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StartseiteVerbrauchertippGemeinsam neue Kraft tanken09.12.2019

Eltern-Kind-KurenGemeinsam neue Kraft tanken

Die Doppelbelastung durch Familie und Beruf kann bis zur völligen seelischen und körperlichen Erschöpfung führen. Für gesetzlich versicherte Mütter und Väter gibt es jedoch Unterstützung: zum Beispiel in Form einer Eltern-Kind-Kur. Die bietet oft mehr als nur eine Auszeit vom Alltag.

Von Klaus Deuse

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Kinder spielen am Strand im Sonnenuntergang mit einem Ball. (imago/stock&people/Westend61)
Ob an der See, in den Bergen oder an der Mosel: Eine Kur kann helfen, gestresste Familien wieder ins Gleichgewicht zu bringen. (imago/stock&people/Westend61)
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Dass sich viele Mütter und Väter der Doppelbelastung von Beruf und Familie nicht mehr gewachsen fühlen, das belegen nach Erhebungen des Müttergenesungswerkes rund 130.000 Beratungsgespräche sowie über 60.000 Anträge auf eine Mutter-, bzw. Vater-Kind-Kur im vergangenen Jahr. 

"Anspruchsberechtigt ist eine Mutter oder ein Vater, die gesetzlich versichert sind und die ein Kind im Haushalt leben haben, was das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat."

Erläutert Silke Bahl von der Krankenversicherung Knappschaft/Bahn/See. Mit in die Kur fahren können Kinder bis zum zwölften oder, wenn sie behandlungsbedürftig sind, bis zum 14. Lebensjahr. Für Kinder mit Behinderungen gibt es keine Altersbegrenzung.

Auch Großeltern können eine Kur beantragen

Dass weiterhin vor allem Mütter eine solche Kur beantragen, resultiert für Silke Bahl aus der Verteilung der familiären Aufgaben.

"Weil in den meisten Familien natürlich die Doppelbelastung Haushalt, Beruf, Familie doch bei der Mutter liegt. Weil die Mutter in der Regel nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht und im Anschluss daran natürlich die Betreuung und den Haushalt weiter macht."

Unter bestimmten Voraussetzungen haben übrigens auch Großeltern Anspruch auf eine Auszeit. Und zwar:

"Wenn die also nachweisen können, dass die Enkelkinder bei ihnen leben, dann können die auch eine Großmutter-Kind-Kur machen. Das geht also auch."

Mehrfachbelastungen, Erschöpfung, Schlafprobleme

Gesundheitsprobleme von Eltern hängen oft mit der hohen Mehrfachbelastung zusammen. Silke Bahl nennt häufige Diagnosen:

"In der Regel ist es das Erschöpfungssyndrom. Oder Schlafprobleme. Die Antragsformulare hat der Arzt vorliegen. Und nur noch der Arzt. Das ist also ganz neu seit 2018."

Das Attest des Arztes reichen Mütter und Väter dann bei ihrer Krankenkasse ein. Abgelehnt werden im Durchschnitt lediglich etwa elf Prozent der Anträge. Davon werden in Widerspruchsverfahren doch noch zwei Drittel bewilligt.

Neben der Erholung liegt während der dreiwöchigen Kur ein Schwerpunkt auf psychosozialen Therapien, damit Mütter und Väter danach ihren Alltag besser strukturieren können. Dazu gehören unter anderem auch Ernährungsberatung oder Kurse zu Erziehungsfragen.

Viele Arbeitnehmende wissen nicht, dass es Eltern-Kind-Kuren gibt

Allerdings, so das Müttergenesungswerk, wissen viele betroffene Eltern nichts von ihrem rechtlichen Anspruch auf diese Kur, die Mütter oder Väter übrigens alle vier Jahre beantragen können. Der Eigenanteil beträgt zehn Euro pro Tag. Mütter und Väter, die unsicher sind, ob ihnen eine solche Kur zusteht und ob sie diese gemeinsam mit ihrem Kind antreten können, können sich Rat holen. Übrigens kostenlos.

"Es gibt als Caritas-Vermittlungsstellen oder Diakonie-Vermittlungsstellen, vom Roten Kreuz. Die helfen einem dann bei einer Beantragung von so einer Maßnahme und suchen auch zusammen mit der Mutter eine Klinik aus."

Arbeitgeber frühzeitig informieren

Wichtig zu wissen ist auch, betont Silke Bahl, dass Arbeitgeber Eltern für diese Zeit freistellen müssen. 

"Man hat also Anspruch auf Gehaltsfortzahlung oder Lohnfortzahlung. Man muss nur den Arbeitgeber rechtzeitig über diese Maßnahme, die man machen möchte, informieren."

Einen Überblick über die Mutter- oder Vater-Kind-Kur-Einrichtungen und deren Angebote bietet das Müttergenesungswerk auf seiner Seite im Internet.

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