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StartseiteInterviewOtte (CDU) fordert mehr Geld für mehr Flugstunden25.06.2019

Einsatz von EurofighternOtte (CDU) fordert mehr Geld für mehr Flugstunden

Der Absturz zweier Bundeswehr-Kampfjets sei ein tragischer Unglücksfall, sagte CDU-Politiker Henning Otte im Dlf. Der Eurofighter sei ein herausragend gutes Flugzeug und die Bundeswehr habe herausragend gute Piloten. Generell brauche man aber mehr Geld für mehr Flugstunden und bessere Prüfintervalle.

Henning Otte im Gespräch mit Christiane Kaess

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Im Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen fliegt ein Eurofighter der Bundeswehr ein Manöver. (Alexander Koerner/Getty Images News/Getty Images)
Im Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen fliegt ein Eurofighter der Bundeswehr ein Manöver. (Alexander Koerner/Getty Images News/Getty Images)
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Christiane Kaess: Sie sind selten, schwere Unfälle bei Übungen der Bundeswehr. Aber gestern Nachmittag sind in Mecklenburg-Vorpommern zwei Eurofighter nach einem Zusammenstoß in der Luft abgestürzt. Die Piloten der Unglücksmaschinen gingen mit ihren Fallschirmen zu Boden, nachdem sie ihre Schleudersitze betätigt hatten. Dabei kam ein Pilot ums Leben; der andere konnte lebend aus einer Baumkrone geborgen werden. Die Eurofighter waren, so heißt es von der Luftwaffe, unbewaffnet. Es ist das schwerste Unglück der Bundeswehr seit Jahren.

Henning Otte ist verteidigungspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag und er ist jetzt am Telefon. Guten Morgen, Herr Otte!

Henning Otte: Guten Morgen, Frau Kaess.

Kaess: Was wissen Sie mittlerweile darüber, wie dieser Unfall passiert ist?

Otte: Ja, wie schon bei Ihnen beschrieben, sind zwei Eurofighter zusammengestoßen. Unsere Gedanken sind zuerst einmal bei den Angehörigen und den Kameraden des verstorbenen Soldaten und wir wünschen dem Überlebenden alles Gute und gute Besserung.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Henning Otte (picture alliance / Silas Stein/dpa)Der verteidigungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Henning Otte (picture alliance / Silas Stein/dpa)

Kaess: Herr Otte, jetzt ist das vielleicht für den Laien etwas schwer sich vorzustellen. Wie ist das möglich, dass zwei Eurofighter in der Luft zusammenstoßen?

Otte: Es handelt sich hierbei um ein Manöver, ein sogenanntes Air Combat Manoeuvring. Hier werden Darstellungssituationen geübt. Das ist notwendig, um fit zu sein für den Einsatz, auch, um Verteidigung glaubhaft abzubilden.

Kaess: Können Sie mittlerweile sagen oder zumindest vermuten, ob hinter diesem Unglück technisches oder menschliches Versagen steckt?

Otte: Das ist viel zu früh. Das wären Spekulationen. Wir müssen jetzt die Untersuchung des Generals für Flugsicherheit abwarten. Vor Ort sind Teams unterwegs, die Wrackteile aufnehmen, um am Ende ein Bild zu bekommen, das wir dann auch im Verteidigungsausschuss berichtet bekommen.

"Alles daransetzen, das Unglück aufzuklären"

Kaess: Was genau wird da untersucht und was kann ausgewertet werden bei so einem Unfall?

Otte: Es gilt, noch einmal die Übung abzubilden, die Situation vor Ort, wo befinden sich Wrackteile. Aber wir müssen uns jetzt erst einmal auch darauf konzentrieren, dass es den Soldaten gut geht. Wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, dass wir einen jungen Soldaten verloren haben.

Kaess: Glauben Sie, dass dieses Unglück ganz aufgeklärt werden kann? Hat man dazu die technischen Mittel?

