Samstag, 18.08.2018
 
Seit 22:05 Uhr Atelier neuer Musik
StartseiteVerbrauchertippVeranstaltungstickets verkaufen02.08.2018

EintrittskartenVeranstaltungstickets verkaufen

Sommer, Sonne, Konzert der Lieblingsband, gute Tickets - und dann wird man krank. In so einem Fall ist es grundsätzlich möglich, Eintrittskarten an Verwandte oder Freunde weiterzugeben oder sogar weiterzuverkaufen. Allerdings sind dabei bestimmte Regelungen zu beachten.

Von Jan Rähm

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Konzertkarten des Veranstalters Eventim (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Gewinn aus dem Weiterverkauf von Konzert- und Sporttickets schlagen - da droht der Tatbestand des Wuchers (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Schwarzmarkt Das schmutzige Geschäft mit Konzertkarten

Die Festival- und Konzertsaison ist im vollem Gange. Doch was, wenn plötzlich beruflich etwas dazwischenkommt oder man krank wird? Dann kann und darf man die Eintrittskarten grundsätzlich weitergeben, erklärt Rechtsanwalt Roosbeh Karimi aus Berlin.

"Ich hab ja die Tickets gekauft und kann mit denen dann auch verfügen, so wie ich das möchte."

Wucher bei den Preisen ist strafbar

Im besten Fall gibt man die Tickets an Freunde oder Familie. Wenn die kein Interesse haben, kann man die Karten verkaufen. Rund um Veranstaltungstickets hat sich mittlerweile ein reger Zweitmarkt gebildet. Dort werden nicht nur Tickets von denen verkauft, die verhindert sind. Vielmehr hat sich ein lukrativer Markt entwickelt, auf dem Eintrittskarten zu Konzerten besonders beliebter Künstler schnell ein Vielfaches des Originalpreises kosten können.

"Auch beim Verkaufspreis bin ich natürlich erst einmal frei als Verkäufer. Es ist mein Ticket. Was man überlegen könnte, ist, ob man irgendwann in den Wucher-Tatbestand reinkommt. Der Wucher-Tatbestand ist aber relativ eng gefasst. Das heißt: Man sagt grundsätzlich, ab einem Mehrpreis von 90 bis 100 Prozent des Originalpreises könnte man den Wucher-Tatbestand reinkommen. Da kommen aber noch weitere Komponenten hinzu, wie zum Beispiel das Ausnutzen einer Unerfahrenheit des Käufers uns so weiter."

Noch privat - oder schon gewerblich?

Wucher oder nicht - das ist schwer zu beurteilen. Schließlich messen Fans einer Eintrittskarte bei gefragten Konzerten durchaus einen höheren Wert zu. Manch einer versucht, seine eigene teure Karte gar dadurch refinanzieren, dass er mehrere Karten bestellt und dann einige mit Gewinn weiterverkauft. Keine gute Idee, meint Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW.

"Grundsätzlich haben sie natürlich das Problem, wenn Sie eine Vielzahl an Tickets weiterverkaufen, dass wir irgendwann darüber reden können, verkaufen Sie überhaupt noch privat oder sind Sie jetzt schon im gewerblichen Bereich. Dann wird es ohnehin schwierig mit dem Weiterverkauf. Insofern um sich selbst einen Gefallen zu tun und da nicht einen Rechtsstreit zu provozieren, bleiben Sie am besten möglichst nahe, wenn nicht sogar genau drauf auf dem Originalpreis, den Sie selbst bezahlt haben."
 
Mittlerweile versuchen auch kommerzielle Anbieter Gewinn aus dem Weiterverkauf von Konzert-, Festival und Sporttickets zu schlagen. Als Vermittler zwischen privaten Verkäufern und Käufern versuchen einige Portale über hohe Gebühren zu verdienen. Mehr als 50 Euro pro Ticket sind nicht selten. Von anderen Anbietern heißt es, sie würde hohe Kontingente auf- und dann kurz vor der Veranstaltung teuer verkaufen. Dagegen gehen einige Veranstalter vor und personalisieren die Tickets. Dann gilt: Jede Eintrittskarte gilt für genau die Person, deren Name aufgedruckt ist.

"Da ist dann ein Abtretungsverbot vereinbart worden. Das heißt, wenn der Veranstalter da nicht tätig wird und das Ganze umschreibt, kann der Veranstalter Sie theoretisch vor dem Einlass abweisen, wenn Sie nicht die Person sind die auf dem Ticket aufgeschrieben ist."

Personalisierte Tickets umschreiben lassen

Das Gros der Veranstalter erlaubt, solche personalisierten Tickets bis kurz vor Veranstaltungsbeginn gegen eine meist kleine Gebühr umschreiben zu lassen. Rechtsanwalt Roosbeh Karimi:

"Da ist aber insbesondere der Verkäufer in der Pflicht. Das heißt, der Verkäufer muss dem Käufer mitteilen, dass es sich hier um ein personalisiertes Ticket handelt. Jetzt ist es gerade auf einigen etwas dubiosen Plattformen so der Fall, dass diese Hinweise ganz aktiv und bewusst verschwiegen werden. Das heißt, hier hätte man eventuell Schadensersatzansprüche sowohl gegen den Verkäufer wie auch gegen den Vermittler."

Erklärt der Veranstalter solche Tickets, wie jüngst geschehen, für ungültig, haben erst mal Verbraucher das Nachsehen. Sie können nur versuchen, sich das Geld vom Wiederverkäufer zurückzuholen.

"Grundsätzlich raten wir immer dazu, nicht irgendwie im Rausch, in der Hoffnung noch auf ein Konzert zu kommen, sich schnell durchklicken. Informieren Sie sich vorher."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk