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StartseiteForschung aktuellEin Modell für die Katastrophe30.09.2011

Ein Modell für die Katastrophe

Grönland will sich auf Ölunfälle in der Arktis vorbereiten

Unter dem Meer der Arktis beginnt zurzeit ein Ölrausch ohnegleichen. Zahlreiche Firmen haben ihre Claims abgesteckt, die ersten bohren schon, auch die tiefen Gewässer vor Westgrönland sind im Visier. Um die Folgen eines möglichen Ölunfalls in dieser Region besser abschätzen zu können, haben dänische Forscher jetzt ein Modell entwickelt.

Von Monika Seynsche

Grönland vom Satelliten aus betrachtet. (Nasa)
Grönland vom Satelliten aus betrachtet. (Nasa)

"Grönland ist immer noch die Hocharktis, in vielerlei Sinn eine Art Wilder Westen. Das bedeutet, wenn es dort einen Ölunfall gibt, hätten wir bislang erstmal alle Daten mühsam zusammensuchen müssen um zu modellieren wo das Öl hintreibt. Das hätte uns mindestens vier Tage gekostet."

Viel zu lang, fand die grönländische Regierung und beauftragte Susanne Hanson vom Dänischen Meteorologischen Institut, ein nationales Ölpestmodell für die Gewässer Grönlands zu erstellen.

"Das Projekt läuft seit eineinhalb Jahren mit dem Ziel, ein Warnsystem aufzubauen. Dann können uns die Ölfirmen rund um die Uhr erreichen und uns die Position des Ölunfalls mitteilen. Wir lassen unser Modell laufen und können ihnen genau sagen, wie sich das Öl ausbreitet, ob es auf die Küste oder das Meereis zutreibt und wo sie die Säuberungsteams hinschicken müssen."

Dafür verknüpfen Susanne Hanson und ihre Kollegen drei verschiedene Modelle. Zu allererst ein Ozeanmodell, das Auskunft gibt über die Strömungen, Temperaturen und den Salzgehalt des Wassers. All das beeinflusst, wie sich das Öl im Wasser selbst verhalten wird.

"Dazu kommt ein Driftmodell, das die Bewegung eines Objektes, in diesem Fall des Öls, im Wasser beschreibt. Steigt es direkt zur Wasseroberfläche auf, oder treibt es eine Weile in tieferen Ozeanschichten und kommt erst weiter entfernt an die Oberfläche?"

Um dieses Modell zu testen, stellten die Forscher mit ihm Tankerunglücke nach, die sich in der Vergangenheit in Gewässern vor der Küste Dänemarks abgespielt hatten. Es gelang ihnen, die wirkliche Verteilung des Öls zu modellieren. Im Moment arbeiten sie daran, die beiden ersten Modelle mit einem dritten Modell zu kombinieren, das die Meereisverteilung vor Grönland darstellt. Eine erste Version des Gesamtmodells läuft seit diesem Frühjahr, allerdings ist sie noch relativ langsam.

"Unser Ziel ist es, innerhalb von 10 Minuten eine Antwort geben zu können. Wenn also Öl ausläuft, können wir der Ölfirma innerhalb von zehn Minuten sagen: da ist das Öl in drei Tagen, da müssen Sie mit ihren Aufräumteams hin! Das ist die Idee."

Eine Idee, die auch Peter Wadhams für sehr sinnvoll hält. Auch wenn es dem Professor für Ozeanphysik an der Universität Cambridge lieber wäre, in der Arktis würde gar nicht erst nach Öl gebohrt.

"Wenn wir von dem ausgehen, was wir wissen, oder besser, was wir alles nicht wissen über die Gefahren, ist die Arktis der gefährlichste Ort für Ölbohrungen. Wenn es eine Region auf der Welt gibt, wo man definitiv nicht nach Öl bohren sollte, so ist das die Arktis. Aber realistisch betrachtet glaube ich nicht, dass die Welt mit der Suche nach Öl aufhören wird, solange es noch Ölquellen gibt."

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