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StartseiteDie neue PlatteEinfallsreich und experimentierfreudig17.05.2012

Einfallsreich und experimentierfreudig

Die Sinfonie op.7 von Angelo Berardi da Sant’Agata Feltria

Angelo Berardi (1636-1694) gilt als einer der wichtigsten italienischen Musiktheoretiker des 17. Jahrhunderts. Mit dem Cellisten Mauro Valli ist bei der deutschen harmonia mundi / SONY MUSIC eine Neueinspielung erschienen. Der Titel lautet: Sinfonie Opera Settima von Angelo Berardi da Sant'Agata Feltria.

Von Christiane Lehnigk

Ein Musiker spielt mit einem Cellobogen auf einem Cello. (picture alliance / dpa /Jens Kalaene)
Ein Musiker spielt mit einem Cellobogen auf einem Cello. (picture alliance / dpa /Jens Kalaene)
<p>Bei diesem Op. 7 handelt es sich um mehrsätzige Canzonen, die als 'Sinfonie a violino solo con basso continuo' 1670 veröffentlicht wurden. <br /><br />&quot;Angelo Berardi<br />Canzone prima, 3.Presto<br />Mauro Valli, violonello piccolo<br />Ciomei, Moretto, Pinardi, Köll<br />CD <3 >&quot;<br /><br />Angelo Berardi (1636-1694) stammt aus dem kleinen Ort Sant'Agata Feltria in der Provinz Rimini in der Region Emiglia Romagna und er gilt als einer der wichtigsten italienischen Musiktheoretiker des 17. Jahrhunderts. Er war auch ein erfolgreicher Organist und komponierte ein beträchtliches Repertoire an geistlicher, oft vielstimmiger Musik wie Messen und Psalmen, aber auch Kammermusik in ganz verschiedener Zusammensetzung. In seinen Schriften unterschied er zwischen der "musica da chiesa, da camera" und "da teatro", Kirchen-, Kammer- und Theatermusik. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehörte der 1687 in Bologna veröffentlichte Traktat "Documenti armonici", eine systematische Beschreibung von der Komposition des Kontrapunktes, die sich auch in Bachs Notennachlass befand. Doch die Werke Berardis selbst waren, auch, wenn sie sich noch an Palestrina orientierten, nicht so konservativ, wie seine Schriften vielleicht vermuten lassen würden. Denn sein Gebrauch des Continuo, die ausgefallene Chromatik, die Modulation der Tonarten weitab der Kirchenmodi, die Verwendung des 'Concertato'-Stiles, die melodischen Kunstgriffe und die genauen Spielanweisungen weisen Berardi als einfallsreichen und experimentierfreudigen Barockkomponisten aus.<br />Mauro Valli spielt die Canzonen op.7 auf einem 'Violoncello piccolo'.<br /><br />&quot;Angelo Berardi<br />aus: Canzona Seconda, 'Il Mondo va in giro'<br />7.Corrente. Allegro (1'16”)<br />8.Vivace (0'26”)<br />9. Adagio (1'40”)<br />10. Balletto.Allegro (1'38”)<br />Mauro Valli, violonello piccolo<br />Sergio Ciomei, Vanni Moretto, GiangiacomoPinardi, Margret Köll<br />CD <7-10 >&quot;<br /><br />Bei den biografischen Angaben zu Angelo Berardi, der 1636 in Sant'Agata Feltria geboren wurde, ist man größtenteils auf seine theoretischen Schriften angewiesen, auf deren Titelseiten er jeweils genaue Angaben zu Herkunft und Beschäftigung macht. Und so wurde er wohl zunächst von Giovanni Vincenzo Sarti unterrichtet, dem damaligen Kapellmeister am Dom von Forlì . Ab 1662 war Berardi nachweislich Kapellmeister in Montefiascone, noch in dieser Zeit gehörte Marco Scacchi zu seinen Lehrern, welcher ein Protégé von Giovanni Francesco Anerio war. 1668 wurde Berardi zum Kapellmeister am Dom zu Viterbo ernannt und erhielt später die Priesterweihe. Anfang der 1670er-Jahre weilte er wohl in Rom, ab 1673 war er als Kapellmeister und Organist am Dom von Tivoli verpflichtet und ab 1679 für 4 Jahre in gleicher Position in Spoleto tätig. Ab 1693 war er schließlich Kanonikus und Kapellmeister an S.Maria in Trastevere in Rom, wo er 1694 im Alter von 58 Jahren