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StartseiteKalenderblattEin Werbegag der Immobilenbranche13.07.2013

Ein Werbegag der Immobilenbranche

Vor 90 Jahren wurde der Schriftzug "Hollywoodland" oberhalb von Los Angeles aufgestellt

Kaum ein Tourist kommt nach Los Angeles, ohne einmal den "Hollywood"-Schriftzug zu fotografieren. Heute steht er fest für die US-Filmindustrie und für den American Dream. Aber eher wenige Menschen wissen, dass die weißen Buchstaben vor 90 Jahren einen ganz anderen Hintergrund hatten.

Von Regina Kusch

Heute nur noch "HOLLYWOOD" – das "LAND" verschwand bereits 1949.  (AP Archiv)
Heute nur noch "HOLLYWOOD" – das "LAND" verschwand bereits 1949. (AP Archiv)

"Ich hatte eine Zeichnung angefertigt, die fast so groß wie das Original werden sollte. Damit ging ich um elf in Mr. Chandlers Büro. Dort saß er gewöhnlich bis Mitternacht und er sagte zu mir: ‘Ja, gehen Sie los! Stellen Sie die Buchstaben hin!’",

erinnerte sich der Publizist John Roche Jahre später an das Gespräch mit dem Immobilien-Investor und Herausgeber der "Los Angeles Times" Harry Chandler, bei dem sie den spektakulärsten Werbefeldzug der 20er-Jahre planten. In den Hollywood Hills sollte oberhalb der Stadt, kilometerweit sichtbar, in 15 Meter hohen weißen Lettern der Schriftzug "HOLLYWOODLAND" errichtet werden. 21.000 Dollar kostete der Aufbau. Etwa 100 Arbeiter bauten ein Gestell aus Telefonmasten, Rohren und Holz, auf dem sie weiße Metallplatten anbrachten. Am 13. Juli 1923 enthüllte Chandler die 137-Meter-lange Grafik, die, nachts von 4000 Glühbirnen erleuchtet, Werbung für sein ehrgeiziges Bauprojekt machen sollte: die vornehmste Wohnsiedlung von Los Angeles. Der Prospekt versprach mediterranes Flair, oberhalb hoher Felsschluchten mit Blick aufs Meer.

"Der Traum wird wahr! Ein Heim in den Bergen! Folgen Sie dem Ruf ins Glück und wählen Sie Ihr Traumhaus. Ihrer Familie zuliebe investieren sie in Hollywoodland!"

Chandlers Träume erfüllten sich nicht. In der Wirtschaftskrise ging seine Immobilienfirma pleite. Die ursprünglich nicht für die Ewigkeit geplante Werbung blieb stehen und wurde bald zum Symbol für die boomende Filmindustrie. 1949 übernahm die Stadt Los Angeles den Schriftzug und restaurierte ihn. Dabei wurden die Beleuchtung und aus dem "Hollywoodland" das "LAND" entfernt.

Bis heute gibt es dort hinauf keine öffentliche Straße. In Reiseführern werden deshalb geführte Touren empfohlen, auf denen man Geschichten über die einzelnen Buchstaben erfahren kann: zum Beispiel, dass sich hinter dem L eine Wohnung für den Monteur befand, der eigens dafür angestellt war, durchgebrannte Glühbirnen auszuwechseln. Die junge Schauspielerin Peg Entwistle stürzte sich vom H, weil ihr sehnlicher Traum vom Ruhm sich nicht erfüllt hatte. 1978 wurden alle Buchstaben erneuert. Der Rock-Star Alice Cooper finanzierte ein stählernes O und widmete es Groucho Marx. Im Zuge dieses Neuaufbaus wurde auch eine Wiederbeleuchtung der Lettern erwogen. Dies scheiterte allerdings an massiven Protesten der Anwohner unterhalb des Schriftzugs. Sie wollen nicht noch mehr Touristen.

"Es ist Zeit, sich zu wehren gegen Unmengen von Zigarettenstummeln. Jeder davon ein potenzielles Feuer. Und gegen verstopfte Straßen, in denen jeder Rettungswagen stecken bleibt. Das Zeichen war eine Ruine und wir haben gehofft, dass das so bleibt."

Doch die meisten Amerikaner lieben das Hollywood-Sign, das längst unter Denkmalschutz steht. Mittlerweile gibt es Initiativen, die sich um seinen Erhalt kümmern.

"Die Freiheitsstatue in New York und das Hollywoodzeichen in LA sind wahrscheinlich die wichtigsten Wahrzeichen in den USA, für uns sind sie vergleichbar mit dem Eiffelturm. Jeder der Buchstaben ist vier Stockwerke hoch und an einem klaren Tag kann man das Zeichen selbst noch aus 50 bis 60 Kilometern Entfernung erkennen. Sowohl unsere Kultur als auch unsere Wirtschaft hängen von Hollywood ab."

Pascaline Derrick arbeitet für den "Trust for Public Land", der 2010 in einer breit angelegten Kampagne zwölfeinhalb Millionen Dollar bei prominenten Spendern sammelte, damit die Stadt das Gelände kaufen und in einen öffentlichen Park umwandeln konnte. So verhinderten die Landschaftsschützer, dass Investoren doch noch Harry Chandlers Pläne aus den 20er-Jahren verwirklichten, die Hollywood Hills mit Luxusvillen zuzubauen. Ein Happy End, wie es sich für Hollywood gehört. Das Symbol für Träume, die wahr werden können, gehört jetzt wieder der Allgemeinheit. Und die liebt ihren American Dream, so wie er im Kassenstürmer "Pretty Woman" mit Julia Roberts und Richard Gere zelebriert wird.

"Das ist Hollywood, das Land der Träume! Manche Träume erfüllen sich und andere nicht. Aber hört nicht auf zu träumen. Das ist Hollywood!"

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