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StartseiteUmwelt und VerbraucherIst 5G gefährlich?18.03.2019

ElektrosmogIst 5G gefährlich?

Morgen startet die Versteigerung von Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Umweltschützer wollen den Ausbau stoppen, bis endgültig geklärt ist, ob Mobilfunkstrahlung die Gesundheit gefährdet. Beim Bundesamt für Strahlenschutz kann man die Aufregung nicht nachvollziehen.

Von Stefan Römermann

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Der neue 5G-Standard in einer Illustration (imago)
Im Netz kursieren viele Warnungen vor den Risiken von 5G - beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) kann man die Aufregung um die neue Technik nicht nachvollziehen (imago)
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Glaubt man den Werbevideos der großen Mobilfunkanbieter, dann ist die kommende fünfte Generation der Mobilfunk-Technik - kurz 5G - ein gewaltiger Schritt in die Zukunft:

"Die Mobilfunktechnik von morgen: 5G" - "5G ist unser neuer Kommunikationsstandard. Ich kann ganz schnell Daten herunterladen. Ich kann schnell Daten hochladen ins Internet. Aber ich kann auch in Echtzeit kommunizieren. Brillen werden vernetzt sein, Autos." - "Dann lassen sich Operationen in Echtzeit aus der Ferne durchführen!" - "… und dafür ist 5G der richtige Standard!"

Schreckensszenarien aus dem Netz

Die neue Mobilfunktechnik macht aber offenbar vielen Menschen Angst. Bei YouTube warnen beispielsweise massenhaft Videos vor angeblichen Risiken:

"5G ist Gefahr für Leib und Leben!" - "Diese neue Technologie hat eine gefährliche Schattenseite, über die weder Mobilfunkbetreiber noch deren Anwender gerne nachdenken!" - "… und das bedeutet natürlich ein höheres Krebsrisiko und eine größere Belastung für Elektrosensible Menschen!" - "5G: Gefahr für unsere körperliche Unversehrtheit!"

Bundesamt: Erst bei einer hohen Strahlendosis wird es gefährlich 

Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) kann man die Aufregung um die neue Technik nicht nachvollziehen. Zwar könnten Mobilfunkstrahlen grundsätzlich schon bestimmte Effekte im Körper auslösen, beispielsweise Gewebe erwärmen. Aber damit das gefährlich wird muss die Strahlendosis vergleichsweise hoch sein - und zwar höher als bisher erlaubt. Tatsächlich gebe es trotz vieler Studien keinen Beleg für gesundheitliche Gefahren durch Mobilfunknetze und die damit verbundenen elektromagnetischen Felder, sagt BfS-Sprecherin Nicole Meßmer.

"Nach aktuellem Kenntnisstand gehen wir im Bundesamt für Strahlenschutz davon aus, dass von elektromagnetischen Feldern insgesamt - auch unabhängig von der genutzten Technologie - bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte keine gesundheitlichen Risiken ausgehen."

Kaum Unterschiede zu bestehenden Netzen

Außerdem werden beim Ausbau der 5G-Netze zumindest in den nächsten Jahren ganz ähnliche Frequenzbereiche benutzt, wie schon bei den bisherigen Mobilfunknetzen.

"Grundsätzlich gibt es keinen Unterschied zwischen den elektromagnetischen Feldern der bisherigen Mobilfunknetze und denjenigen der 5G-Netze. Das heißt: Erkenntnisse, die man gewonnen hat, kann man tatsächlich auch weitgehend auf 5G übertragen."

BUND: Studien geben hinweise auf Gefahren

Wilfried Kühling, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, überzeugt das nicht. Schließlich hätten eben doch eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Studien Hinweise für negative Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung gegeben. Nur lasse sich eben ein direkter Kausalzusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bisher bei der Mobilfunk-Strahlung nicht genau belegen. Das gehe aber bei Erkrankungen wie Krebs auch gar nicht, sagt Kühling. Schließlich spielten hier oft mehrere Faktoren zusammen.

"Von beruflichem Stress, Nahrungsqualität und anderen Dingen. Das ist eine Mehrfachbelastung. Und insofern ist dieser Begründungsansatz eigentlich falsch, es gäbe keine Nachweise. Es ist eine Schutzbehauptung."

Internet der Dinge - gehen ruhige Orte verloren?

Und durch den Ausbau der 5G-Netze werde die Strahlenbelastung noch deutlich schlimmer, glaubt Kühling. Schließlich sollen in Zukunft immer mehr Geräte direkt über das Mobilfunknetz mit dem Internet verbunden werden. Dann werden Millionen Haushaltsgeräte zu kleinen Mobilfunksendern.

"Es gibt keine Rückzugsgebiete mehr. Und das ist das Problem. Wir können heute nicht mehr sagen: Es gibt ruhige Bereiche. Es wird überall im Grunde aufgrund dieser steigenden Aktivitäten eine so genannte Befeldung, das heißt: eine Bestrahlung sein."

Regierung soll Versteigerung stoppen

Die Versteigerung der neuen 5G-Mobilfunk-Frequenzen sollte die Bundesregierung deshalb am besten stoppen. Denn seien die Frequenzen erst verkauft könne man den Ausbau kaum noch stoppen, glaubt Kühling.

"Und diese Entwicklung, die sollte man tunlichst unterbinden. Dass man erstmal Informationen und Kenntnis hat, bevor man solche Entwicklungen zulässt. Es laufen ja Untersuchungen. Das wartet man aber alles gar nicht ab, sondern powert das durch. Das ist unverantwortlich."

Es wird weiter geforscht

Beim Bundesamt für Strahlenschutz hält man das für überflüssig, denn anders als es viele Kritiker behaupten gebe es eben keine Beweise für Gesundheitsgefahren, zumindest so lange die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Geforscht werde aber trotzdem weiter. Schließlich sollen in ein paar Jahren, beim nächsten Schritt des 5G-Ausbaus, auch deutlich höhere Frequenzen genutzt werden als bisher, sagt Sprecherin Nicole Meßmer:

"Wir sprechen vom Millimeterwellen-Bereich. Zu diesem Bereich gibt es noch nicht so viel Forschung. Wir gehen davon aus, dass auch hier keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind. Aber das wird auch tatsächlich Gegenstand der künftigen Forschung sein. Ansonsten gibt es jetzt keinen Grund speziell bei der Technologie von 5G die Alarmglocken schrillen zu lassen."

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