Otte: Ich gehe davon aus, dass alles daran gesetzt wird, dieses Unglück aufzuarbeiten, um gegebenenfalls daraus Rückschlüsse zu ziehen. Am Ende des Tages muss man sagen, ein Unglück kann sich überall ereignen. Nach jetzigem Anschein ist es wirklich ein sehr tragisches Unglück.

Kaess: Wie sicher ist der Eurofighter?

Otte: Der Eurofighter ist sehr sicher. Wir haben über 120 Flugzeuge mit über 100.000 Flugstunden seit 2004 im Einsatz. Unsere Soldaten werden sehr professionell ausgebildet und wir versuchen, ihnen optimale Bedingungen zu bieten.

Kaess: Es gab allerdings auch immer wieder Probleme mit dem Flugzeug. Auch Deutschland hat mal wegen technischer Mängel kurzfristig keine weiteren Flugzeuge abgenommen. Sind technische Mängel bei dieser abgestürzten Maschine denn auszuschließen?

Otte: Das wären jetzt Spekulationen. Da müssen wir abwarten. Da will ich nicht vorgreifen.

Kaess: Hat es zuletzt noch Probleme mit dem Eurofighter gegeben?

Otte: Das ist uns nicht bekannt. Der Eurofighter ist ein herausragend gutes Flugzeug. Wir haben herausragend gute Piloten. Beides zusammen bietet optimale Bedingungen.

Kaess: Sie sagen, das ist ein herausragendes Flugzeug. Aber es ist auch bekannt, dass viel weniger Eurofighter bei der Bundeswehr einsetzbar sind, als die Bundeswehr hat, wegen andauernder Probleme. Was steckt denn da dahinter?

Otte: Wir haben sehr hohe Sicherheitsanforderungen. Wir haben sehr hohe Prüfungsintervalle. Und wir müssen auch deutlich machen, dass die Bundeswehr gefordert ist. Beispielsweise bieten wir das Air Policing über dem Baltikum. Das heißt, die Flugsicherheit wird dort durch deutsche Eurofighter auch abgebildet.

"Brauchen mehr Geld für mehr Flugstunden und bessere Prüfintervalle"

Kaess: Das ist aber jetzt noch keine Erklärung dafür, warum so viele Eurofighter bei der Bundeswehr nicht einsetzbar sind.

Otte: Die Eurofighter sind ja einsetzbar. Nochmals: Wir setzen alles daran, die Ausrüstungssituationen zu verbessern. Das haben wir im Koalitionsausschuss auch abgebildet. Am Ende des Tages brauchen wir mehr Geld für mehr Flugstunden und bessere Prüfintervalle.

Kaess: Noch mal zu der Einsetzbarkeit. Wenn ich die Zahl noch richtig im Kopf habe, hieß es gestern, dass von 140 Eurofightern, die die Bundeswehr hat, im Moment 40 einsetzbar sind. Da fragt man sich doch schon, was da die Ursache ist.

Otte: Nein! Nicht jeder Eurofighter muss zu jeder Sekunde einsatzbereit sein, denn es gibt Ausbildungssituationen am Boden, es gibt Prüfintervalle. Das ist nicht zu gewährleisten. Nur im Ernstfall wäre jeder Eurofighter sofort einsatzbereit.

Kaess: Es ist auch immer wieder kritisiert worden, dass genau deshalb, weil so viele Eurofighter nicht die ganze Zeit verfügbar sind, den Piloten wichtige Flugstunden fehlen. Kann das eine Ursache des Unglücks sein?

Otte: Auch das wäre eine Spekulation. Besser ist immer, mehr Flugstunden zu haben. Besser ist immer, mehr Ausrüstung zu haben. Nochmals: Die zwei Prozent Debatte, das ist keine theoretische Debatte. Es geht am Ende darum, den Soldatinnen und Soldaten mehr Ausrüstung zur Verfügung zu stellen, damit sie optimal den Verteidigungsauftrag auch erfüllen können.

Kaess: Mit der Zwei-Prozent-Debatte meinen Sie jetzt die Erhöhung des Wehretats?

