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StartseiteForschung aktuellEine Blackbox für Roboter08.05.2013

Eine Blackbox für Roboter

Mehr Sicherheit für die Mensch-Maschine-Interaktion

Robotik.- Wenn Roboter in der Zukunft verstärkt im zivilen Bereich eingesetzt werden, könnte das auch neue ethische Fragen aufwerfen: Wie lässt sich zum Beispiel verhindern, dass Menschen versehentlich durch sie verletzt werden?

Von Frank Grotelüschen

"Ballbot" - ein Roboter der ETH Zürich. Er balanciert quasi ständig auf einem Ball.  (Deutschlandradio - Frank Grotelüschen)
"Ballbot" - ein Roboter der ETH Zürich. Er balanciert quasi ständig auf einem Ball. (Deutschlandradio - Frank Grotelüschen)

Man hat schon Roboter gesehen, die zwei- oder vierbeinig laufen, auf Rädern fahren oder sich mit Panzerketten fortbewegen. Doch der Prototyp, den das Team von Peter Fankhauser an der ETH Zürich konstruiert hat, ist völlig anders unterwegs.

"Wir sehen unseren Roboter, er ist circa einen Meter hoch und relativ schlank. Und der balanciert auf einer Kugel."

Ballbot, so heißt der Roboter, der aussieht, als würde er auf einer Bowlingkugel reiten. Dazu nötig ist ein enormes Balancegefühl, und für das sorgt ein trickreiches Zusammenspiel aus Lagesensor, Steuerelektronik und Motoren, die die Kugel über Gummiräder bremsen und beschleunigen können.

"Wir haben eine Software entwickelt, die die Motoren so antreibt, dass die Motoren die richtige Bewegung ausführen, damit sich das System stabilisieren kann."

160 mal pro Sekunde wird gemessen und gelenkt – oft genug, dass der Ballbot sogar einen kräftigen Stups verträgt, ohne aus dem Gleichgewicht zu kommen. Man könnte Ballbot auch größer bauen, sagt Fankhauser. Dann hätte er die Ausmaße eines Menschen und wäre für mehrere Anwendungen interessant.

"Das wäre geeignet, um sich in Menschenmassen zu bewegen. Es macht nichts, wenn ich ihn kurz anremple. Er steht mir nicht im Weg. Ich könnte ihn für medizinische Anwendungen brauchen, wo er mir die Geräte nachtragen könnte. Oder als Tourguide in einem Museum oder einem Unterhaltungspark – in solchen Sachen, wo er mit Menschen in Interaktion kommt."

Menschen in direktem Kontakt mit dem Roboter – das ist ein großes Thema auf der Konferenz in Karlsruhe. Die meisten Roboter fristen nach wie vor ein abgeschottetes Dasein in den Werkhallen der Industrie. Und auch dort nur in sicherer Entfernung von Menschen – hinter Absperrungen, damit sie niemand verletzen. Doch das, sagt Wilfried Eberhardt von der Firma KUKA Roboter, soll sich nun ändern.

"Bisher war es so, dass der Roboter weggesperrt worden ist über einen Schutzzaun und gesichert worden ist, weil er für einen Menschen gefährlich war. Und das ist der neue Roboter nicht. Er kann direkt mit dem Menschen zusammenarbeiten in einer intelligenten Form."

Dieser neue Roboter ist ein mechanischer Arm, der anders als gewöhnliche Industrieroboter nicht stur seine programmierte Bewegung durchzieht, sondern dank einer ausgeklügelten Sensorik innehält, sobald er auf ein Hindernis stößt. Stellt man ihm ein Wasserglas in den Weg, bremst er bei der ersten Berührung so schnell ab, dass das Glas zwar angeschlagen wird, aber nicht zerbricht. Als Industrieroboter ist die Technik seit kurzem zu kaufen. In einigen Jahren könnte sie in Haushalts- oder Servicerobotern zu finden sein. Doch trotz aller maschineller Intelligenz – hundertprozentig sicher werden Roboter nie sein, meint Milos Vasic, Robotikexperte an der ETH Lausanne. Denn:

"Roboter laufen mit Software, und Software enthält Fehler. Das kann dann zu Unfällen führen. Nehmen wir als Beispiel einen Roboter-Rollstuhl, den ein Gelähmter mithilfe seiner Gedanken steuern kann. Bei einem Softwarefehler könnte es passieren, dass der Rollstuhl etwas anderes tut, als von seinem Besitzer gewollt."

Und was, wenn dadurch Schaden entsteht? Wenn der Roboter-Rollstuhl eine wertvolle Vase aus chinesischem Porzellan zu Bruch fährt? Dann droht ein Rechtsstreit um die Frage, ob der Hersteller haftet, weil sein Rollstuhl eine Softwaremacke hat, oder der Besitzer, weil er sich bei der Gedankensteuerung nicht richtig konzentriert hat. Milos Vasic hat zumindest schon eine Idee, wie sich dieses Problem mildern ließe:

"Man könnte eine Art Blackbox in den Roboter einbauen, eine Art Fahrtenschreiber wie in einem Flugzeug. Diese Blackbox würde die wichtigsten Daten laufend aufnehmen. Dadurch müsste sich die Ursache eines Unfalls dann rekonstruieren lassen."

Ein Vorschlag, der auch für eine andere Zukunftstechnologie sinnvoll scheint – das selbstfahrende Roboterauto.

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