie da fahren.
- Freut mich Sie kennenzulernen."

"Wir sind die Millers" ist der typische Komödien-Quatsch aus Hollywood, bei dem eine idiotische, hanebüchene Exposition für komische Verwicklungen sorgen soll. Was sie allerdings in den seltensten Fällen dann auch tut. "Wir sind die Millers" mit Jason Sudeikis und Jennifer Aniston aber ist einer dieser seltenen Fälle. Da verzeiht man dem amüsanten Film sogar, dass er - je länger er dauert - unverblümt und ganz im Sinne amerikanischer Werte das konservative Loblied auf die Familie anstimmt. Ein Hoffnungsschimmer selbst für Dealer, Stripperinnen und Straßenkids.

Akzeptabel.

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