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StartseiteHintergrundEine Frage der Dosis06.10.2013

Eine Frage der Dosis

Die Giftmülldeponie Herfa-Neurode in Osthessen entzweit eine Region

Sicherheitsstiefel, weiße Bergmannskluft, Bauhelme: Mehr Schutz ist nicht nötig beim Besuch der weltgrößten Giftmülldeponie Herfa-Neurode in Osthessen. Doch während die Betreiberfirma K & S in den Gefahrenstoffen kein Problem sieht, kämpft eine Bürgerinitiative gegen die Deponie und die Folgeschäden des Kalisalz-Abbaus.

Von Axel Schröder

Im Bergwerk Herfa-Neurode lagern 2,7 Millionen Tonnen hochkonzentrierte Giftstoffe - jedes Jahr kommen 50.000 Tonnen dazu. (Dagmar Röhrlich)
Im Bergwerk Herfa-Neurode lagern 2,7 Millionen Tonnen hochkonzentrierte Giftstoffe - jedes Jahr kommen 50.000 Tonnen dazu. (Dagmar Röhrlich)
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Das schwere schmutzig-grüne Eisentor schließt sich. Der riesige Fahrstuhl, eine Seilfahrtanlage, setzt sich mit einem Ruck in Bewegung. Ihr Ziel: die weltgrößte Giftmülldeponie, Herfa-Neurode in Osthessen.

"Wir fahren jetzt mit dem Schacht auf die erste Sohle. Und von dort aus ins Deponiefeld 3, die zweite Sohle. Fahren auf 664 Meter…"

Sascha Rühl schaltet seine Helmlampe an, der Lichtkegel fällt auf die vorbeirauschende Schachtwand. Rühl leitet die Untertagedeponie Herfa-Neurode, benannt nach den Ortschaften, unten denen die beiden Schächte in die Tiefe führen. Durch den einen zieht Frischluft ein, versorgt die 2500 Arbeiter im Bergwerk mit Sauerstoff, durch den anderen Schacht ziehen die Luftmassen wieder nach draußen. Neben Deponieleiter Rühl stehen Ulrich Göbel, der Sprecher von K+S, und Dr. Volker Lukas, der technische Leiter der Entsorgungssparte des Unternehmens. Früher hieß die Firma "Kali & Salz", heute nur noch: K+S.

Angekommen auf der ersten Sohle. Es ist 25 Grad warm. Die Stollenwände sind dunkelgrau, zerfurcht von den Krallen der Spezialmaschinen, die die Hohlräume instand halten. Rühl, Göbel und Lukas tragen Sicherheitsstiefel, weiße Bergmannskluft, Bauhelme. Mehr Schutz ist nicht nötig beim Besuch der giftigsten Müllkippe der Republik. Aber Giftigkeit, das stellt Volker Lukas gleich klar, ist ein relativer Begriff:

"Das ist immer eine Frage der Dosis! Wenn sie ein Kilo Kochsalz essen, ist das auch sehr giftig!"

"Jetzt zu sagen: 'Das ist giftig, das ist noch viel giftiger, das ist besonders giftig!' – Ich glaube, das macht keinen Sinn."

Aber angesichts der Masse an Giftstoffen, die in Herfa-Neurode lagern, kann wohl von einem der "giftigsten Orte" sprechen: 220.000 Tonnen quecksilberhaltige Abfälle, 127.000 Tonnen Cyanid-Abfall, 83.000 Tonnen arsenhaltige Stoffe lagern hier unten. Reststoffe aus der Industrie, zum Beispiel Filter aus den Schornsteinen von Müllverbrennungsanlagen: voll mit hochkonzentrierten Giftstoffen. 2,7 Millionen Tonnen dieser Gefahrstoffe lagern im Bergwerk, jedes Jahr kommen 50.000 Tonnen dazu.
Ein kleiner Jeep steht bereit, um ins Deponiefeld 3 zu fahren, auf die nächsttiefere Ebene.

"Das ist eine Einlagerungskammer für Cyanide. Wir können jetzt gerne aussteigen und uns einmal den Einlagerungsprozess angucken. Die Paletten werden mit einem Gabelstapler aufgenommen und eingestapelt. Das heißt, die Fässer bei uns werden auf Paletten aufeinandergestapelt. So, wie sie es von Bauklötzen kennen. Und zwar so, dass die Bauklötze nicht umfallen."

