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StartseiteWirtschaft am MittagMassiver Stellenabbau bei der Deutschen Bank?01.07.2019

Einschnitte im InvestmentbankingMassiver Stellenabbau bei der Deutschen Bank?

"Wir sind zu harten Einschnitten bereit", hatte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, schon Ende Mai auf der Hauptversammlung angekündigt. Jetzt ist von einem Stellenabbau von bis zu 20.000 Stellen die Rede. Was ist dran an dieser Spekulation? Und ist es damit getan?

Von Mischa Ehrhardt

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Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
Konzernchef Christian Sewing hatte bereits vor einigen Wochen auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank weitere Schritte angekündigt, um die Bank wieder profitabler zu machen (picture allliance/dpa/Arne Dedert)
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Dass ein weiterer Stellenabbau bei der Deutschen Bank droht, verwundert die meisten Beobachter nicht. Denn Konzernchef Christian Sewing hatte bereits vor einigen Wochen auf der Aktionärsversammlung der Deutschen Bank weitere Schritte angekündigt, um die Bank wieder profitabler zu machen

"Wir sind zu harten Einschnitten bereit. Wir werden die Transformation beschleunigen, indem wir unsere Bank konsequent auf die profitablen und wachsenden Bereiche ausrichten, die für unsere Kunden besonders relevant sind".

Radikaler Umbau steht an

Ein harter Einschnitt wäre ein weiterer Abbau von 20.000 Stellen in der Tat – bereits im vergangenen Jahr sind bei der Deutschen Bank rund 7.000 Jobs abgebaut worden. Und Beobachter meinen, dass es damit noch nicht getan sein dürfte. Denn im Gegensatz zu vielen Konkurrenten fallen die Gewinne bei der Deutschen Bank spärlich aus. Deswegen plant das Geldinstitut einen radikalen Umbau, unter anderem im Investmentbanking wollen die Deutsch-Bänker den Rotstift ansetzen. Deswegen zeigt sich der Rechtsanwalt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wenig überrascht von der nun kursierenden Zahl:

"Nun, wenn man sich mal die Commerzbank ansieht, dann sieht man, dass dort nur fast die Hälfte der Belegschaft der Deutschen Bank tätig ist und man im Grunde genommen von den Zahlen her ähnlich liegt. Mittlerweile - und wir sehen ja, dass die Kostenquote der Bank viel zu hoch ist, das ist ja ein Dauerthema - insofern überrascht die Zahl nicht, sie ist auch im Grunde genommen immer mal wieder im Raum gestanden".

Viele Spekulationen um Arbeitsplatzabbau

Zuletzt, als die Deutsche Bank mit der Commerzbank Fusionsgespräche geführt hat, da waren manche Experten auch noch von höheren Stellenstreichungen ausgegangen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wollte sich zu den neuen Spekulationen nicht äußern. Die Deutsche Bank äußert sich ebenfalls nicht. Erst in der vergangenen Woche wurde bekannt, dass die Integration der Postbank weitere 2000 Stellen im Konzern kosten könnte. Sewing hatte angekündigt, dass er das Ziel verfolgt, bis 2022 jährliche Kosteneinsparungen von 900 Millionen Euro durch die Integration der Postbank erreichen zu wollen. Die meisten Experten rechnen jedenfalls damit, dass sich Konzernchef Christian Sewing in naher Zukunft etwas konkreter zur Strategie des Geldhauses und den Zukunftspläne der Bank äußert.

Wo aber geht die Reise hin?

"Man muss gleichzeitig auch eine überzeugende Strategie vorweisen können, wo die Bank in Zukunft ihr Geld verdienen wird. Was geschieht mit dem Investmentbanking? Was passiert mit den Privatkunden? Wie sieht es mit den Firmenkunden aus? Die erwarten ja auch einen gewissen Anteil am Investmentbanking, wenn Sie die Bank da entsprechend beauftragen. Wenn wir uns den Aktienkursverlauf ansehen, dann ist der Kapitalmarkt noch nicht so richtig überzeugt von der Strategie. Gesundschrumpfen alleine ist nicht ausreichend".

Sagt Klaus Nieding. Eckpunkte wie Kürzungen im Investmentbanking sind zwar schon bekannt geworden. So will das Institut etwa den Aktienhandel in den USA stark verkleinern, auch Zinshandelsgeschäfte außerhalb Europa sollen schrumpfen. Zudem gibt es offenbar Überlegungen, in einer Bad Bank Geschäfte auszulagern, die mit Risiken behaftet sind. Allerdings bleibt bei all diesen möglichen Korrekturmaßnahmen die Frage offen, wo die Bank in Zukunft ihr Geld verdienen und Gewinne schreiben will. Diese Frage dürfte die Mitarbeiter der Deutschen Bank ebenso interessieren wie die Frage, wo die nächsten Einschnitte erfolgen sollen.

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