verstarb. <br />Der renommierte Cellist Mauro Valli, der wie Berardi aus Sant'Agata Feltria stammt, hatte nun, wie er es selbst beschreibt, das Glück, "der Richtige am richtigen Ort zu sein und eine Aufgabe im richtigen Moment in Angriff zu nehmen". "Da fühlt man sich berufen", so Valli, "eine Art Auftrag zu erfüllen und einem Künstler gegenüber Gerechtigkeit walten zu lassen, der seit Jahrhunderten in Vergessenheit verharrte und nur darauf wartete, endlich vom Staub der Archive befreit, endlich erwähnt, erinnert, wieder gehört und bewundert zu werden und in seiner Größe und Einzigartigkeit als Komponist und Denker Anerkennung zu finden."<br />Mauro Valli war die Ehrenbürgerschaft seines Heimatortes verliehen worden und bei der Gelegenheit hatte ihn der Bürgermeister auf die Fährte von Berardi gesetzt, um einmal ein Konzert mit dessen Musik präsentieren zu können. Und tatsächlich stieß Mauro Valli in der Bibliothek des Konservatoriums von Bologna auf eine alte Ausgabe der 6 Canzoni von Berardi, die ein musikalisches Juwel darstellen. Geschrieben wurden diese 'Sinfonie' für 'violino solo con basso continuo'. Doch da Valli nun einmal Cellist ist und kein Geiger, hat er sich diese Stücke für ein 'Violoncello piccolo' eingerichtet, ein fünfsaitiges Violoncello, das in Kniehaltung gespielt wird. So genau nahm man das damals nicht mit den Melodieinstrumenten und das Violoncello piccolo stand auch schon mal für die 'Viola pomposa'. Die einzige gesicherte Besetzungsbezeichnung für ein Violoncello piccolo als Soloinstrument in verschiedenen Mensuren ist nur ab 1724 in Abschriften von sieben Kantaten von Johann Sebastian Bach bei jeweils einer Arie der Kantate zu finden.<br /><br />Das unnachahmliche Spiel von Mauro Valli ist nicht nur seinem fantastischen Instrument geschuldet. Es zeichnet sich durch eine große Melodiösität aus, durch eine kräftige aber betörende Tongebung und eine stupende Bogentechnik. Die genaue Kenntnis der italienischen Geigentradition des 17. Jahrhunderts mit all ihren Besonderheiten zum Beispiel auch in der Ornamentierung macht diese Einspielung zu einer Referenzproduktion, die man einfach immer wieder hören muss, – eine echte Entdeckung. Und auch die Klangaufnahme aus der Chiesa di San Francesco della Rosa in Berardis und Vallis Geburtsort Sant'Agata Feltria ist beispielhaft. Das Continuo ist farbig aber nicht übertrieben besetzt und kongenial gespielt von: Sergiu Ciomei – Orgel und Cembalo, Vanni Moretto – Kontrabass in G, Giangiacomo Pinardi – Theorbe sowie Margret Köll – Doppelharfe. Die sechs virtuosen Canzonen, die in ihrer Entwicklung schon auf die spätere Sonatenform hinweisen, sind jeweils mit einem Titel überschrieben und haben vier bis acht Sätze, darunter fast immer ein 'Balletto' und wiederum eine 'Canzone'.<br />Hier zum Abschluss ein Ausschnitt aus der 'Canzone Sesta. Capriccio per camera', darunter eine französische Corrente, ein 'Tempo furio di sarabanda presto' und ein 'Cromatico'.<br /><br />&quot;Angelo Berardi<br />Aus: Canzone Sesta. Capriccio per camera<br />28. Tempo furio di sarabanda presto (0'12”)<br />29. Balletto grave (1'03”)<br />30. Cromatico (1'42”)<br />31.Tempo di gagliarda (0'52”)<br />32.Tempo ineguale – Tempo inglese (1'03”)<br />33.Allegro.Perfidia replicata – Aria todesca – Adagio (2'13”)<br />Mauro Valli, violonello piccolo<br />Ciomei, Moretto, Pinardi, Köll<br />CD <28>&quot;<br /><br /><br />&quot;Angelo Berardi da Sant'Agata Feltria<br />Sinfonie Opera Settima<br />Mauro Valli, violonello piccolo<br />Ciomei, Moretto, Pinardi, Köll<br />SONY MUSIC / deutsche harmonia mundi<br />LC-007618869793611&quot;</p>

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