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StartseiteVerbrauchertippWenn Rentner in die Steuerpflicht rutschen09.07.2019

Einkünfte im AlterWenn Rentner in die Steuerpflicht rutschen

Zum 1. Juli sind die Renten kräftig gestiegen: um über drei Prozent. Das heißt auch, dass auf einen Schlag 48.000 Rentner erstmals steuerpflichtig werden. Wichtig deshalb: Welche Ausgaben können abgesetzt werden?

Von Karin Lamsfuß

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Eine Einkommensteuererklärung und Euro-Münzen liegen auf einem Tisch (dpa/Monika Skolimowska)
Rentner sollten sich um die Steuerpflicht kümmern - sonst drohen hohe Nachzahlungen plus Strafzinsen (dpa/Monika Skolimowska)
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Edith Schmidt und ihr Mann Günther Schmidt haben schon hinter sich, was ab dem ersten Juli 48.000 Rentner erwartet: Die Überprüfung, ob sie ihre Rente nun versteuern müssen oder nicht?

Anke Pfeilsticker vom Lohnsteuerhilfeverein in der Kölner Südstadt erklärt: Das ist generell der Fall, wenn die Summe aller Einkünfte über dem Freibetrag von gut 18.000 Euro für Verheiratete und gut 9.000 Euro für Alleinstehende liegt.

"Ich würde definitiv dazu raten, das einmal prüfen zu lassen, und wenn man sieht, da kommt nichts bei raus, dann kann man auch für die Zukunft beim Finanzamt beantragen, dass man sich auf diese Abgabe eben befreien lässt – wenn die persönlichen Verhältnisse in dieser gleichbleibenden Konstellation sind."

Nicht nur die Rente ist steuerpflichtig

Zu diesen Einkünften zählen neben der gesetzlichen Rente auch Betriebsrenten, Zinsen oder Mieteinnahmen. Deshalb macht eine Erstberatung beim Profi Sinn: entweder einem Steuerberater oder beim Lohnsteuerhilfeverein.

Aber auch die die Finanzämter selbst geben Auskunft, erklärt Steuerberater Harald Patt:

"Der Sachbearbeiter im Finanzamt wird dem Rentner sagen können, ob er überhaupt steuerpflichtig ist, ob er in Zukunft Steuererklärungen zu fertigen hat oder nicht und wird einem auch weiterhelfen, wenn es darum geht, aus der Veranlagung ganz rauszukommen."

"Aus der Veranlagung rauskommen" heißt: Ein Rentner, dessen gesamte Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen, kann einen "Antrag auf Nichtveranlagung" stellen. Der ist drei Jahre gültig und muss dann erneuert werden.

Auch Rentner können vieles absetzen

Wer über dem Freibetrag liegt, muss nicht zwingend Steuern zahlen. Denn viele Kosten senken die Steuerlast: zum Beispiel Handwerkerrechnungen, Spenden oder bestimmte Versicherungen.

Bei Rentnern aber schlagen oft vor allem die Krankheitskosten zu Buche: "Das kann sein die Brille, das kann sein die Zuzahlung zum Rezept, das kann aber auch sein eine Kur, die man in Anspruch genommen hat und nur zum Teil von der Kasse finanziert wurde."

Auch der behinderten- oder altersgerechte Umbau der Wohnung wie Treppenlift oder das barrierefreie Badezimmer können steuerlich geltend gemacht werden.

"Wie war das jetzt im Detail?" "Die Brille war dabei, der graue Star wurde operiert, und all diese Kosten, die da anfielen, die wurden da mitberücksichtigt."

Keine Info vom Finanzamt

Brille, Behindertenpauschbetrag, Putzhilfe - all das mindert die Steuerlast. So dass auch bei einer vergleichsweise guten Rente am Ende oft doch keine Steuer anfällt.

Zumal nicht die komplette Rente der Steuerpflicht unterliegt, sondern aktuell nur ein Anteil von 78 Prozent der Bezüge.

Um seine Steuerpflicht muss sich jeder Rentner übrigens selbst kümmern, eine Info darüber verschickt das Finanzamt nicht. Anke Pfeilsticker rät auch dringend dazu, sich zeitnah zu informieren, sonst drohen fette Nachzahlungen plus Strafzinsen. Sie kennt Fälle, wo da schon mal einige Tausend Euro zusammenkamen.

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