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StartseiteEuropa heute"Wir müssen die Gesellschaft wieder zusammenbringen"11.12.2018

En-Marche-Abgeordnete Thillaye"Wir müssen die Gesellschaft wieder zusammenbringen"

Mit den Bürgern sprechen und Vertrauen aufbauen – das seien angesichts der Gelbwesten-Proteste die wichtigsten Aufgaben für Frankreichs Präsidenten Macron, sagte En-Marche-Abgeordnete Sabine Thillaye im Dlf. Man müsse die Politik der Regierung besser erklären.

Sabine Thillaye im Gespräch mit Katrin Michaelsen

Sabine Thillaye, Abgeordnete von En Marche in der französischen Nationalversammlung (dpa / Thomas Padilla)
Sabine Thillaye ist Abgeordnete von Emmanuel Macrons Bewegung En Marche in der französischen Nationalversammlung (dpa / Thomas Padilla)
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Katrin Michaelsen: Frau Thillaye, Emmanuel Macron wird vorgeworfen, ein entfernter, ein entrückter Präsident zu sein, der die Nähe zum Volk verloren hat. Ist es da noch zeitgemäß, sich mit einem Auftritt im Fernsehen, abends um 20 Uhr an das Volk zu wenden? Ist das nicht zu staatstragend?

Sabine Thillaye: Ja, aber man muss auch sehen, dass Frankreich in dieser Beziehung auch ganz andere Traditionen hat als zum Beispiel Deutschland. Es ist also durchaus üblich, gerade in außergewöhnlichen Situationen, dass der Präsident direkt spricht und gerade in einer Fernsehsendung um 20 Uhr, die doch von vielen Bürgern gesehen wird und dann einem auch gleichzeitig über die sozialen Netzwerke weitergegeben wird. Und wir sind ja nun gerade in einer außergewöhnlichen Situation und da ist glaube ich dieser Auftritt schon sehr, sehr wichtig. Und wenn ich vielleicht ein bisschen weiter über Ihre Frage hinausgehen darf. Es geht ja auch darum, dass falschen Informationen, die es ja sehr, sehr viel in Sozialen Netzwerken gibt, so weit wie möglich sofort der Boden entzogen wird.

"In den Dialog treten, Vertrauen aufbauen"

Michaelsen: Welche Botschaft Präsident Macrons ist denn für Sie die wichtigste gestern Abend gewesen?

Thillaye: Also für mich die wichtigste ist eigentlich, dass wir jetzt unbedingt in den Dialog mit den Bürgern treten müssen, dass wir Vertrauen aufbauen müssen, jetzt mal ganz abgesehen von allen technischen Details oder von allen Ankündigungen, wie die Erhöhung des Mindestlohns, finde ich es sehr wichtig, dass wir versuchen, die Gesellschaft wieder zusammen zu bringen.

Frankreich ist eine schwierige Gesellschaft, würde ich sagen, wenn man sich das manchmal auch ein bisschen von außen ansieht, und da ist es ganz, ganz wichtig, Vertrauen aufzubauen und vor allen Dingen auch zu erklären, was geschieht eigentlich in der Politik. Warum werden bestimmte Entscheidungen getroffen. Und das ist vielleicht auch etwas, wofür wir persönlich auch, wir Parlamentarier viel mehr Zeit bräuchten. Und vielleicht auch noch: Er hat ja auch angekündigt, dass wir darüber nachdenken müssen, wie ist der Staat aufgebaut und wie kann man ihn vielleicht auch modernisieren.

"Es gibt keinen Zauberstab und die Erwartungshaltung ist sehr groß"

Michaelsen: Frau Thillaye, wieso schafft es eigentlich eine Basis-Bewegung wie die sogenannten Gelbwesten die Menschen so stark gegen eine Basis-Bewegung wie sich ja En Marche auch ursprünglich verstanden hat, aufzubringen?

Thillaye: Ja wir haben sehr viel Hoffnung geweckt. Wir sind mit großen Ansprüchen angetreten und wir sind natürlich auch selber doch sehr viele, die aus der Zivilgesellschaft kommen. Ich bin auch ein Beispiel dafür. Ich hatte vorher noch nie ein politisches Mandat, war im Unternehmensbereich tätig und bin sozusagen erst seit anderthalb Jahren Politikerin und ich habe mich auch auf dieses Abenteuer eingelassen, weil wir eben auch Menschen sind, die aus allen verschiedenen Richtungen kommen.

Und dieses, man kann schon fast sagen, Abenteuer jetzt gewagt haben, dass Menschen aus verschiedenen politischen Richtungen, von links und rechts jetzt versuchen, etwas Neues aufzubauen und wir sind ja fast auch so als Überraschung angekommen, wie heute die Gelbwesten, die auch natürlich aus allen unterschiedlichen Richtungen kommen. Das Problem ist natürlich, es gibt keinen Zauberstab und die Erwartungshaltung ist sehr groß und unsere Mitbürger wollen sofort Resultate sehen und das ist natürlich schwierig und da komme ich wieder darauf zurück, dass wir unbedingt eben auch erklären müssen, warum vieles so oder so auf den Weg gebracht worden ist.

"Es geht darum, die Lage zu beruhigen"

Michaelsen: Muss ihre Bewegung En Marche Neuwahlen fürchten? Wie schätzen Sie das ein?

Thillaye: Ich glaube jede politische Bewegung, oder jede Partei sollte Neuwahlen fürchten, weil man sich ja auch immer wieder in Frage stellen muss oder sollte, gerade im politischen Prozess. Man muss abwarten, was geschieht, wie werden die Ankündigungen, auch des Präsidenten aufgenommen. Es geht jetzt auch erstmal darum, die Lage zu beruhigen und es geht darum, wirklich in einen Dialog zu treten. Drei Monate lang werden auch Bürgerbefragungen durchgeführt, werden wir mit den Bürgern reden, wesentlich intensiver in den Kontakt treten, auch mit den einzelnen Bürgermeistern auf lokaler Ebene und das ist eben sehr wichtig und danach muss man erstmal weitersehen.

Politisches Engagement aufgrund des europäischen Elans Macrons

Michaelsen: Präsident Macron wird in ein paar Tagen zum EU-Gipfel nach Brüssel aufbrechen. Wie stark bremst die politische Krise in Frankreich seinen Elan, die Europäische Union zu erneuern?

Thillaye: Also ich glaube, da gibt es vielleicht ein paar mehr Hürden, aber der Elan ist auf jeden Fall da. Und wir sind sehr viele, die auch dieses politische Engagement akzeptiert haben aufgrund dieses europäischen Elans. Weil für viele Probleme, die wir heute haben, ist eigentlich die Europäische Union die richtige Stelle oder das angemessene Niveau, um Lösungen zu finden.


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