Der Gabelstapler setzt eine Palette nach der anderen ab. Später, wenn die Einlagerungskammer voll ist, wird sie zugemauert. Welche Stoffe in welchen Bereichen lagern, wird in der Datenbank von K+S dokumentiert, vorher werden Proben von allen Abfalllieferungen genommen und in einem Probenraum aufbewahrt. Schon heute erstreckt sich die Deponiefläche auf 20 Quadratkilometer. Eine Fläche so groß wie München, inklusive des äußeren Autobahnrings.

Probleme, das betonen die Ingenieure mit routinierter Gelassenheit, Probleme bereitet der Müll nicht. Die Botschaft lautet: K+S hat alles im Griff. Ganz anders sieht das die kleine Bürgerinitiative "Für ein lebenswertes Werratal". Zehn Aktive sitzen in Dankmarshausen, im Gasthof "Zum Adler" zusammen. Im Hinterzimmer, bei Bier und Häppchen, wird debattiert, wie sie gegen die mächtige K+S AG zu Felde ziehen können. Die BI wettert gegen die Deponie in der Tiefe und gegen die Folgeschäden, die der Kalisalz-Abbau nach sich zieht:

"Wir als BI klagen ja auch gegen die Erlaubnis, weiterhin Lauge zu versenken. Weil es unsere Brunnen vergiftet. Brunnenvergifter sind das. Das sind Kriminelle! Wurde früher gesagt… Ist ja auch so. Denn Wasser ist das wertvollste Gut. Sauberes Trinkwasser!"

Klaus Reinhardt ist in der Gegend aufgewachsen. Damals bezogen die Gemeinden ihr Trinkwasser noch aus eigenen Brunnen. Heute wird ein Großteil der Dörfer in der hügeligen Landschaft mit Fernwasser versorgt. Durch kilometerlange Pipelines wird salzfreies Wasser transportiert. Denn die Brunnen vor Ort sind längst versalzen.

Der Grund: Die K+S AG betreibt nicht nur die Untertagedeponie, sondern verkauft auch das Kalisalz aus benachbarten Bergwerken. Vorher wird das rohe Gestein aufbereitet. Übrig bleiben die nicht verwertbaren, immer noch salzhaltigen Bestandteile und Salzlauge. Diese Lauge wird von oberirdischen Pumpstationen in die Tiefe gepresst und verseucht nach und nach die Brunnen der Gemeinden und die Werra.

"Sie machen es, wie es die Industrie schon immer macht: Die Gewinne privatisieren und die Verluste sozialisieren. Und sie hinterlassen – und das kann man nicht akzeptieren, auch als Familienvater nicht akzeptieren – sie hinterlassen den nachfolgenden Generationen diese Umweltbelastung. Die Halde liegt noch in 800, 900 Jahren. Und wenn einmal das Trinkwasser versalzen ist, ist es irreparabel. Es ist für ewig nicht mehr brauchbar. Und diese Dörfer hier: Dankmarshausen, Dibbach und Großensee, also die Dörfer in dieser Region bekommen schon seit den Siebzigerjahren Fernwasser. Weil die Brunnen damals schon versalzen worden sind. Durch die Laugenverpressung."

So groß wie der Bodensee sei der versalzene Untergrund. Und Tag für Tag wird mehr Lauge in den Boden gepresst. Dazu kommen die Gefahren durch das Gift im Berg. K+S betont immer wieder: Grundwasser kann in die Stollen nicht eindringen, die Giftmassen sind sicher. Was passiert aber, wenn tief unten im Berg ein Feuer ausbricht? So wie 2002 in der französischen Kaligrube Stocamine. Auch dort wurde Arsen, Quecksilber oder Cyanid eingelagert. Der Brand in Stocamine, in 500 Meter Tiefe, konnte erst zwei Monate nach Ausbruch des Feuers gelöscht werden. So lange strömten giftige Gase durch die Schächte an die Erdoberfläche. Und das könnte, glaubt Reinhardts Mitstreiter Hans Jürgen Fischer, auch in Herfa-Neurode passieren.

