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StartseiteKultur heuteEine Alternative für den Berliner Schlossplatz25.07.2006

Eine Alternative für den Berliner Schlossplatz

Christina Weiss unterstützt Initiative für junge Kunst

Es gibt eine neue Initiative zur Nutzung des Berliner Schlossplatzes. Eine Kunsthalle der Moderne soll an der Stelle des Palastes der Republik entstehen. Konkrete Entwürfe gibt es auch schon. Angeschlossen hat sich der Idee unter anderem die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss. In der Zwischenzeit vor der Errichtung eines Humboldt-Forums solle man den Platz nicht auf die reine Grünflächennutzung beschränken, erklärte Weiss.

Moderation: Stefan Koldehoff

Das ehemalige Parlamentsgebäude der DDR, der Palast der Republik in Berlin, soll abgerissen werden. (AP)
Das ehemalige Parlamentsgebäude der DDR, der Palast der Republik in Berlin, soll abgerissen werden. (AP)

Stefan Koldehoff: Es gibt also eine neue Initiative zur Nutzung des Berliner Schlossplatzes. Zur Erinnerung: Der Palast der Republik vis-a-vis Museumsinsel und Dom wird abgerissen, irgendwann soll dann dort ein Humboldt-Forum hinter historisierender Schlossfassade entstehen. Wer das wie finanzieren könnte, weiß im Augenblick allerdings noch niemand. Vorschläge für eine so genannte Zwischennutzung gab es schon zu Hauf. Alle wurden verworfen. Nun melden sich heute durchaus namhafte Kulturschaffende mit einer neuen Idee. Eine Kunsthalle der Moderne soll es sein und konkrete Entwürfe gibt es auch schon. Angeschlossen haben sich dieser Idee unter anderem der Chef der Frankfurter Städelschule Daniel Birnbaum, der Dresdner Museumsdirektor Martin Roth, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhard Baum und die ehemalige Kulturstaatsministerin Christina Weiss. Warum, Frau Weiss?

Christina Weiss: Ich war einfach von dieser Idee in ihrer ganz spielerischen Art sich mal einzumischen, nicht kämpferisch sondern zunächst einmal spielerisch sehr angetan. Deshalb unterstütze ich die Idee. Es ist ja die Idee der Zeitschriftenmacher von "Monopol". Die haben verschiedene Architektenbüros angeschrieben und darum gebeten doch mal darüber nachzudenken, ob man denn in der Zwischenzeit, zwischen dem Abriss des Palastes der Republik und der Errichtung eines Humboldt-Forums, ob man in der Zwischenzeit eine Nutzung erfinden könnte für die ganz junge Kunst in Berlin. Und etliche Büros haben geantwortet und haben in der Tat auch einige sehr witzige Vorschläge gemacht. Und es gefällt mir deshalb so gut, weil es einfach das Zusammenspiel zwischen dem was geplant ist, also das Humboldt-Forum was ja eher die außereuropäischen Kulturen berücksichtigt auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Kunst von ganz jungen Künstlerinnen und Künstlern die in Berlin leben zusammen koppelt. Es ist noch ein Spiel der Fantasie. Berlin macht eine Ausschreibung für diese Zwischenzeit fast ausschließlich für Grünnutzung. Ich denke aber, der Platz ist so groß und so prominent und so kulturell besetzt, dass man es nicht beschränken sollte auf reine Grünflächennutzung.

Koldehoff: Verbirgt sich denn dahinter auch die Hoffnung, dass aus der Zwischennutzung etwas mehr werden könnte?

Weiss: Das ist natürlich von den Zeitschriftenleuten nicht so gedacht, also diese Projekte sind alle als Zwischennutzungsprovisorien gekennzeichnet. Es ist nur zu befürchten, das sage ich jetzt im Grunde aus meiner Erfahrung in der Politik, es wird möglicherweise einfach noch eine sehr lange Zeit dauern, bis die Realisierung des Humboldt-Forums finanzierbar ist.

Koldehoff: Und das bedeutet im Umkehrschluss, solange könnte dann die Kunsthalle, so sie denn jemals Wirklichkeit würde stehen bleiben?

Weiss: Solange könnte dieses Provisorium stehen bleiben und wäre ja in jedem Fall eine äußerst pfiffige Nutzung des Platzes, weil man einfach im Durchlaufen durch Berlin an der Kunst vorbeikäme und einfach mal neugierig hinschauen könnte.

Koldehoff: Nun sind Sie als ehemalige Kulturstaatsministerin nun ja auch Pragmatikerin immer gewesen und sind es wohl auch noch. Wie realistisch ist denn das, was Sie da als Fantasie, als Träume bezeichnet haben? Architekturbüros werden ja wahrscheinlich auch nicht für einen Gotteslohn arbeiten. Also man wird Gelder aufbringen müssen. Eine Grünfläche ist vergleichsweise preiswert. Man wird Verantwortlichkeiten für die Bespielung einer Kunsthalle benennen müssen. Glauben Sie, da ist eine Bereitschaft vorhanden in Berlin, im Bund?

Weiss: Das ist natürlich richtig. Es ist zunächst ein Spiel der Fantasie, aber das ist natürlich ein Impuls der in der Politik selten von Innen heraus geboren wird. Man ist da immer eher ängstlich, weil man auf die Finanzen schaut. Auf der anderen Seite gibt es diese Ausschreibung für die Grünfläche, auch das kostet Geld. Vielleicht bringt die Anregung, doch noch etwas Provisorisches zu bauen, was dann auch Inhalt vermittelt, vielleicht bringt diese Anregung doch noch einige Funken mit sich für die Politik.

Koldehoff: Ich komme zum Schluss noch einmal auf meine Eingangsfrage zurück: Fehlt Berlin denn ein Ort für die ganz junge, die zeitgenössische Kunst?

Weiss: Nun, Berlin hat unglaublich viele Orte, provisorische Orte, wo die ganz junge Kunst sich ihre eigenen Ausstellungsplätze gesucht hat und auch für gewisse Zeit ausstellt. Berlin ist voller sehr junger Künstlerinnen und Künstler die hier hoch interessante Arbeiten machen. Es gibt nicht so etwas, was man traditionellerweise sagen würde, die Ausstellungshalle für junge Kunst. Es gibt natürlich große Ausstellungsflächen, aber dieses hier würde doch eher auch die Künstlerinnen und Künstler ansprechen können die noch ganz vorne an der Front sind, die einfach im wahrsten Sinne des Wortes noch Avantgarde, weil noch ganz jung und unbekannt sind.

Koldehoff: Christina Weiss, danke, über die neue Initiative Kunsthalle Schlossplatz in Berlin.

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