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StartseiteWirtschaftsgesprächTeslas riskantes Spiel08.08.2018

ElektroautokonzernTeslas riskantes Spiel

Tesla-Chef Elon Musk erwägt, das Unternehmen von der Börse zu nehmen - die Ankündigung sorgte für Chaos am Aktienmarkt. Offenbar will sich Musk vom Druck befreien, Quartalszahlen zu veröffentlichen und ohne Einfluss durch Finanzspekulationen wirtschaften. Doch das ist mit Risiken verbunden.

Günter Hetzke im Kollegengespräch mit Tobias Armbrüster

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Elon Musk auf einer Tesla-Produktion (dpa | Tesla Motors)
Musk habe "schlicht keinen Bock" auf Einfluss der Großaktionäre, meint Dlf-Wirtschaftsredakteur Günter Hetzke. (dpa | Tesla Motors)
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Tobias Armbrüster: Der Chef des US-Elektro-Autobauers Tesla, Elon Musk, hat in der vergangenen Nacht angekündigt, dass er sein Unternehmen von der Börse nehmen will, zumindest dass er diesen Schritt erwägt. Und das hat helle Aufregung an der Wall Street ausgelöst. Günter Hetzke aus unserer Wirtschaftsredaktion, warum?

Günter Hetzke: Im Vordergrund stand die Art und Weise dieser Ankündigung, die arg bizarr war und möglicherweise auch noch rechtliche Folgen haben könnte für den Tesla-Chef. Denn klar, wichtige Nachrichten - wie deutliche Abweichungen bei Gewinn oder Umsatz - müssen umgehend offiziell verkündet werden, damit die Anleger reagieren können. Aber Elon Musk hat erst einmal Kurzmitteilungen über seine Gedankenspiele, und mehr ist das ja nicht, abgesetzt und später dann erst dazu eine offizielle Firmenmitteilung veröffentlicht. Und das Ganze hat er auch noch während der Handelszeiten getan. Es gibt ja wenige Regeln beim Börsenhandel. Aber eine - wenn auch ungeschriebene - ist, dass man Überlegungen oder vage Planspiele vor oder nach Börsenschluss äußert - und nicht mittendrin. Entsprechend groß war das Chaos, keiner wusste, was sollte das und was sollten die mitgelieferten Zahlenspiele, sodass der Handel mit Tesla-Aktien zeitweise sogar ausgesetzt werden musste.

Musk hat "schlicht keinen Bock" auf Einfluss der Großaktionäre

Armbrüster: Warum überlegt Musk Tesla von der Börse zu nehmen? Was ist der Grund?

Hetzke: Nun, Elon Musk sieht sich ja als Visionär, verkauft sich so und benimmt sich auch so. Und ein Unternehmen, das an der Börse gehandelt wird, muss regelmäßig Rechenschaft ablegen, wie beispielsweise Quartalsberichte vorlegen. Dann reden einem oft Großaktionäre rein, was zu tun ist, wie man am besten wirtschaftet und darauf, das wissen wir, hat Musk, um es mal salopp zu formulieren, schlicht keinen Bock.

Armbrüster: Woher wissen wir das?

Hetzke: Naja, wenn wir uns erinnern an die letzte Konferenz mit Analysten, in der er denen den neuen Quartalsbericht erläuterte und die weiteren Ziele, da hat er ja höchst unwirsch reagiert, hat die Fragen der Geldgeber als langweilig bezeichnet oder hat sie gar nicht beantwortet mit dem Hinweis, die Frage sei nicht cool. Er will sich nicht ständig gegenüber Aktionären rechtfertigen, obwohl er sehr wohl deren Geld will. Er will, wie er selbst schreibt, frei von Ablenkung und kurzfristiger Denke wirtschaften.

Ein höchst umstrittenes Unternehmen

Armbrüster: Wie oft passiert das eigentlich, das Unternehmen von der Börse genommen werden?

Hetzke: Das ist jetzt gar nicht so selten. Das erleben wir immer wieder mal, vor allem wenn börsennotierte Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Jüngster Fall, der mir hier in Deutschland einfällt, ist die Beate Uhse-Gruppe, die saniert werden soll und deshalb von der Börse genommen wurde. Es gibt Fälle, nehmen wir den PC-Hersteller Dell, der von der Börse genommen, neu strukturiert wurde und nun - saniert - wieder zurück an die Börse soll. Was aber eher selten ist, ist das ein so hochbewertetes Unternehmen, also mit so hohem Börsenwert, von der Börse genommen wird oder werden soll. Den bisherigen Rekord an der Wall Street hält hier meines Wissens ein Energieversorger aus Texas mit einem Börsenwert von damals immerhin 45 Milliarden US-Dollar - der übrigens danach Pleite ging.

Armbrüster: Steckt Tesla demnach in wirtschaftlichen Schwierigkeiten?

Hetzke: Tesla ist 2010 an die Börse gegangen und hat seitdem noch nie einen Jahresgewinn erzielt. Auch der letzte Quartalsbericht war tiefrot. Trotzdem ist die Aktie gefragt. Tesla ist ja seit eh und je ein höchst umstrittenes Unternehmen. Seine Anhänger feiern den Firmenchef und seine Visionen - die anderen, na ja, eben nicht. Man muss an ihn glauben. Ob die Geldgeber aber auch noch an ihn glauben, wenn das Unternehmen nicht mehr an der Börse ist, nicht mehr im öffentlichen Blickfeld steht - das ist zumindest ein sehr riskantes Spiel.

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