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StartseiteForschung aktuellEinmal Steinzeit und zurück24.06.2008

Einmal Steinzeit und zurück

US-Physiker verficht Reisen durch die Zeit

<strong>Physik. - Unzählige Filme beschäftigen sich mit Zeitreisen und den Problemen, die sie mit sich bringen könnten. Was zunächst absurd scheint, könnte vielleicht tatsächlich möglich sein, denn die Physik hält dazu Hintertüren offen - davon ist der US-Wissenschaftler Michio Kaku überzeugt.</strong>

Von Max Rauner

Michio Kaku ist überzeugt: Zeitreisen sind nicht unmöglich. (Stock.XCHNG / Andre Veron)
Michio Kaku ist überzeugt: Zeitreisen sind nicht unmöglich. (Stock.XCHNG / Andre Veron)

Die Wegbeschreibung von Michio Kaku ist alles andere als Science Fiction. Nehmen Sie die U-Bahn zur 137. Straße, laufen Sie zur Convent Avenue und fahren Sie mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock der Physikfakultät. Man kann sich also noch nicht zu ihm ins Büro beamen lassen. Noch nicht. Kaku glaubt, dass viele Technologien, die uns heute in Science Fiction Filmen begegnen, eines Tages Wirklichkeit werden. In seinem neuen Buch "Physics of the impossible", die Physik des Unmöglichen, versucht er weit in die Zukunft zu schauen.

"Wir haben uns der "Weltformel" schon sehr weit angenähert. Wir haben Einsteins Relativitätstheorie für das ganz Große, Schwarze Löcher zum Beispiel oder expandierende Universen. Und wir haben die Quantenphysik für die ganz kleinen Dinge. Damit haben wir ein ziemlich gutes Verständnis für die Naturgesetze bis hin zum Zentrum eines Schwarzen Lochs oder sogar dem Urknall. Deshalb können wir heute tatsächlich vorhersagen, welche Dinge möglich oder unmöglich sind. Ich war schockiert herauszufinden, dass das Meiste, was wir in den Filmen sehen, tatsächlich möglich ist."

Tarnkappen zum Beispiel, die uns unsichtbar machen. Aber auch Laserschwerter und die Gedankenübertragung mit Hilfe von Gehirnchips. Solche Geräte würden wohl schon in diesem oder im nächsten Jahrhundert gebaut, behauptet Kaku. Und dann gebe es noch eine zweite Kategorie von Technologien. Solche, die physikalisch möglich seien und vielleicht in einer fernen Zukunft von fortgeschrittenen Zivilisationen beherrscht würden. Zu ihnen zählt der Physikprofessor die Zeitreisen.

"Der britische Physiker Stephan Hawking versuchte hartnäckig zu beweisen, dass Zeitreisen unmöglich sind. Er scheiterte. Heute sagt er, dass sie zwar möglich, aber nicht realistisch sind. Man müsste dafür die Energie eines Schwarzen Lochs zähmen. Ich denke, dass eine sehr weit fortgeschrittene Zivilisation durchaus dazu in der Lage sein könnte. Wenn eines Tages jemand an Ihre Haustür klopft und behauptet, Ihre Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkelin zu sein, schlagen Sie nicht die Tür zu. Vielleicht haben unsere Nachkommen eine Zeitmaschine gebaut und wollen nachsehen, was ihre Vorfahren so treiben."

Schwarze Löcher haben so viel Materie, dass sie die Raumzeit krümmen und Lichtstrahlen in eine Kurve zwingen. Wenn ein schwarzes Loch rotiert, bildet es im Zentrum einen Ring: das berühmte Wurmloch. So wie ein Wurm eine Abkürzung zwischen zwei Apfelhälften nimmt, verbindet ein kosmisches Wurmloch zwei unterschiedliche Raumzeiten. Wer durch den Ring fällt, der reist in der Vergangenheit. Allerdings gibt es da noch ein logisches Problem. Wenn man nämlich in der Vergangenheit auf seine Vorfahren trifft und einen davon umbringt, dürfte man später gar nicht zur Welt gekommen sein. Das Großvater-Paradoxon. Aber auch darauf hat Michio Kaku eine Antwort.

"Mithilfe der Quantenphysik verschwinden die Paradoxien der Zeitreisen. Demnach ähnelt die Zeit einem Fluss, der sich verzweigen kann. Jedes mal wenn er sich verzweigt, entsteht ein Paralleluniversum. Bei der Zeitreise hüpft man von einem Strom in den anderen. Wenn man also in die Vergangenheit reist und die Ermordung Abraham Lincolns verhindert, hat man nur den Abraham Lincoln eines anderen Universums gerettet, nicht den eigenen Lincoln. Die Eltern und die eigene Vergangenheit sind unveränderbar."

Als Kind war Michio Kaku selbst ein leidenschaftlicher Science Fiction-Fan. Jeden Samstag schaute er die Fernsehserie Flash Gordon.

"Irgendwann wurde mir klar, dass ich nie im Leben Flash Gordon werden würde: ich hatte keine blonden Haare, ich hatte keine Muskeln. Es gab aber in der Serie auch den Wissenschaftler Zarkow, offensichtlich nach Albert Einstein modelliert, der alles möglich machte. Ich wollte sein wie Dr. Zarkow mit all seinen Raumschiffen und fantastischen Erfindungen."

Kaku wurde Physikprofessor, und heute gibt er sein Wissen zurück. Beim Hollywood Studio Miramax sind seine Bücher Pflichtlektüre für Drehbuchautoren.

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