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StartseiteKalenderblatt"Eine schreckliche, böse, blutrote Flamme"07.09.2006

"Eine schreckliche, böse, blutrote Flamme"

Vor 340 Jahren erlischt das "Great Fire of London"

Als "The Great Fire" ging der Brand, der vor 340 Jahren London in Schutt und Asche legte, in die Geschichte ein. Eine noch mittelalterliche Stadt verschwand damit innerhalb von Tagen. Nach dem 7. September 1666 erhielt London jenes Gesicht, das heute noch die Stadt prägt.

Von Eva Pfister

Als London 1666 niederbrannte, gab es das Wahrzeichen Tower Bridge noch nicht. (AP)
Als London 1666 niederbrannte, gab es das Wahrzeichen Tower Bridge noch nicht. (AP)

"London is burning…."

London brennt, ein altes Kinderlied kündet davon. Die englische Hauptstadt brannte sehr oft, über 20 Mal in ihrer Geschichte. Der verheerendste Brand aber war jener, der im September 1666 fünf Tage lang wütete. In seinem Tagebuch beschrieb der Architekt John Evelyn den Zustand an jenem 7. September, als das Feuer endlich gelöscht war:

"Heute morgen ging ich zu Fuß von Whitehall bis zur London Bridge, durch die ehemalige Fleet Street, an St. Pauls vorüber, Cheapside, Börse, Bishopsgate hinaus nach Morefilds und weiter. Mein Weg war außerordentlich schwierig, ich musste Berge noch rauchenden Brandschutts überwinden und war mir oftmals nicht im Klaren, wo ich mich befand. Der Boden unter meinen Füßen war so heiß, dass er mir nicht nur den Schweiß aus dem Körper trieb, sondern sogar meine Schuhsohlen verbrannte."

Der Brand war am 2. September in der königlichen Backstube in der Pudding Lane ausgebrochen, dort wo heute das "Monument" an das "Great Fire of London" erinnert. Es war ein heißer trockener Sommer, und ein starker Ostwind trug die Flammen von einem der alten Holzfachwerkhäuser zum nächsten. Bald explodierten auch die Lagerhäuser an der Themse, die Öl, Holz und Kohle lagerten.

"Das Volk war dermaßen bestürzt, dass die Leute von Anfang an - ich weiß nicht, aus welcher Verzagtheit oder Fügung - kaum etwas getan, die Flammen zu ersticken, so dass es nichts andres zu hören oder zu sehen gab als Geschrei und Lamentationen und kopfloses Herumrennen."

Diese Beobachtung John Evelyns teilte auch der berühmte Tagebuchschreiber Samuel Pepys. Von der Südseite der Themse aus sah er zu, wie das Feuer sich ausbreitete:

"Je dunkler es wurde, desto größer erschien das Feuer, in allen Winkeln, auf Hügeln, zwischen Häusern und Kirchen, so weit man sehen konnte, bis hinaus zur City leuchtete die schreckliche, böse, blutrote Flamme. Wir blieben, bis man das Feuer als einen einzigen, riesigen Bogen von dieser bis zur anderen Seite der Brücke sah, ein Bogen, der etwa eine Meile lang war. Der Anblick machte mich weinen."

Am 7. September 1666 war London zu fünf Sechsteln vernichtet. 13.200 Häuser in 460 Straßen waren bis auf die Grundmauern niedergebrannt, 98 Kirchen, darunter auch die St.Pauls Cathedral restlos zerstört. Todesopfer gab es erstaunlicherweise nur wenige, manche Quellen sprechen von 6, andere von 12 Menschen.

Obwohl die Brandursache deutlich feststand, verbreiteten sich rasch Verschwörungstheorien, wonach die Jesuiten hinter dem Brand steckten. Ein französischer Uhrmacher gestand unter Folter, dass er als Agent des Papstes das Feuer gelegt habe, und wurde dafür gehenkt.

Den ausländischen Sündenbock brauchte man wohl dringend, um die Londoner Bevölkerung von der schlechten Brandbekämpfung und anderen Missständen abzulenken, wie man Pepys Tagebuch entnehmen kann.

"Sir Coventry hofft, dass es nach dem Feuer nicht zu Unruhen kommt, was allgemein befürchtet wird - angeblich sollen die Franzosen an allem schuld sein. Grund zur Unzufriedenheit gäbe es reichlich, aber die Leute haben alle Hände voll damit zu tun, sich und ihre Habseligkeiten in Sicherheit zu bringen. Die Miliz ist in Alarmbereitschaft."

Für die etwa 200.000 obdachlos gewordenen Einwohner Londons gab es keinerlei Entschädigungen. Sie mussten ihre Häuser aus eigener Kraft wieder aufbauen, nach der Anordnung des Königs nun in Stein und Ziegel statt in Holz. Die Pläne des Architekten John Evelyn, der die Stadt mit breiten, rechtwinklig angelegten Straßen ganz neu konstruieren wollte, wurden jedoch nicht realisiert - ebenso wenig die ähnliche Vision von Christopher Wren, der die meisten der Kirchen und Paläste wieder aufbaute. Trotz der neuen Häuser aus Stein und der Erfindung des Trottoirs brach darum noch oft Feuer in London aus, wenn auch, dank der Modernisierung der Feuerwehr, nie mehr so verheerend wie 1666.

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