Otte: Ganz richtig. Wir haben jetzt 43 Milliarden in 2019 und streben 45 Milliarden in 2020 an. Wir wollen die Ausschreibungsverfahren beschleunigen, die Beschaffungsorganisation anpassen. Alles in allem bilden wir ein Bild ab, dass die Soldaten gutes Material haben und gute Ausbildungsbedingungen, auch in Deutschland vor Ort.

Kaess: Aber das haben Sie gerade selber gesagt: Im Prinzip sind wir soweit noch nicht. – Neben diesen finanziellen Fragen, muss man auch die Ausbildung der Piloten eventuell kritisch hinterfragen?

Otte: Dafür gibt es keinen Anlass. Die Piloten sind optimal ausgebildet.

Kaess: Es gibt jetzt einen Unfall. Der könnte eventuell so ein Anlass sein.

Otte: Auch das ist Spekulation. Unglücksfälle gibt es leider immer wieder. Aber die Bundeswehr wird gut ausgebildet in Simulationszentren, an den Standorten vor Ort in Rostock-Laage, auch im Ausland, über Land, über See. Da sehe ich jetzt keinen Anlass.

"Nehmen die Sorgen der Bevölkerung sehr, sehr ernst"

Kaess: Herr Otte, jetzt sind diese Flugzeuge in der Nähe von Ortschaften abgestürzt. Die Bürgermeisterin eines dieser Orte hat gesagt, die Menschen dort hätten Glück im Unglück gehabt, weil niemand getroffen wurde. Wie gefährlich lebt man im Umfeld von Bundeswehrübungsgeländen?

Otte: Sind wir erst einmal froh, dass keine weiteren Personenschäden zu beklagen sind, so bedauerlich auch der Tod des jungen Soldaten ist. Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt, und deswegen nehmen wir die Sorgen der Bevölkerung sehr, sehr ernst. Ich weiß, dass die Bundeswehr alles daran setzt, die Emissionen und die Belastungen möglichst gering zu halten. Aber wenn jetzt die Linken beispielsweise gegen die eigene Truppe schießen und Ende der Ausbildung fordern, wenn sich Abgeordnete der AfD lustig machen über diesen Unfall, dann ist das nicht die richtige Antwort. Am Ende des Tages müssen wir sagen, leider haben wir einen Soldaten verloren. Wir müssen alles daran setzen, dass ein solches Unglück nicht noch mal auf uns zukommt.

Kaess: Die Linkspartei fordert tatsächlich ein Ende dieser Luftkampfübungen. Wo hat sich die AfD lustig gemacht?

Otte: In einem Tweet des Abgeordneten Hemmelgarn. Das möchte ich jetzt nicht wiederholen. Ich hoffe, dass es dazu morgen eine Entschuldigung im Verteidigungsausschuss gibt.

Kaess: Ich hatte Sie gefragt, wie gefährlich man lebt im Umfeld von Bundeswehrübungsgeländen. Es heißt, dass die Eurofighter, die gestern verunglückt sind, keine Munition geladen hatten. Gibt es Übungen mit Munition und was wäre passiert, wenn diese Eurofighter Munition geladen gehabt hätten?

Otte: Auch das ist Spekulation, was wäre passiert wenn. Natürlich gibt es auch Flüge mit Munition an Bord. Das muss ja auch geübt werden. Ich selbst, Frau Kaess, wohne direkt am NATO-Truppenübungsplatz in Bergen. Ich weiß um die Emissionen. Ich weiß auch darüber, was die Bundeswehr versucht, um die Emissionen möglichst gering zu halten, die Gefahren gering zu halten.

Ich möchte eines noch sagen: Herzlichen Dank an alle Einsatzkräfte, an die Feuerwehr, an die Polizei, an die Rettungskräfte, die unmittelbar vor Ort waren. Das sind häufig ehrenamtliche Kräfte vor Ort, die bereit sind, sofort einzugreifen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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