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StartseiteInformationen am MorgenDemokraten wollen Mehrheit im US-Senat03.11.2020

Election DayDemokraten wollen Mehrheit im US-Senat

Wie viel kann der zukünftige US-Präsident bewegen? Das hängt auch von den Mehrheiten im Kongress ab. Eine wichtige Rolle kommt deshalb dem Senat zu: Bisher republikanisch dominiert, könnte sich das mit der Wahl ändern – vier zusätzliche demokratische Senatoren würden ausreichen.

Von Doris Simon

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Das Capitol in Washington D.C.  (dpa/Stefani Reynolds/CNP)
Am Election Day werden auch die Senatoren gewählt: jeder Bundesstaat - unabhängig von Größe und Bevölkerungszahl - stellt zwei Senatoren. (dpa/Stefani Reynolds/CNP)
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Wieviel kostet ein Scheffel Sojabohnen? In Iowa müssen Politiker das wissen, Landwirtschaft spielt hier eine große Rolle. Senatorin Joni Ernst gilt als bodenständig. Aber in der TV-Debatte mit ihrer demokratischen Herausforderin wich die Republikanerin aus bei der Sojabohnenfrage. Der Moderator hakte nach: Sie komme doch von einer Farm.

Die Antwort war falsch: Sojabohnen kosten doppelt so viel wie die Senatorin gesagt hatte. Nicht gut für Ernst, die auftritt nach dem Motto "Ich bin eine von Euch", nicht gut auch , weil zuvor Ernsts demokratische Herausforderin Theresa Greenfield den Preis für Weizen auf den Cent genau gewusst hatte.

Wahlen unter anderen Voraussetzungen

Die Umfragen geben Ernst und Greenfield jeweils eine 50 Prozent Chance auf Sieg. Dass Iowa zu den Kopf-An-Kopf-Senatsentscheidungen gehört, hätte zu Anfang des Jahres kaum jemand gedacht. 91 Prozent der Bevölkerung in dem kleinen Bundesstaat sind weiß, und nach Siegen 2014 und 2016 sah es so aus, als ob Iowa länger republikanisch bleiben würde. Aber auch in Iowa wachsen die Städte, die tendenziell eher demokratisch wählen, und die Vorstädte, wo sich die Republikaner bei dieser Wahl insbesondere bei den Frauen schwertun.

Stimmabgabe für die Präsidentschaftswahl 2020 im Brooklyn Museum in New York City (Angela Weiss / AFP) (Angela Weiss / AFP)Wie funktioniert das Wahlsystem in den USA?
Donald Trump gegen Joe Biden – für die Wählerinnen und Wähler in den USA klingt es nach einer einfachen Entscheidung. Doch der Weg ins Weiße Haus ist kompliziert, was an den Eigenheiten des Wahlsystems liegt.

Dazu kommen die besonderen Faktoren 2020: In Iowa ist es die schwere Flut, die den Blick auf den Klimawandel verändert, im ganzen Land die Corona-Pandemie und die Müdigkeit vieler Wähler aus der Mitte mit Präsident Trump: Deshalb ist der Ausgang von mehr als einem Drittel der 35 zu besetzenden Senatsrennen offen. Das führt auch dazu, dass scheinbar fest im Sattel sitzende langgediente Senatoren wie Lindsey Graham um Stimmen und Geld kämpfen müssen wie Newcomer.

"Die bringen mich finanziell um. Die geben all das Geld, weil sie mich zutiefst hassen. Alle Liberalen wollen, dass ich aus dem Senat fliege. Spenden Sie über meine Webseite, 5 oder 10 Dollar helfen schon."

Sicher geglaubte Hochburgen der Republikaner in Gefahr

South Carolina hat die letzten Jahrzehnte immer konservativ gewählt und konservative Senatoren nach Washington geschickt: Seit 17 Jahren Lindsey Graham. Dass er mehrfach bei Interviews ungeniert um Wahlspenden betteln würde, hätte sich Graham wohl auch nie gedacht. Früher ein klassisch konservativer Außen- und Verteidigungspolitiker und heftiger Trump-Kritiker, hat der Senator in den letzten Jahren eng zu Präsident Trump aufgeschlossen. Aber ihm fehlte lange das Geld im Wahlkampf.

Das hatte sein demokratischer Herausforderer Jaime Harrison: Bis Oktober sammelte er 100 Millionen Dollar ein - unfassbar viel Geld für ein Senatsrennen in South Carolina. Harrison kommt aus einfachen Verhältnissen und hat einen Abschluss der Eliteuni Yale. Die große Unterstützung erklärt er mit dem Wunsch vieler Carolineans nach Veränderung. Ihm gehe es darum, das Buch über die alten Südstaaten zu schließen und ein ganz neues zu schreiben über die neuen Südstaaten. Die seien stark und würden Menschen unterschiedlicher Art und Herkunft einschließen

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020  (picture alliance / Wolfram Steinberg) (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung in South Carolina ist schwarz, die Demokraten haben alles darangesetzt, diese Gruppe, die nicht verlässlich wählen geht, in diesem Jahr zur Stimmabgabe zu bewegen, ebenso Neu- und Erstwähler. Mitentscheidend für das enge Rennen ist auch hier der demografische Wandel: Wie anderswo im Süden der USA ziehen Menschen aus dem Norden in den preiswerteren Süden, die Studentenzahlen in den Universitätsstädten steigen. In South Carolina sieht es aktuell nach einem knappen Sieg für Republikaner Graham aus, in North Carolina dagegen könnte der republikanische Senator Thom Tillis verlieren, im erzkonservativen Alabama wird der demokratische Senator Doug Jones keine weitere Amtszeit bekommen.

Senatoren leiden unter polarisiertem Klima

In Georgia dagegen haben die demokratischen Herausforderer der beiden republikanischen Senatoren gute Chancen, sich durchzusetzen. So wie auch Mark Kelly, der in Arizona vor der republikanischen Senatorin Martha McSally liegt. Die wurde zuletzt vom Präsidenten selber öffentlich niedergemacht:

"Komm Martha, beeil Dich, Du hast nur eine Minute, sagte Trump bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt letzte Woche, die Leute wollen Dich nicht hören."

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Trump war sauer, weil McSally zuletzt ein klares Bekenntnis zum unbeliebten Trump vermieden hatte. Das entgegengesetzte Problem hat ihre republikanische Parteifreundin Susan Collins aus Maine: Die 67-Jährige ist bekannt als unabhängig, hat immer wieder mit den Demokraten abgestimmt – aber vor allem Frauen und Jüngere nehmen ihr übel, dass sie in wichtigen Entscheidungen am Ende doch Präsident Trump unterstützt hat. Für Collins könnte nun nach 23 Jahren im Senat Schluss sein, und trotz energischem Wahlkampfs klingt sie etwas resigniert: Wenn man gemeinsame Lösungen suche, und politisch so in der Mitte stehe wie sie, dann sei es schwierig in diesem extrem polarisierten Klima.

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