"Sollte innerhalb der Untertagedeponie was passieren, wer gibt uns Garantien? Denn diese ausziehenden Schächte haben keine Filter. Es wird frei in die Luft geblasen!"

Außerdem besteht sehr wohl die Möglichkeit, dass Wasser in die Grube eindringen könnte, so Fischer. Denn der Untergrund der ganzen Region - auf hessischer und der angrenzenden thüringischen Seite – ist durchzogen von Dutzenden Stollen und Schächten. Viele Gruben sind miteinander verbunden, und wenn eine absäuft, könnten andere ebenso volllaufen:

"Zum Beispiel: Der Schacht Grimberg liegt höher als die Untertagedeponie in Herfa, ist aber mit ihr verbunden! Bedeutet: Wir haben hier mit einer Gefahr zu tun, – wenn es mal hier zu Bergschlägen kommt – dass unter Umständen innerhalb kürzester Zeit unsere ganze Gegend nicht mehr bewohnbar ist - bei den Giftstoffen, die dort unten eingelagert werden. Wir wollen keine Arbeitsplätze vernichten, sondern wir wollen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Aber dass sich die Methoden und auch das Geschäftsgebaren der Kali & Salz verändert!"

Aber viel Hoffnung besteht nicht. 4500 Menschen arbeiten im Bergwerk, die meisten leben in der Gegend. Dazu kommen noch die Arbeitsplätze in der nahe gelegenen Müllverbrennungsanlage. Betrieben von der K+S AG. Der Einzelhandel und das Handwerk, die Bäcker und die Hoteliers, bei denen Monteure und Zeitarbeiter während ihrer Arbeit bei K&S wohnen, profitieren von der Firma. In den Vertretern der Bürgerinitiative sehen viele die ewigen Nörgler, die Nestbeschmutzer und Arbeitsplatzvernichter. Es gibt anonyme Anrufe und Drohbriefe per Post. Auf den Leserbriefseiten der Lokalzeitungen beschimpft man sich gegenseitig. Mal moderat, mal deftig.

Im Hinterzimmer, im Gasthof "Zum Adler" sitzt auch Jürgen Breitenbach mit am Tisch. Ein älterer Herr, in Rente, nach einem Berufsleben als Techniker bei der K+S. Jürgen Breitenbach erzählt von Unfällen untertage, von Bränden in der Grube, die zum Glück schnell gelöscht werden konnten. Das Schlimmste, sagt er, wäre ein Wassereinbruch. Dann würden sich die Giftstoffe verbinden und miteinander reagieren. Breitenbach liefert ein Bild der Katastrophe:

"Und dann, sage ich mal laienhaft, kocht die Erde von Kassel bis Frankfurt. Denn bei 275.000 Tonnen Sonderabfall pro Jahr, das sich noch steigern soll bis zum Jahre 2015, bedeutet das eine ganz gewisse Menge. Und Sonderabfälle können in Verbindung mit Wasser reagieren. Und ich kann mir dann das Inferno ausmalen, dass hier eine ganze Region von Deutschland vielleicht gar nicht mehr bewohnbar ist."

Ganz ausgeschlossen ist dieser GAU in der Giftmülldeponie nicht. Das bestätigt Udo Selle von der für Herfa-Neurode zuständigen Bergbauaufsicht in Kassel:

"Das ist das schlimmste Szenario, was man durchkalkuliert hat. Hier würde dann tatsächlich die Untertagedeponie absaufen, die Abfälle mit Wasser in Kontakt kommen. Ist aber auch keine Gefahr für die Biosphäre, weil es möglich ist, dann anschließend den Schacht abzudichten. Sodass der Abfall mit dem Wasser untertage eingeschlossen bleiben würde, falls so ein unbeherrschbares Szenario eintreten würde. Und zwar auch nur in den Schächten, die direkt im Deponiefeld stehen."

Erfahrung mit anderen Störfällen musste die K+S auch schon machen, erzählt Selle. Dreimal hat es untertage schon gebrannt, das letzte Mal vor zehn Jahren. Andere Unfälle in der Grube sind weniger dramatisch verlaufen. Wenn die Giftstoffbehälter Leck schlagen, müssen die Bergleute in Vollschutz-Anzügen, mit Atemmasken und robusten Overalls ausrücken und die Gifte einsammeln.

Tief unten im Bergwerk bremst Sascha Rühl den Jeep. Ein paar Meter weiter geht es durch eine Stahltür in das Gedächtnis der Deponie. Ein Gewölbe voller Regale, dicht an dicht stehen Gläser mit Schraubverschluss, so groß wie Marmeladengläser.

"Jetzt sind wir im Probenraum des Deponiefelds 2. Ein Archiv der Abfälle, die im Deponiefeld 2 eingelagert wurden."

"Hier ist alles archiviert. Jede Anlieferung steht hier in Form einer Probe. Die sind alle exakt beschriftet mit dem K&S-Code, dem internen Namen des Abfalls. Mit Lieferdatum und laufender Nummer. Und anhand der Dokumentation kann man eben jederzeit nachvollziehen, wo welcher Abfall ist und im Zweifelsfall auch noch mal eine chemische Analyse machen. Anhand dieser Proben hier."

Volker Lukas, technischer Leiter der Deponie, nimmt ein Glas aus dem Regal. Ein pinkfarbenes, ganz fein gemahlenes Pulver. Zeugnis der guten Arbeit, die in Herfa-Neurode geleistet wird:

"Das ist Pflanzenschutzmittel aus DDR-Produktion. Was zu Wendezeiten in Bahnwaggons in Rumänien abgestellt worden ist, dort irgendwo wirklich rumstand. Das ist dann damals von Greenpeace aufgestöbert worden und später dann hier in Herfa-Neurode deponiert worden."

Angesprochen auf die Sorgen der Bürgerinitiative wechseln Lukas, Rühl und der Pressesprecher kurze Blicke. Göbel, der Unternehmenssprecher nickt und antwortet etwas widerwillig auf die Frage, was die K+S AG mit den versalzenen Brunnen in der Region zu tun hat:

"Eine der möglichen menschengemachten Ursachen kann sein, dass durch Versenkungstätigkeit, vor allem auch durch Versenktätigkeit in früheren Jahrzehnten – als die Technik und die Beobachtungsmöglichkeiten, die Monitoringsystems noch nicht so ausgeprägt waren, sich Salzwasser in Bereiche ausgedehnt hat, die heute für Trinkwassergewinnung ... . Das ist ein Problem, das sie an den Brunnen selbst im Grunde nur dann lösen können, wenn durch Trinkwasser- oder Grundwasserneubildung sich hier wieder eine Verdünnung des Salzwassers ergibt. Das ist aber im Einzelfall immer nur lokal zu betrachten und hängt von der Beschaffenheit der Brunnen, von der Tiefe und von anderen Dingen ab."

Aber eigentlich gehören diese Themen – die Untertagedeponie und die versalzenen Brunnen – gar nicht zusammen, so Göbel. Der eine Unternehmenszweig von K&S holt das Kalisalz aus einem benachbarten Bergwerk, verarbeitet es und pumpt die Reste, die Lauge, in den Untergrund. Der andere Unternehmenszweig betreibt die Deponie, hat mit den Laugen nichts zu tun.

"Wenn wir uns thematisch darauf einstellen, dass eine Reportage über die Untertagedeponie gemacht wird, dann haben wir zunächst einmal diesen anderen Bereich, nach dem sie jetzt ergänzend gefragt haben, nicht so sehr im Fokus. Natürlich können wir ihnen da auch Rede und Antwort stehen, das ist nicht die Frage. Aber die Frage ist, ob es thematisch wirklich damit zusammenhängt."

An jeder Tonne Sondermüll, die tief unter dem hessischen Land verschwindet, verdient die K+S 260 Euro. Über den Jahresgewinn der Deponie Herfa-Neurode macht das Unternehmen keine Angaben. Zahlen gibt es für die gesamte Entsorgungssparte von K+S: 2012 lag ihr Umsatz bei 88,7 Millionen Euro. Und nur einen Teil davon brachte die Giftmüll-Einlagerung in Herfa-Neurode. Der gesamte Umsatz der K+S lag hingegen bei 3,9 Milliarden Euro.

