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Empörung in BrüsselEU-Parlamentspräsident über Dikator Mussolini: Er hat auch Gutes getan

Tajani hinter einem Mikrofon. Unter dem rechten Auge trägt er einen roten halbkreisförmigen Strich. (AP Photo / Olivier Matthys)
EU-Parlamentspräsident Tajani in Brüssel mit dem Symbol der italienischen Kampagne gegen Gewalt an Frauen (AP Photo / Olivier Matthys)

Der Präsident des Europaparlaments, Tajani, hat mit einer Bemerkung über Italiens faschistischen Diktator Benito Mussolini Empörung ausgelöst.

Mussolini habe vor der Einführung der Rassengesetze und vor der Kriegserklärung an die ganze Welt auch "einige positive Dinge getan", sagte Tajani in einem Interview von Radio24. "Ich bin kein Faschist, ich war nie ein Faschist. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, hat er Straßen, Brücken, Gebäude, Sportanlagen gebaut", sagte Tajani, der zur konservativen Partei Forza Italia von Ex-Ministerpräsident Berlusconi gehört. "Wenn man ein historisches Urteil fällt, muss man objektiv sein."

Mussolini war von 1922 bis 1943 an der Macht. Italien trat 1940 an der Seite der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in den Zweiten Weltkrieg ein.

Rücktrittsforderungen

Tajani nahm später Abstand von seinen Äußerungen und entschuldigte sich. In Brüssel wurden dennoch Rücktrittsforderungen laut. Die Äußerungen seien eines Präsidenten unwürdig, sagte die Grünen-Vorsitzende Keller. Entweder er nehme die unsägliche Verharmlosung des Faschismus zurück oder trete ab. Linken-Chefin Zimmer teilte mit, der Faschismus, der für die dunkelsten Zeiten der italienischen und europäischen Geschichte verantwortlich gewesen sei, dürfe niemals relativiert werden: "Deshalb fordern wir als Linksfraktion den sofortigen Rücktritt von Antonio Tajani." Auch der Chef der Sozialdemokraten, Bullmann, kritisierte den Präsidenten des Europäischen Parlaments.