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StartseiteVerbrauchertippGegen alle Naturgefahren versichert02.07.2019

Elementarschadenversicherung Gegen alle Naturgefahren versichert

Viele Immobilienbesitzer sind gegen Schäden durch Sturm und Hagel versichert. Doch nicht alle Versicherungen decken auch die Naturgefahren Starkreden oder Hochwasser ab, obwohl beides zugenommen hat. Eigentümer und besonders Gewerbetreibende sollten ihre Verträge dahingehend prüfen.

Von Susanne Lettenbauer

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Bielefeld: Wasser steht nach starken Regenfällen auf einer gesperrten Straße.  (dpa/Christian Mathiesen)
Gebäudeversicherungen und Hausratsversicherungen decken in den allermeisten Fällen die Hochwasserschäden nicht ab. (dpa/Christian Mathiesen)
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Wenn das Wasser kommt, ist es zu spät. Der Keller geflutet, Möbel im Erdgeschoss rettungslos beschädigt. Um ein Gebäude wieder zu trocknen, müssen teure Entfeuchter eingesetzt werden - hohe Stromrechnungen drohen. Gebäudeversicherungen und Hausratsversicherungen decken in den allermeisten Fällen die Hochwasserschäden, sogenannte Elementarschäden, nicht ab. Dazu muss die Vertragsergänzung, der sogenannte "Erweiterte Naturgefahrenversicherungsschutz" extra gebucht werden.

"Es gibt ganz unterschiedliche Produkte auf dem Markt. Es gibt Komplettpakete, da haben Sie quasi alle Gefahren drin von Feuer bis zu Überschwemmung. Aber gerade in älteren Verträgen sind diese erweiterten Naturgefahren nicht enthalten. Die kann ich dann aber beim Versicherer zu dem bestehenden Vertrag hinzunehmen", erklärt Oliver Hauner, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Die Klausel der Zumutbarkeit

Die Kosten für den ergänzenden Elementarschadenschutz belaufen sich je nach Gebäudetyp im Schnitt auf 100 bis 400 Euro im Jahr. Grundsätzlich sei jedes Haus versicherbar, beteuern der Gesamtverband. De facto gilt jedoch: Versichert werden nur die Hausbesitzer, die laut Wasserhaushaltsgesetz WHG die verpflichtenden Präventionsmaßnahmen gegen Hochwasserschäden getroffen haben:

"Da gibt es technische Einrichtungen, mit denen ich mein Überschwemmungsrisiko signifikant senken kann. Beispiele: Druckdichte Fenster oder Dammbalkensysteme an den Türen. Also da sollte jeder mal einen kritischen Blick um sein Haus werfen und überlegen, was er selbst zur Senkung des Risikos tun kann."

In einigen Bundesländern gilt bei Hochwasserschutzmaßnahmen oder dem Abschluss einer Elementarschadenversicherung noch die Klausel der Zumutbarkeit. Das heißt, welche Kosten sind dem Immobilienbesitzer zumutbar, um im Schadensfall versichert zu sein und welche nicht. Darüber hinaus greifen weiterhin die Soforthilfen. Aber längst nicht überall. In Bayern seit dem 1. Juli nicht mehr, darauf weist Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern hin und empfiehlt:

"Wenn es technische Möglichkeiten gibt, diese Schäden einzudämmen, dann sollten Hauseigentümer diese auch nutzen. Die Frage ist aber die nach der Verhältnismäßigkeit."

Betriebsunterbrechungsversicherung bedenken

Die Versicherer zögen teilweise die Daumenschrauben stark an, verlangten hohe Beiträge und Präventionsmaßnahmen, bevor sie gefährdete Gebäude überhaupt versicherten, so Straub.

Oft könne die Versicherungspolice mit einem höheren Selbstbehalt gesenkt werden. Oder man schließt das Erdgeschoss oder den Keller vom Versicherungsschutz aus und stellt sich mit eigenen Präventionsmaßnahmen bei Hochwasser auf Überschwemmung ein.

"Wir raten den Verbrauchern, sich mit ihrer Wohngebäudeversicherung auseinanderzusetzen und dort erst einmal zu prüfen: Habe ich eine Elementarschadenversicherung? Weil wir das einem jeden Hauseigentümer empfehlen, eine solche Versicherung zu haben. Wenn das nicht der Fall ist: Den eigenen Versicherer kontaktieren und fragen, wie und zu welchen Konditionen man die Versicherung zusätzlich bekommen könnte. Und wenn das nicht möglich ist: Auch bei anderen Anbietern Angebote einholen, möglicherweise einen Versicherungswechsel vornehmen."

Firmen und Gewerbetreibende sollten zusätzlich zur Elementarschadenversicherung einen weiteren Schutz ins Auge fassen: Die Betriebsunterbrechungsversicherung ersetzt den finanziellen Verlust eines Unterbrechungsschadens, wenn Maschinen oder maschinelle Anlagen ausfallen.

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