Die kleine Gemeinde Heringen verdient ganz ordentlich am Unternehmen. Jedes Jahr fließen rund 17 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen an die Stadt. Der Gemeindebürgermeister ist Herbert Ries. Ein Ex-Grüner, der inzwischen parteilos die Stadt lenkt. Ries steht am Fenster seiner Amtsstube. Hohe Decken, weiße Gardinen. Blick auf die hügelige Kiefernlandschaft und auf den Berg, auf dem nichts wächst. Der größte durch Menschenhand erschaffene Berg in Europa. Abfall aus der Kaliproduktion, im Volksmund: der "Kalimandscharo":

"Es ist… Es ist gewaltig! Es ist wirklich gewaltig! Manche finden es toll und sagen: ein einziger… ja… eine unglaubliche Ingenieurskunst. Sieht einfach aus wie ein Berg. Aber… die anderen haben da halt Angst davor. Und sagen, wie gehen wir damit um, wenn die Kali-Industrie hier nicht mehr produzieren kann und wir sind hier mit diesem Teil allein gelassen. – Es ist alles sehr berechtigt…"

Im Laufe der nächsten vierzig Jahre wird der Berg auf das Doppelte anwachsen. Bis dahin will K+S weitermachen und – je nachdem wie sich die Kali-Preise entwickeln – vielleicht auch noch länger. Die Argumente der Bürgerinitiative kennt der Bürgermeister natürlich. Alles schön und gut, sagt er. Nur ziemlich übertrieben. Die K+S AG mache einen guten Job, so Ries. Einiges sei verbesserungswürdig, das meiste aber alternativlos.

"Gesundheitsschädlich ist es nicht. Aber es ist natürlich eine Belastung für die Natur. Denn es wird ja immer durch Wind und Wasser Salz von dieser Abraumhalde selbstverständlich in die Natur und vor allen Dingen Werra eingetragen. Das lässt sich auch nicht vermeiden!"

4500 Arbeitsplätze hängen an Bergwerk und Deponie. Und so soll es bleiben, macht Ries klar:

"Da muss man einen Kompromiss eingehen. Ich betrachte das sehr kritisch. Ich fordere wie viele andere Menschen auch die Kali & Salz auf, an Verbesserungen zu arbeiten. Die machen es auch und versuchen es auch – man kann nicht alles regeln. Aber das Werk muss auch am Leben bleiben. Ansonsten ist die Region jetzt schon tot. Und manchem, glaube ich, fehlt da auch das entsprechende Verantwortungsbewusstsein, sonst würden sie mal ab und zu andere Töne anschlagen!"

Richtig genervt haben die Aktivisten der Bürgerinitiative im letzten Jahr. Oben auf dem Kali-Berg gab es ein großes Alphornblasen. Ein toller Event auf dem Müllhaufen sollte es werden. Dann kam die BI mit einem riesigen Projektor und warf eine unübersehbare Protestbotschaft auf die kahlen Hänge des Bergs: "Willkommen auf dem Müllberg" war zu lesen. - Dabei will Ries dem Berg gerade eine ganz neue Bedeutung geben. Das Thema positiv besetzen:

"Der giftigste Ort ist es nicht. Eigentlich ist es der Ort, auf den wir alle auch ein gutes Stück weit stolz sein sollten. Weil wir hier eine Arbeit verrichten, etwas verbringen, das ansonsten gewaltige Probleme bereiten würde."

Im Gasthaus "Zum Adler" machen sich die Aktivisten der BI keine Illusionen. Alle sind um die 50, 60 Jahre alt. Eine kleine Truppe ohne Nachwuchs, mit einem starken Gegner, so Paul Reinhardt:

"Ich sage mal: Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Kali & Salz ist eine Macht! Und sie hantieren geschickt mit der Arbeitsplatzkeule: Wenn wir hier diesen engen gesetzlichen Umweltgesetzen gerecht werden wollen, können wir diese 4000 Arbeitskräfte nicht mehr halten, wir müssen die Produktion reduzieren. Das ist dieses Argument. Das zieht. Bei allen Politikern. Und deswegen können die immer darauf hoffen, dass sie auch weiterhin alles genehmigt bekommen!"

Die Aktiven der Bürgerinitiative wollen weiter kämpfen, gegen Windmühlen und gegen die Macht der K+S.

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