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StartseiteVerbrauchertippMitbestimmen bei Hausaufgaben, Schulnoten und Mittagessen04.10.2018

ElternvertretungMitbestimmen bei Hausaufgaben, Schulnoten und Mittagessen

Zu Beginn eines neuen Schuljahres werden in den Klassen die Elternvertreter gewählt. Gerade, wenn Eltern neu an der Schule sind, zögern viele erst einmal, ob sie ein solches Amt übernehmen sollen. Wer sich dafür meldet, sollte wissen, welche Aufgaben und welche Rechte damit verbunden sind.

Von Jessica Sturmberg

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Grundschüler und eine Lehrerin während einer Unterrichtsstunde in einem Klassenzimmer (imago/photothek)
Schule soll von Schüler und Eltern mitgestaltet werden. (imago/photothek)
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Kinder zu erziehen, ihnen den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen, ist eine gemeinsame Aufgabe von Eltern und Schule. Darum sollen Eltern auch Schule mitgestalten können. Das ist der Grundgedanke bei der Elternmitwirkung.

"Für alle Eltern ist wichtig, dass sie lernen, dass Schule ein demokratisches System ist."

sagt Peter Schütterle, Leiter der Sankt Nikolaus-Grundschule in Köln. So werden zunächst in den Klassen, dann auf Schulebene Elternvertreter gewählt, die das Schulleben mitgestalten. Im Klassenverband zunächst als Vermittler zwischen Eltern und Lehrern, zum Beispiel, wenn es Kritik an Notengebung, Unterrichtskonzepte oder Essenszeiten gibt. Oder auch wenn sich zwischen einem Lehrer und einem Schüler und seinen Eltern ein Konflikt anbahnt.

Eltern werden nicht immer aufgeklärt

"Das macht es oft einfacher im Konflikt, wenn dann jemand, nicht der direkt Betroffene, emotional Betroffene, sich an die Lehrkraft wendet, sondern dann diese Vermittlungsposition."

... die möglichst Dampf rausnehmen sollte. Diese Form der Vermittlung sollte als Angebot und nicht als Verpflichtung für die Elternvertreter verstanden werden. Und sie sollten solche Konflikte nicht zu ihren eigenen machen. Eine Ebene darüber, auf Schulebene …

"… da geht es dann schon um größere Themen, um die Qualität des Mittagessens in der OGS oder gibt es bei uns Noten erst ab der 3. Klasse, wollen wir Hausaufgaben haben oder nicht?"

erklärt Schulleiter Peter Schütterle. Welche konkreten Rechte Eltern haben, ist in den 16 Bundesländern in den jeweiligen Schulgesetzen geregelt. Allen gemein ist das Grundprinzip der Beteiligung, erklärt Erika Takano-Forch, die sich im höchsten Gremium, dem Bundeselternrat engagiert.

"Über die Schulgesetze haben wir diese Rechte, dass wir mit hinein mit dazu sprechen können, wenn es unsere Erziehungs- und Bildungsrechte tangiert."

Mittagessen ist ein Dauerbrenner

Zu den heißesten Dauerbrennern in den Schulen zählen Themen wie Umfang der Hausaufgaben, Schulmittelausstattung, Sauberkeit oder das Mittagessen.

"Schulessen ist natürlich ein Thema, wenn man dieses Thema anspricht, ist wie wenn man den Deckel eines Dampftopfes öffnet, es brodelt hoch. Viele machen vor Schreck den Deckel wieder drauf."

Erika Takano-Forch hat den Deckel nicht wieder draufgemacht. Sie hat im Land Berlin, wo ihre beiden Kinder zur Schule gehen, das heiße Eisen zusammen mit anderen Eltern angepackt. In dem Spagat zwischen möglichst preisgünstig, gesund und noch lecker, damit die Kinder es auch essen wurden gemeinsam mit Lehrern und Schülern Qualitätskriterien entwickelt und auch geklärt, wer die Verträge schließt.

"Es muss dringend auch die Möglichkeit geschaffen werden und das haben wir in Berlin geschafft, dass klar ist, was passiert, wenn der Vertrag und die Qualität verletzt wird."

Rechte sind in Schulgesetzen verankert

All das ist nun im Land Berlin gesetzlich festgeschrieben, dank Initiative der Elternvertreter. Aber auch schon auf Schulebene können Eltern ihre Ideen und individuellen Expertisen einbringen, oder Verbesserungsvorschläge machen. Welche Rechte sie genau in ihrem jeweiligen Bundesland haben, dazu sollten sich Eltern in ihren Schulgesetzen informieren. Denn nicht immer werden sie darüber in den Schulen aufgeklärt. Wie wichtig das ist, darauf weist Anke Staar, Mutter einer Gymnasiastin in Dortmund und Mitglied der Landeselternkonferenz NRW hin: 

"Eltern sind diejenigen, die an der Schule auf Schwachstellen hinweisen können und im System eben auch angeben können sozusagen wir ein Fieberthermometer, wenn irgendwas nicht richtig läuft."

Was Eltern aus ihrem Amt machen, hängt letztlich von ihrer persönlichen Einsatzbereitschaft ab. Pflichttermin ist der Elternabend und wer sich darüber hinaus engagiert: die Schul- oder Landeselternkonferenz. Dass ihre Eltern sich engagieren, finden Kinder im Teenager-Alter nicht immer unbedingt so toll, das hat auch Erika Takano-Forch erlebt. Aber inzwischen: 

"wo meine beiden Kinder die Pubertät durchlaufen haben, sagen sie - Mama, danke, es ist für uns ganz wichtig, dass Du Dich nicht umdrehst und Dir egal ist, wie es uns an Schulen geht."

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