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StartseiteUmwelt und VerbraucherLastenrad statt Lieferwagen29.07.2019

ElektromobilitätLastenrad statt Lieferwagen

Ob Paketdienste oder Handwerker: In vielen Innenstädten haben sie es schwer, finden keinen Parkplatz. Entlastung könnten E-Lastenräder bringen - Zweiräder mit Elektromotor, großen Gepäckträgern und Gepäckboxen, die zunehmend die Klein-Lkw und Lieferwagen ersetzen sollen.

Von Thomas Wagner

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Ein Fahrradkurier fährt auf dem Gelände des EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg mit einem Elektrofahrrad namens Lasten-E-Bike iBullitt (picture alliance/dpa/Robert Schlesinger)
Lastenfahrräder als Transportalternative für die Stadt (picture alliance/dpa/Robert Schlesinger)
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Auf dem Stuttgarter Karlsplatz fahren sie auf einem abgesteckten Parcours um die Wette: Mütter und Väter auf Fahrrädern, die keine normalen Fahrräder sind. "Das sind E-Bikes, aber Lasten-E-Bikes: Kinder, Bierkisten, Saftkisten - alles, was man transportieren kann."

Rino Bogatzki ist Zuschauerin beim ersten baden-württembergischen "Cargo Bike Day". Arndt Hüttelmeyer aus Neckarsulm dagegen macht dort aktiv mit - mit seinem Firmen-Lastenrad: "Ich bin Schreiner, gelernter Schreiner. Und wir benützen das Fahrrad für Kleinaufträge und Kurzstrecken."

Einfach am Stau vorbeiradeln

Vorne, auf dem Vorderrad und vor der Lenkstange, befindet sich ein großer Behälter fürs Material und fürs Werkzeug, hinten, anstelle des klassischen Gepäckträger, nochmals ein kleiner Behälter: "Das ist unsere Servicekiste, da ist Werkzeug und Regenkombi drin."

Arndt Hüttelmeyers Grund, ein Lastenrad oder Cargo-Bike zu kaufen: Die ständigen Staus in der Innenstadt, an denen sich mit so einem Fahrrad mit Containern dran spielend vorbeiradeln lässt. "Wir sind viel flexibler und schneller unterwegs. Und: Ein Fahrzeug weniger auf Deutschland straßen!"

Will heißen: Wenn ein Lieferwagen oder ein Montageauto durch ein Lastenrad ersetzt wird, bedeutet das ein kleines Stück Verkehrsentlastung in der Innenstadt. Das sieht auch Elektriker Peter Schwan aus Schorndorf so, der mit Kabeln und Werkzeug ebenso zu seinen Kunden radelt statt mit dem Auto zu fahren:

"Der Vorteil ist halt, wenn man direkt in der Innenstadt ist. Man kann mitten auf den Marktplatz radeln und kriegt keinen Strafzettel.Und man kann bis auf die Baustelle radeln oder teilweise bis in die Baustelle hinein mit dem Material drin."

Bei schweren Produkten hört der Spaß auf

Allerdings stoßen Lastenräder im Handwerker-Alltag auch schnell an ihre Grenzen: Waschmaschinen und Wandschränke lassen sich damit eher nicht zum Kunden transportieren - ganz abgesehen davon, dass der Kauf eines Lastenrades für die Erfordernisse eines Handwerkers nicht so ganz billig ist:

"Das kostet jetzt so 6.300 Euro. Ein Schnäppchen ist es nicht. Aber wenn man sich an so etwas gewöhnt hat, dann will man es halt nicht mehr hergeben."

Und auch der jährliche Unterhalt eines Lastenrades schlägt sich in der Kasse eines Handwerkers wie Arndt Hüttelmeyer nieder:

"Die Unterhaltskosten sind im Jahr auch fast 1.000 Euro an Verschleiß und Material. Wir müssen halt Reifen, Ketten, den Service machen. Wir müssen eine Haftpflichtversicherung abschließen, falls ein Unfall passiert. Und wir haben den Akku mit eingerechnet. Den muss man alle drei Jahre tauschen. Und so ein Akku kostet 1.000 Euro."

Finanzielle Förderung findet starkes Interesse

In Baden-Württemberg klingelt bei Mittelständlern aber erst mal die Kasse, wenn sie sich für den Kauf eines Lastenfahrrades entscheiden: "Wir fördern 30 Prozent oder 3.000 Euro", so Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann. Gerade von Kleinbetrieben bekam sein Ministerium Anträge auf Förderung eines Lastenfahrrad-Kaufs stapelweise ins Haus.

"Insgesamt haben wir um die zweieinhalb Millionen Euro Fördersumme verteilt. Daraus sind um die 1.500 Cargo-Bikes gefördert worden."

Das Ziel: Je mehr Lastenräder in den Innenstädten, desto weniger Autoverkehr dort.

"Cargo-Bikes können in der Innenstadt kleinere Transporte besser befördern, als wenn da kleinere und größere LKW rumstehen."

Und letztlich sei auch eine Kombination aus Lieferwagen und Lastenrad denkbar:

"Die Vorstellung ist zum Beispiel, dass LKW die Pakete an einer bestimmten Stelle, einem so genannten Hub, abliefern. Und dann werden die umsortiert und mit einem Cargo-Bike in die Innenstadt reingefahren. Da fahren nicht fünf LKW, sondern ein Cargo-Bike. Und das liefert dann direkt an!"

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