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StartseiteKalenderblattEiner der bekanntesten Leuchttürme der Welt01.11.2010

Einer der bekanntesten Leuchttürme der Welt

Der Leuchtturm Roter Sand wurde vor 125 Jahren in Betrieb genommen

Roter Sand ist das erste Bauwerk, das deutsche Ingenieure zwischen Bremerhaven und Helgoland errichtet haben. Über vier Jahre dauerte es, den Leuchtturm zu bauen. Am 1. November 1885 wurde sein Feuer zum ersten Mal gezündet.

Von Regina Kusch

Der Leuchtturm Roter Sand auf einer Postkarte von 1907 (W. Sander & Sohn, Geestemünde)
Der Leuchtturm Roter Sand auf einer Postkarte von 1907 (W. Sander & Sohn, Geestemünde)
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Leuchtturm Roter Sand

"So ist dieser Turm glücklich vollendet worden, der erste, der so weit hinaus in der See steht. Er hat tief auf dem Meeresgrund feste Wurzeln geschlagen aus Stein und Eisen, und so steht er, sich über die unbegrenzte Wasseroberfläche erhebend, wie ein Felsen auf seinen Füßen."

Zeitlebens war Generaldirektor Otto Offergeld voller Stolz, dass es seiner Harkort'schen Fabrik in Duisburg gelungen war, das erste Bauwerk der Welt mitten im Meer zu errichten: den Leuchtturm Roter Sand. Feierlich wurde am 1. November 1885 das Petroleumfeuer angezündet, nachdem die Bauarbeiten über vier Jahre gedauert hatten. 28 Meter ragt der rot-weiß gestreifte Turm mit den drei neugotischen Erkern und dem schwarzen Sockel zwischen Bremerhaven und Helgoland aus der Nordsee. Die Zeitschrift für Seewesen "Hansa" feierte ihn als ein Symbol für die moderne Schifffahrt.

"Durch den Übergang der Segelschifffahrt zur Dampfschifffahrt (hat) die Seefahrt einen so rastlos treibenden wettbewerbenden Charakter erhalten, dass ihr ein sofortiges Verlassen der Häfen, sobald die Schiffe beladen, und ein jederzeitiges Einlaufen in dieselben, ohne Rücksicht auf die Witterung und ob Tag oder Nacht, Bedingung geworden sind."

Der Leuchtturm sollte der aufstrebenden deutschen Kriegs- und Handelsmarine sicher den Weg durch die Außenweser in die Deutsche Bucht weisen. 1883 schleppten Ingenieure einen riesigen Senkkasten, ein Caisson, in die Wesermündung und setzte ihn dort auf Grund. Wochenlang wühlten Arbeiter bei 50 Grad Hitze in dem mit Pressluft gefüllten Caisson unter der Wasseroberfläche den Meeresboden auf, um das Fundament einzugraben. Eimerweise wurde der Schlick mit einem Fahrstuhl nach oben befördert. Schrittweise sank der Stahlmantel, bis er 22 Meter tief im Meeresboden stand und noch vor Einbruch der Herbststürme mit Beton gefüllt werden konnte. Auf das so geschaffene Fundament wurde dann der eigentliche Leuchtturm gesetzt.

"Wir haben manchen Orkan überstehen müssen und wir hatten auch mal Wassereinbrüche, die Luken sind eingeschlagen. Aber Angst hatten wir nie, dass der Turm mal umkippen könnte. Wir hatten eigentlich volles Vertrauen zu unseren Wasserbauwerkern."

Gerhard Ostermann kam 1949 als Leuchtturmwärter auf den roten Sand.

"Wir waren mit drei Mann auf dem Turm tätig. Ein Mann kochte und zwei Mann teilten sich die Wache, rund um die Uhr."

1964 verlor Gerhard Ostermann seinen Traumjob. Wenige Seemeilen entfernt hatte man einen modernen Leuchtturm gebaut, dessen Feuer automatisch gezündet wurde. Den Roten Sand zu modernisieren, hätte sich nicht gelohnt, weil der Stahlmantel des Fundaments an mehreren Stellen stark verrostet war. So beschloss man, ihn dem Meer zu überlassen. Doch das zog ungeahnte Proteste nach sich, denn der Rote Sand war inzwischen einer der berühmtesten Leuchttürme der Welt geworden. Für Zehntausende von Auswanderern nach Amerika war er der letzte Gruß aus der Heimat, für in die Weser einfahrende Seeleute der Erste. Kaum ein Motiv ist so häufig auf Matrosenarme tätowiert worden.

Ein Förderverein wurde gegründet, der sammelte Geld, organisierte Patenschaften und suchte Sponsoren. So wurde der Rote Sand gut 100 Jahre nach seiner Eröffnung doch noch gerettet, indem man eine 120 Tonnen schwere Stahlmanschette über das marode Unterwasserfundament stülpte. Danach wurde das Innere detailgetreu restauriert und für Besucher freigegeben.

"Guten Morgen liebe Gäste, ich begrüße Sie im Namen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Mein Name ist Hans Kurschus, wir begleiten Sie zum Leuchtturm hin und zurück. 1987 hat das Wasser- und Schifffahrtsamt diesen wunderbaren maritimen Leuchtturm der deutschen Stiftung Denkmalschutz übergeben. Und da jedes Denkmal der Öffentlichkeit zugänglich sein muss, haben Sie heute die Gelegenheit, dieses wunderbare, maritime Denkmal zu besichtigen."

Die Warteliste ist lang. Ob die Fahrt überhaupt stattfinden kann, ist wetterabhängig. Richtige Leuchtturmfreaks können auch im Roten Sand wohnen. 500 Euro pro Person kostet eine Übernachtung. Das wird dann als Spende verbucht, denn ein Leuchtturm mitten in der See muss oft neu angestrichen werden.

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