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StartseiteKalenderblattEiner der großen unter den französischen Romantikern11.12.2010

Einer der großen unter den französischen Romantikern

Vor 200 Jahren wurde der französische Dichter Alfred de Musset geboren

Er habe eine große Vergangenheit vor sich, spottete Heinrich Heine über den französischen Dichter Alfred de Musset, der schon jung berühmt wurde und sich später gern als zerrissenes Genie stilisierte. Victor Klemperer nannte ihn sogar den "innigsten Lyriker der romantischen Epoche" von Frankreich.

Von Maike Albath

"Mein Leben, meine Kraft ist hin;
Mein Glück, die Freunde, mir erkoren,
Sogar den Stolz hab’ ich verloren,
Der Welt zu zeigen, was ich bin." (Tristesse)


Tristesse nannte Alfred de Musset dieses Gedicht und drückte damit das Lebensgefühl seiner Generation aus. Tadellos frisiert, elegant gekleidet und durch das Erbe ihrer Eltern abgesichert, fühlten sich die Pariser Dandys von Langeweile und Weltekel ergriffen. Seit Napoleons Sturz herrschte in Frankreich das dumpfe Klima der Restauration. De Musset, am 11. Dezember 1810 als Abkömmling einer adligen Familie in Paris geboren, war wohl behütet aufgewachsen, hatte aus Ratlosigkeit das Studium der Jurisprudenz und Medizin gewählt, bis er Gefallen am Dichten fand und im Kreis der Romantiker um Victor Hugo als Wunderkind gefeiert wurde.

"O, wann wir zitternd Küsse tauschen,
Wann um mein Haupt mit süßem Rauschen
Entfesselt ihre Locken wehn,
Dann muss man sie mit glühnder Wange
Behend und schnell wie eine Schlange
In meinem Arm sich winden sehn." (Madrid)


Ältere Kollegen bewunderten Alfred de Musset, der sich als getriebener Künstler in Szene zu setzen wusste und außer Gedichten auch Theaterstücke verfasste. Trotz seiner romantischen Haltung vertrat de Musset in Form und Sprache eher ein klassizistisches Modell. Neben seinen literarischen Aktivitäten zerschliss der betörende Nachwuchsdichter Dutzende weiblicher Begleitungen und war bald für seine Kälte berüchtigt.

"Wir fielen über einen Tisch her, wir tranken bis zum Umfallen; mitten in der Nacht nahmen wir Postpferde, um zehn, zwölf Meilen von Paris entfernt auf dem Land zu frühstücken; dann, zurück, ins Bad, von dort zum Essen, vom Essen zum Spiel, vom Spiel zum Bett; und wenn ich schließlich vor dem meinen stand ... dann verriegelte ich die Tür, fiel auf die Knie und weinte." (Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen)

Mit der ausschweifenden Lebensweise war es vorbei, als sich Alfred de Musset in die sechs Jahre ältere George Sand verliebte. Unkonventionell, selbstbewusst und in ihren schriftstellerischen Überzeugungen gefestigt, bändigte Sand das ungestüme Talent ihres jungen Freundes. Die beiden zelebrierten einen Liebestaumel, der nach zwei Jahren in Venedig seinen dramatischen Abschluss fand. In seinem autobiographischen Roman Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen von 1836 legte de Musset Zeugnis von den Selbstzerfleischungen ab.

"Es sei lächerlich, sagte ich ihr, wenn es mir nicht einmal gelinge, meiner Mätresse so viel Vertrauen einzuflößen, dass sie es mir in den allergewöhnlichsten Dingen schenke; Madame Daniel sei nur ein Vorwand; sie wisse genau, dass ich nicht ernsthaft an diese Frau denke; ihre angebliche Eifersucht sei nur ein sehr realer Despotismus, und im Übrigen brauche sie ja bloß mit mir zu brechen, wenn dieses Leben sie ermüdete. ‘Meinetwegen’, erwiderte sie. ‘Da ich Sie ohnehin nicht wieder erkenne, seit ich Ihnen gehöre; Sie haben mir zweifellos etwas vorgespielt, damit ich glaube, dass sie mich lieben; jetzt sind Sie diese Frau leid und haben bloß noch die Schwierigkeit, wie Sie sie wieder loswerden. Sie verdächtigen mich beim ersten Wort, das man Ihnen sagt, ich würde sie betrügen, und ich habe nicht das Recht, unter einer Kränkung, die Sie mir antun, zu leiden. Sie sind nicht mehr der Mann, den ich geliebt habe.’" (Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen)

Im realen Leben hatte George Sand ihn wegen eines italienischen Arztes verlassen, der an de Mussets Krankenbett gerufen worden war. Obwohl der Schriftsteller seiner ehemaligen Geliebten freundschaftlich verbunden blieb, konnte er diesen Betrug nie verwinden. Seiner Produktivität tat das keinen Abbruch: messerscharfe Komödien, rasante Einakter und düstere Historiendramen entstanden. 1845 erlebte de Musset mit seinem Theaterstück Une Caprice einen späten Triumph, fünf Jahre darauf wurde er in die Académie française gewählt. Vom Alkohol zerrüttet, starb er am 2. Mai 1857.

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