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StartseiteKalenderblattEin leidenschaftlicher und unerschrockener Journalist20.10.2011

Ein leidenschaftlicher und unerschrockener Journalist

Vor 150 Jahren wurde der Publizist und Journalist Maximilian Harden geboren

Sein Lieblingsgegner war Wilhelm II, der deutsche Kaiser. Dreimal wurde der Journalist Maximilian Harden wegen Majestätsbeleidigung angeklagt, zweimal ging er dafür ins Gefängnis. Hardens Stil polarisierte - doch gerade dies machte aus ihm einen der einflussreichsten Journalisten seiner Zeit.

Von Georg Gruber

Das zeitgenössische Porträt zeigt den deutschen Schriftsteller und Publizisten Maximilian Harden (1861-1927) (picture alliance / dpa / Bifab)
Das zeitgenössische Porträt zeigt den deutschen Schriftsteller und Publizisten Maximilian Harden (1861-1927) (picture alliance / dpa / Bifab)

"Ein neudeutscher Kaiser darf kein Herr sein, der seine Hand über die ganze Erde streckt und sich im trügenden Schein einer Allmacht und Allgegenwart sonnt."

So urteilte der Journalist und Publizist Maximilian Harden über Kaiser Wilhelm II., dessen Regierungsstil er immer wieder heftig kritisiert hatte. Ein seltenes Tondokument aus dem Jahr 1927.

Als Felix Ernst Witkowski wurde Maximilian Harden, Sohn eines jüdischen Seidenhändlers, am 20. Oktober 1861 in Berlin geboren. Der Vater wollte ihn zu einer Lehre zwingen. Er nahm Reißaus, schloss sich als 14-Jähriger einer Theatergruppe an und gab sich einen neuen Namen. Doch berühmt wurde Maximilian Harden erst, als er das Fach wechselte und begann, Theaterkritiken zu verfassen. Heinrich Mann etwa lobte ihn in einem Brief 1891:

"Das Genussreichste aber sind mir die Hardenschen Theaterfeuilletons, die ich zur Sonntagmorgenzigarette lese, in den besten Augenblicken, die die Woche für mich hat."

Bald schrieb Harden über alles, was er für wichtig hielt, mit Vorliebe über die große Politik, über Krieg und Frieden. Der Historiker Golo Mann 1961:

"Man hätte nicht voraussagen können, wie Harden urteilen würde. Und so wie die Zielscheiben seiner Angriffe in den verschiedensten Richtungen lagen, so hatte er Feinde auf allen Seiten."

Harden war eine schillernde, widerspruchsvolle Persönlichkeit, er verkehrte mit Künstlern und Schriftstellern ebenso wie mit Politikern aller Couleur, die ihn immer wieder mit pikanten Hintergrundinformationen versorgten. Sein großes Thema war die Regentschaft von Kaiser Wilhelm II., dem er es nicht verzeihen konnte, dass er Bismarck 1890 als Reichskanzler entlassen hatte. Harden verehrte Bismarck. 1902 schrieb er rückblickend:

"Unsere Gespräche in Wald und Flur bilden das große Ereignis meines Lebens. In der Berührung mit Bismarck entwickelte sich meine Anlage zur Politik, und da ich mich befähigt fühlte, politische Artikel in einem neuen Stil zu schreiben, in einem Stil, der scharf abstach von der üblichen, nichtssagenden und pedantischen Methode, und da ich außerdem ohne jede fremde Kontrolle schreiben wollte, so gründete ich 1892 ‘Die Zukunft’."

Die Wochenzeitschrift wurde ein überraschender Erfolg. Zu den Autoren zählten Thomas Mann, Heinrich Mann, Leo Tolstoi, Emile Zola - aber auch konservative Theoretiker, wie der Sozialdarwinist Alexander Tille und der Rassenhygieniker Ferdinand Hueppe.

Harden selbst diskreditierte in einer Aufsehen erregenden Artikelserie die Entourage des Kaisers: Fürst Philipp zu Eulenburg war ein enger Vertrauter von Wilhelm II. und hatte, so fand Harden, zuviel Einfluss auf die deutsche Politik. In seinen Methoden nicht zimperlich, bezichtigte er Eulenburg der Homosexualität. Ein Skandal, der das Kaiserreich erschütterte und als sogenannte Eulenburg-Affäre in die Geschichte eingehen sollte. Es folgten Prozesse wegen Verleumdung und Meineid, aus denen Harden letztendlich als Sieger hervorging. Doch sein Ruf hatte gelitten. So kritisierte etwa Karl Kraus die Einstellung,

" ... die Welt danach zu beurteilen, ob Männer der Politik ihren Geschlechtstrieb auf Röcke oder Hosen eingestellt haben."

1914 gehörte Harden zu denjenigen, die den Ausbruch des Krieges bejubelten, um wenig später genauso vehement für sein Ende und politische und soziale Reformen einzutreten. Doch bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung wurde er nicht gefragt – eine bittere Enttäuschung.

Nun wetterte er gegen die Köpfe der Weimarer Republik und überwarf sich mit den wenigen Freunden, die er noch hatte, wie zum Beispiel mit Walter Rathenau, als der Außenminister wurde. 1922 wurde Rathenau ermordet, und auch auf Harden wurde ein Attentat verübt. Der Prozess gegen die rechten Schläger war eine Farce. Golo Mann:

"Die Rede, die er in Moabit als Nebenkläger hielt, hätte erschüttern können und sollen, durch hellsichtige Warnungen vor den letzten Folgen eines Mord bejahenden, Mord beschönigenden Judenhasses. Vielleicht war sie das Beste, was Harden je gemacht hat."

Im selben Jahr stellte Maximilian Harden "Die Zukunft" ein. Er starb 1927 in der Schweiz.

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