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StartseiteVerbrauchertippLeises Summen statt lautes Knattern06.07.2018

Elektroroller im TrendLeises Summen statt lautes Knattern

Der Motorroller der Zukunft knattert nicht mehr, sondern summt leise vor sich hin. Zudem ist er aus Verbrauchersicht überaus sparsam und umweltfreundlich. Sogenannte E-Roller, also elektrobetriebene Motorroller, haben hierzulande zwar noch Seltenheitswert, aber die Verkaufszahlen steigen.

Von Thomas Wagner

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Ein junger Mann fährt auf einem unu Elektroroller vom Mobilitäts-Start-up Unu auf einer Straße in Berlin.  (picture alliance/Jens Kalaene)
Der E-Roller hat derzeit eine Reichweite von etwa 50 Kilometern (picture alliance/Jens Kalaene)
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Er fährt einen ganz Kleinen: Reinhold Hepperle, e-Roller-Händler aus dem oberschwäbischen Baienfurt: "Das war ein 800 Watt-Modell mit Sitz, Straßenzulassung und Nabenmotor. Der ist abgeriegelt auf 35 Stundenkilometer."

Er fährt einen ganz Großen: Maik Schwarz, Redakteur des Motorradmagazins "mo" in Ostfildern: "Das ist ein Elektroroller vom BMW, C-Evolution. Und was wir da hören, ist ein Ventialtor, der beim Ladevorgang den Akku kühlt. Er läuft cirka 130 Stundenkilometer Spitze."

Ob klein oder groß: Elektroroller sind im Kommen. Allerdings: Wer ein Sportgerät mit elektrischer Unterstützung sucht, ist beim e-Bike, also dem Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor, besser aufgehoben. E-Roller gelten eher als elektrogetriebene "Nutzfahrzeuge" mit zwei Rädern, so Händler Reinhold Hepperle:

"Bei mir kommen viele Kunden, die mit der Rotationsbewegung Schwierigkeiten haben. Wenn man nicht radeln kann, dann ist das ein großer Unterschied, dass man da schon mal nichts selber beisteuern muss. Dann sind die Fahrzeuge geschützter wie ein Fahrrad, also wettertauglicher und sind insgesamt massiver gebaut als ein Fahrrad."

Reichweite ist noch überschaubar

Im Vergleich zu benzingetriebenen Zweirädern sind e-Roller allerdings wesentlich sparsamer – und lassen sich an jeder x-beliebigen Steckdose aufladen. Maik Schwarz hat das mal für seinen leistungsstarken e-Roller ausgerechnet:

"Also auf 100 Kilometer hat man zirka drei Euro Stromkosten. Mit einem vergleichbaren Verbrenner hat man das Doppelte bis Dreifache an Benzinkosten."

Allerdings sollte man vor dem e-Roller-Kauf klarmachen, welche Strecken man damit zurücklegen will: Für längere Touren sind die meisten Fahrzeuge nicht geeignet, sehr wohl dagegen für den Weg zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen, so Händler Reinhold Hepperle:

"Die normale Pendelreichweite ist mit 50 bis 80 Kilometern eigentlich abgedeckt. Ladezeit bewegt sich je nach Ladegerät zwischen fünf und acht Stunden."

Bei den meisten Fahrzeugen ist die Reichweite also noch durchaus überschaubar. Dafür haben sie im Vergleich zu Benzinfahrzeugen allerdings einen deutlich niedrigeren Wartungsaufwand, betont Fachjournalist Maik Schwarz:

"Die Kundendienste in der Werkstatt sind viel günstiger. Weil: Es gibt keinen Ölwechsel, keine Probleme mit den Zündkerzen, nix. Und man zahlt keine KFZ-Steuer."

Eine Prüfbescheinigung wie für's Mofa reicht

Allerdings sind e-Roller in der Anschaffung erstmal etwa ein Drittel teurer als vergleichbar starke Benzinroller. Sie rechnen sich daher nur bei regelmäßiger Nutzung, eher weniger bei gelegentlichen Ausfahrten. Hinzu kommt: e-Roller werden in unterschiedlichen Größen und Leistungsstärken angeboten. Einige besonders kleine Modelle verfügen nicht einmal über einen Sitz, werden stehend gefahren und lassen sich beispielsweise im Zug mitnehmen. Je nach Höchstgeschwindigkeit ist nicht einmal ein Helm vorgeschrieben, betont Reinhold Hepperle:

"Bis 20 Stundenkilometer schreibt der Gesetzgeber keine Helmpflicht vor. Über 20 Stundenkilometer besteht dann Helmpflicht."

Als Fahrerlaubnis reicht bei diesen Rollern eine simple Prüfbescheinigung wie für’s Mofa oder der reguläre Autoführerschein. Sind die e-Roller schneller unterwegs, benötigen Fahrerinnen und Fahrer die gleichen Führerscheine wie für die vergleichbar schnellen Benzinroller und –Motorräder. Und manche e-Roller bringen ordentlich Leistung auf die Straße. Maik Schwarz schildert das Beispiel seines Testfahrzeugs:

"Wenn die Ampel dann grün wird, beschleunigt er wie so ein Porsche 911, aber fast geräuschlos."

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